Berlin-WoMen: Max Beckmann (Ausstellung in der Berlinischen Galerie ab 19.11.2015)

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Müllerssohn und Schulabbrecher um 1900, das sind kaum gute Voraussetzungen für eine Kunstkarriere. Trotzdem wurde Max  Beckmann DER deutsche Künstler des frühen 20. Jahrhunderts. In Massenszenen, Interieurs und Selbstportraits verlieh er den menschlichen und politischen Abgründen, Absurditäten und Grotesken seiner Zeit ein Gesicht. Am 19.11. eröffnet die Berlinische Galerie „Max Beckmann und Berlin“. Hier erfahrt ihr mehr über diesen großartigen Maler. Eine Ausstellungsbesprechung folgt in Kürze:

Max Carl Friedrich Beckmann (12.02.1884-27.12.1950) ist DER deutsche Maler, Grafiker, Zeichner Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Müllerssohn wuchs in Braunschweig und Leipzig auf, mit 12 Jahren fertigte er sein erstes Selbstportrait an. Er war ein schlechter Schüler, ihn interessierte nur die Geschichte der Kunst. Da half auch nicht das Privatinternat, das er 1899 besuchte und aus dem er dann abhaute. 1900-1904 studierte er an der Großherzoglichen Sächsischen Kunstschule in Weimar bei Carl Frithjof Smith. Hier fand er zu seinem prägnantesten Stilmittel, der schwarzen Kontur und zu seiner zukünftigen Ehefrau, der Malerin und Sängerin Minna Tube.

Beckmann reiste nach Paris, Holland, Italien und der Schweiz, wo er sich mit Cézanne, Rembrandt, Franz Hals und Vermeer befasste. Auch besuchte er Ferdinand Hodler und sah den Isenheimer Altar in Colmar, der ihn zu seinen zahlreichen Triptychen inspirierte. Seine Themen: Tod, Krieg,Gewalt, Armut, Erotik, Liebe und Exil verarbeitete er in collageartigen bühnenhaften Ansichten, knallbunt mit kräftigen schwarzen Umrissen. Seine Hauptwerke wurden u.a. das Doppelportrait Max Beckmann und Minna Tube (1909), Selbstportrait als Sanitäter(1915), Die Nacht (1918/19), das Selbstporträt als Clown (1921), die Abfahrt (1932/33) und die Argonauten (1950).

Die Karriere Beckmanns war beispiellos: 1906 der Preis der Villa Romana in Florenz und des Allg. Dtsch. Künstlerbunds, 1928 der Reichsehrenpreis Deutscher Kunst und eine Retrospektive in Mannheim sowie 1932 ein eigener Saal in der Neuen Nationalgalerie Berlin. Max Beckmann stellte in der Berliner Secession, auf der Berlinale in Venedig, der Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ aus und wurde von der Galerie Cassirer in Berlin vertreten. Seine Förderer waren Harry Graf Kessler, Julius Meier-Graefe, Reinhard Piper und Stephan Lackner, seine Freunde Alfred Kubin, Heinrich George u.a. Berühmtheiten der Zeit. Im 1. Weltkrieg meldete sich der Pazifist für den Rettungdienst, erlitt jedoch bald einen Nervenzusammenbruch angesichts der Horrorszenarien, die der Krieg zu bieten hatte. Im Anschluss entstanden seine scharf eingefärbten Kriegs- und Gewaltbilder.

1924 trat Mathilde Kaulbach, die Tochter des berühmten Malers Friedrich August von Kaulbach in Beckmanns Leben. „Quappi“ wurde sein Topmodell und seine 2. Ehefrau nach der Scheidung von Minna Tube. Eine Karriere fördernde Lebensentscheidung, der 1925 die Berufung zum Professor an der Schule des Städel-Museums in Frankfurt/M. folgte.

1933 dann die Zäsur: Fristlos entließen die Nazis den Künstlerstar aus dem Staatsdienst und „krönten“ ihn 1937 zum Protagonisten ihrer Propapgandaschau „entartete Kunst“. Beckmann ging 1937 ins Exil nach Amsterdam. 1947 erhielt er das ersehnte Visum für die USA, wo er sich als Dozent an verschiedenen Art Schools betätigte und sich als Professor der Art School des Brooklyn Museums in New York niederließ. Ihm blieben drei Jahre, um seinen wachsenden Ruhm in den USA genießen zu können.

Max Beckmann lebte 1904-1914 und 1933-37 in Berlin.

Max Beckmann und Berlin, Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin, Mi-Mo 10:00-18:00 Uhr, 8/5 €,  20.11.2015-15.02.2016

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