Berlin-Women: Germaine Krull. Photographien

Berlin-Women

 Germaine Krull: Selbstportrait, Paris, 1927 Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München © Estate Germaine Krull, Museum Folkwang, Essen. Bild: http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/gropiusbau/programm_mgb/mgb15_krull/ausstellung_krull/veranstaltungsdetail_mgb15_krull_117525.php

Germaine Krull: Selbstportrait, Paris, 1927
Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, München
© Estate Germaine Krull, Museum Folkwang, Essen. Bild: http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/gropiusbau/programm_mgb/mgb15_krull/ausstellung_krullveranstaltungsdetail_mgb15_krull_117525.php

Germaine Krull fotografierte Hände, Gesichter, Autos und Straßen, Architektur, Akte, Landschafts- und Stadtszenen. Mit ihrer kleinformatigen Ikarette nahm sie die Motive aus unmittelbarer Nähe auf. Sie experimentierte mit Mehrfachbelichtungen und Collagetechnik. In Berlin, München und Paris zählte sie zu den Protagonisten der experimentellen Kunstfotografie vor 1945. Nun zeigen die Berliner Festspiele eine Schau mit über 130 Exponaten.   Hier erfahrt ihr mehr von der spannenden Berlin-Woman Germaine Krull und ihre Ausstellung:

Germaine Krull (29.11.1897-31.07.1985) wächst in Ostpreußen, Italien, Frankreich und der Schweiz auf. Sie ist ein Scheidungskind und macht mit 17 die Erfahrung einer Abtreibung. 1915 beginnt sie eine Ausbildung an der Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie in München, bereits zwei Jahre später eröffnet sie ihr eigenes Studio für Portrait- und Aktfotografie. 1918 beteiligt sich die überzeugte Spartakistin an der Novemberrevolution, was zu ihrer Ausweisung aus München führt. Bis 1922 hält sich Germaine Krull in Russland auf, geht eine Beziehung mit dem Revolutionär Kurt Adler ein, wird verhaftet und bedroht. Typhuskrank kehrt sie 1922 nach Deutschland zurück. Hier lässt sie sich in Berlin nieder, eröffnet mit dem Ehepaar Hübschmann ein Fotostudio und lernt den holländischen Filmemacher Joris Ivens kennen.

Mit ihm geht sie 1925 nach Amsterdam.  1926 eröffnet sie in Paris ein Studio für Modefotografie. Sie begegnet Man Ray, Walter Benjamin und Jean Cocteau. Auch arbeitet sie für die Künstlerin und Modedesignerin Sonia Delaunay. Sie verfolgt eine ganz neue Art der technischen Fotografie, die den Fokus auf die Konstruktion und das Material richtet. Dazu veröffentlicht sie 1928/29 den Fotoband „Métal„, der sie unter den Vertretern der Nouvelle Vision berühmt macht. Das Wochenmagazin VU engagiert sie für künstlerische Fotoreportagen. U.a. lichtet sie die Arbeiterviertel und Obdachlosen von Paris ab. Ausstellungsbeteiligungen, wie am Salon de l`Escalier, Fotografie der Gegenwart, Film und Foto und Werkbund folgen, die Fotokünstlerin veröffentlicht Bildbände, illustriert einen Roman von Georges Simenon, portraitiert André Malraux, Sergei Eisenstein und Colette.

1941 engagiert sich Germaine Krull in der Widerstandsbewegung „France Libre“, reist nach Brasilien, Algier und wird Kriegsfotografin. 1945 dokumentiert sie die Befreiung des KZ Vaihingen mit der Kamera. Die Fotoszene ändert sich nach dem Krieg, Krulls künstlerisch-experimenteller Ansatz ist weniger gefragt. Deshalb wandert sie nach Asien aus und wird Managerin des „Hotel Oriental“ in Bankok. Der Fotografie bleibt sie treu, macht Fotokampagnen in Thailand, Birma und Indochina. 1968 schließt sie sich der Bewegung des Dalai Lama an und lebt in Indien. 1983 kehrt Germaine Krull nach Deutschland zurück und stirbt 1985 in Wetzlar.

Die Ausstellung Fotografien – Germaine Krull mit 130 Originalabzügen im 2. Stock des Martin Gropius Bau in Berlin-Mitte ist nach Themenschwerpunkten sortiert: Hände, Paris, Frauen, Auto und Straßen, der Krieg u.a. Schritt für Schritt, Foto für Foto eröffnet sich die Schaffenswelt von Germaine Krull. Ihr Blick für Konstruktion und Material, ihre Begeisterung für schnelle Autos, ihr Feeling für die Städte und die Freiheit der Straße. Auszüge aus Büchern und Magazinen, für die die Künstlerin gearbeitet hat, zeigen die Umsetzung ihrer Kunstfotografie in das Reportageformat. Krull hat sich auch im Film versucht, in der Ausstellung laufen zwei Schwarzweißstreifen, die ihren eingespielten fotografischen Blick bestätigen. Nicht immer überzeugt die Qualität der Abzüge, das hat Krull offenbar weniger interessiert. Insgesamt ist es eine kleine feine Ausstellung für Begeisterte der Kunstfotografie im 20. Jahrhundert und Freunde der Frauen in den Medien.

Fotografien. Germaine Krull, Martin Gropius Bau, Berliner Festspiele, Niederkirchner Str. 7, 10963 Berlin, 8/6 €, Mi-Mo 10:00-19:00 Uhr, 24. und 31.12. geschlossen, bis 31.02.2016

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