World-Women: Swetlana Alexijewitsch, Nobelpreisträgerin 2015

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Photo: Margarita Kabakova/Ersatz AB. Bild: http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2015/alexievich-facts.html
Photo: Margarita Kabakova/Ersatz AB. Bild: http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2015/alexievich-facts.html

Strahlenopfer aus Tschernobyl, Sowjetische Soldaten in Afghanistan, die postsowjetische Gesellschaft, Familien im 2. Weltkrieg – die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch hat eine eigene literarische Gattung für das Unfassbare erfunden. Seit 35 Jahren befasst sie sich mit den kollektiven Traumata, die Krieg, politische Krisen und Umwälzungen und ökologische Katastrophen hervorrufen. Am 08.10. hat sie den Nobelpreis für Literatur 2015 erhalten. Hier erfahrt ihr mehr über die herausragende Autorin.

 

Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch (*31.05.1948) ist eine weißrussische Schriftstellerin und Trägerin des Nobelpreis für Literatur 2015. Sie verfasst Kurzgeschichten, Essays, Romane, Dreh- und Hörbücher sowie Reportagen. Ihr geht es nicht um die Fiktion sondern die größtmögliche Annäherung an die Realität. Dazu hat sie eine eigene Methode entwickelt: die Collage aus individuellen Statements, Meinungen, Berichten und „Geschichten“ der Betroffenen. Die Schaffensquelle ist jeweils das Gespräch mit den Opfern, Chronist/innen und Akteur/innen krisenhafter Schauplätze. Swetlana Alexijewitsch gibt den sowjetischen Afghanistan-Veteranen, den ehemaligen Kindern im 2. Weltkrieg, den Strahlenopfern in Tschernobyl, den Bürger/innen des postsowjetischen Russlands und den sowjetischen Soldatinnen das Wort. Aus ihren Stimmen setzt sie ein Bild der Realität zusammen und erschafft damit zugleich ein literarisches Gesamtbild. Man kann und soll ihre Bücher als Sachbuch und als Belletristik lesen.

Swetlana Alexijewitsch stammt aus einer Lehrersfamilie. Sie studierte Journalismus an der weißrussischen Staatsuni in Minsk und arbeitete als Journalistin und Lehrerin. 1976 wechselte sie zum Literaturmagazin Neman. 1983 wandte sie erstmals ihre besondere Collagetechnik auf der Basis von Interviews mit sowjetischen Soldatinnen im Zweiten Weltkrieg an. Das Buch: Der Krieg hat kein weibliches Geschlecht fiel der sowjetischen Zensur anheim, um dann doch 1985 in der UdSSR zu erscheinen. Bis heute sind ihre Bücher in Weißrussland verboten. Die Autorin selbst steht unter Beobachtung und musste sich schon mehrfach vor Gericht verantworten. Sie gilt als Kritikerin der weißrussischen Innenpolitik unter Ludmilla Lukaschenka und des russischen Regimes unter Wladimir Putin.

Swetlana Alexijewitsch hat für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften gearbeitet, war 2003-2005 Mitglied der internationalen Jury des Lettre Ulysses Award, ging nach Paris, Stockholm und Berlin und kehrte 2011 nach Minsk zurück.

Das sind ihre wichtigsten Publikationen:

  • Die letzten Zeugen Kinder und Familien im 2. Weltkrieg und unter Stalin (1985)
  • Der Krieg hat kein weibliches Gesicht über Soldatinnen im 2. Weltkrieg (1987)
  • Für Zinkjungen über Veteranen des Afghanistankriegs und Mütter gefallener Soldaten (1989)
  • Im Banne des Todes (1993), Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft (1997) und das Hörspiel: Gespräche mit Lebenden und Toten über die Reaktorkatastrophe Tschernobyl (1999)
  • Seht mal, wie ihr lebt. Russische Schicksale nach dem Umbruch (1999)
  • Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus (2013)

Die Schriftstellerin wurde mit zahlreichen wichtigen Preisen ausgezeichnet, darunter den Lenin-Komsomol-Preis, den Tucholsky-Preis des schwedischen P.E.N., den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, den Preis: das politische Buch der Friedrich-Ebert-Stiftung, den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und nun den Nobelpreis für Literatur. Sie ist die 14. Frau, die seit der Preisverleihung 1901 den Nobelpreis erhalten hat.

Berlin-WoMan gratuliert!

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Swetlana Alexijewitsch auf Berlin-WoMan

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