#Guckstu Nr. 4: Raffael, Sixtinische Madonna 1512/13

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Sixtinische Madonna Raffael, 1512/13 Öl auf Leinwand, 256 × 196 cm Gemäldegalerie Alte Meister Dresden. https://de.wikipedia.org/wiki/Sixtinische_Madonna
Sixtinische Madonna Raffael, 1512/13 Öl auf Leinwand, 256 × 196 cm Gemäldegalerie Alte Meister Dresden. https://de.wikipedia.org/wiki/Sixtinische_Madonna

Jede echte Zeitung hat ihren Kolumnisten. Und da wir das einzige tägliche Wochenmagazin Berlins sind, haben wir nun auch einen, bzw. eine. Wir freuen uns, dass die Rächerin der Kunst und einzig wahre Kunsthistorikerin, Dr. Carola Muysers regelmäßig das Füllhorn ihrer grandiosen (Ein)Bildung über uns ausschüttet. Freut euch auf die Minivorlesungen #Guckstu. Denn wir haben keine Tomaten auf den Augen und nehmen kein Blatt vor den Mund. Welcome zu Nr. 4: Die sixtinische Madonna von Raffael.

Okay, okay. Letztes Mal La Primavera von Botticelli und jetzt schon wieder Renaissance? Hoffentlich könnt ihr das verkraften. Aber wenn ihr eure Situation mit der der Flüchtlinge am LaGeSO, Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin vergleicht, dann ist das doch das reine Zuckerschlecken. Nämlich noch mal Kunstgeschichte mit der Rächerin der Kunst und einzig wahren Kunsthistorikerin Dr. Carola Muysers zu studieren. Und zwar so, wie ihr es NIE an der Uni serviert bekommen habt und hättet.  Hier lernt ihr ohne Tomaten auf den Augen und einem Blatt vor dem Mund. Und zwar heute über:  

Raffael, Sixtinische Madonna, Öl/Lw, 1512/13, Gemäldegalerie Alte Meister Dresden

An einer durchgebogenen Stange baumelt ein profaner grüner Vorhang. Er gibt den Blick frei auf eine junge Frau. Ihr rotes Kleid mit dem blauen Umhang ist ein bisserl schöner als ihr oller brauner Schleier, den sie gerade aus der Grabbelkiste ergattert hat. Sie ist ein hübsches Mädchen vom Land, die ihr nacktes Kleinkind auf dem Arm hält. Ganz verheult gucken die beiden. Denen muss geholfen werden, vielleicht sind das sogar Flüchtlinge!

Schnell rufen wir Opa Sixtus II. und die hlg. Tante Barbara herbei. Opa hat sich einen alten beigen Teppich übergeworfen, Barbara hat sich hübsch gemacht: gepflegte Frisur, edles Gewand mit Puffärmeln und seidenem Tuch. Als einzige hat sie den Promi-Status dieses Bildes kapiert. Opa und Barbara haben echt was durchgemacht: Sie wurde in einen Turm gesperrt und dann von ihrem Vater geköpft, er von römischen Schergen hingerichtet. Nun trösten die beiden christlichen Märtyrer die beiden Heulsusen: die Sixtinische Madonna und das Jesuskind kriegen eine Engels-Tapete, auf der 1.000 süße, neugierige Wolkenköpfchen zu sehen sind. Guckt mal genau hin, dann seht ihr sie auch.

Das Bild wurde Anfang des 16. Jahrhunderts gemalt. Damals kloppten sich überall in Italien die großen einflussreichen Familien. Papst Julius II. wollte Ruhe im Karton haben und stiftete der Klosterkirche San Sisto in Piacenza dieses Madonnenbild. Kein anderer als Raffael, geb. Raffaelo Santi (1483-1520) kriegte den Auftrag und pinselte eines der berühmtesten Kunstwerke der Welt. Das wusste damals noch keiner, weshalb auf dem Gemälde ziemlich schlechte Stimmung herrscht. Selbst die beiden kleinen Engel unten am Bildrand gucken echt miesepetrig aus der Wäsche. Sie haben allen Grund, denn die wurden von der Geschenkindustrie ja sowas von über den Tisch gezogen. Auf Mio Servietten, Stiften, Kalendern, Postern und Tischdecken prankt ihr Konterfei. Und was haben sie davon: nüscht! Anfang des 18. Jahrhunderts kam das Gemälde nach Dresden, wo wir es heute in der Gemäldegalerie bewundern können. Verdanken tun wir das August dem Starken, der mit den Mönchen von Piacenza herumschacherte und das Bild schließlich für den stolzen Preis von 25.000 Scudi kriegte.

Raffael ist der berühmteste Maler der Renaissance. Für große Auftraggeber in Florenz, Urbino und Rom malte er die Mariengeschichte rauf und runter: herrliche Vermählungen, Geburten von Jesus, Kreuzigungen, Marienkrönungen usw. Auch Papst Julius II. und seine Bande buchten ihn für Gemälde, Ausmalungen im Vatikan und die Bauleitung im Petersdom, wo er u.a. Michelangelo connectete. Die Arbeit wurde so viel, dass er Assistenten anstellen musste. Und womöglich hat einer von denen die Sixtina verbrochen. Raffael wurde von einer Geschlechtskrankheit, Malaria oder der Pest dahingerafft. Die Nachwelt stritt über seine Todesursache, denn dann kommt´s ja spätestens raus, was man wirklich für eine/r war. Die Romantiker vergötterten ihn als reines, unschuldiges Genie und seine Sixtina als Kunstwerk, das die Welt noch nicht gesehen hat. Edle Einfalt, stille Größe? Ja, denn die Sixtina ist nichts anderes als ein grandios gemaltes Kasperltheater.

©Berlin-Woman

Bildquelle für alle Abmahner: https://de.wikipedia.org/wiki/Sixtinische_Madonna

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