#Guckstu Nr. 3: Botticelli, Primavera 1477-1482

#Guckstu

Sandro Botticelli, Primavera, 1482/87, Uffizien Florenz. BIld: https://de.wikipedia.org/wiki/Primavera_%28Botticelli%29
Sandro Botticelli, Primavera, 1482/87, Uffizien Florenz. BIld: https://de.wikipedia.org/wiki/Primavera_%28Botticelli%29

Jede echte Zeitung hat ihren Kolumnisten. Und da wir mittlerweile das einzige tägliche Wochenmagazin Berlins sind, haben wir nun auch einen, bzw. eine. Wir freuen uns, dass die Rächerin der Kunst und einzig wahre Kunsthistorikerin, Dr. Carola Muysers einmal in der Woche das Füllhorn ihrer grandiosen (Ein)Bildung über uns ausschüttet. Freut euch auf die Minivorlesungen #Guckstu. Denn wir haben keine Tomaten auf den Augen und nehmen kein Blatt vor den Mund. Welcome zu Nr. 3: Primavera von Sandro Botticelli.

Hallo, hello, salut und saluti, liebe #Guckstu-Fans, hier ist die Rächerin der Kunst. Also, die Redaktion von Berlin-WoMan spinnt nicht nur, diese Woche sind die auch noch voll im Renaissance-Rausch Botticelli hier, Simonetta da, die Venus dort … Deshalb auch das aktuelle #Guckstu zum Thema. Okay, da müssen wir jetzt einfach durch. Tröstet euch, denn was ich hier in 5 min sage, müsstet ihr euch 10 mal so lang bei einer normalen Vorlesung anhören. Und der Prof, der die hält, würde auch noch das Zehnfache an Gehalt kriegen.  Also, nicht meckern, sondern gucken, und zwar heute:

Sandro Botticelli, Primavera, Tempera/Holz, 203 x 314 cm, 1477-1482, Uffizien Florenz

didum didi dirida, didum didi dirida, dideli, didelda, delirium … Und noch mal: didum didi dirida … Ja ich weiß, dass ich mich in einem Orangenhain mit bunter Frühlingswiese befinde. Deshalb müsst ihr in euren blöden Tourivideos aber nicht ständig den „Frühling“ von Antonio Vivaldi unterlegen, wenn ihr mich filmt. Ich, das ist die berühmte Primavera des berühmten Sandro Botticelli. Wie kotzt mich das alles an! Meine Homezone sind die Uffizien, aber früher habe ich mal überm Sofa der minderjährigen Braut von Lorenz il Popolano (kein Scherz, der Name) im Stadtpalast der Medici in Florenz kampiert. Das war verdammt viel besser. Heute kann mich jede/r anglotzen, fotografieren und filmen (ohne Blitz). Darüber bin ich so stinkesauer, dass mich mein Hausarzt auf eine Kur zur Ernährungsumstellung geschickt hat.

Hier seht ihr mich auf Kur. Ich kriege nur Basisches zu essen, d.h. Grünzeug, Rohkost und noch mal Grünzeug. Ich glaube, ich und Flora – das Mädel, das auch das Programm mitmacht – wir haben eine Überdosis erwischt. Mir kommt das Grünzeug zum Mund heraus. Und sie hat den Hals so richtig voll und ihr Kleid vollgekotzt. Oder ist daran das Vivaldi-Gedödel schuld, das wir hier tagaustagein anhören müssen? Bei einer Entschlackungskur kann einem schon ganz schön schwindlig werden, sag ich euch.

Den anderen Kurgästen geht es auch nicht besser. z.B. Zephir, der Gott der Westwinde über mir, ist vollgepumpt mit Schwermetallen. Seid froh, dass ihr den nicht riechen müsst, Puh. Und dem bleichen Gespenst da in der Mitte – du, die nennt sich Venus, ist auch schon ganz schlecht.  Mit letzter Kraft wehrt sie die Orangen ab, die ihr der Merkur ganz links im Bild vom Baum pflücken will. Vielleicht hat der Gott der Kaufleute mehr Glück bei den drei Grazien, wenn die mal mit ihrer Gymnastik fertig würden. Dieses stundenlange Herumgehopse zu Vivaldi macht uns alle noch ganz kirre.

Aber zurück zu mir: Ich bin Cloris, die etwas Moppelige da rechts, um die sich hier alles dreht. Auch wenn euch eingeredet worden ist, dass die saure Hungerharke in der Mitte oder die durchgedrehte Flora wären diejenige welche. Das Miststück Flora halte ich hier auf dem Bild fest, damit die sich nicht auch noch in den Vordergrund drängt. Das ganze Durcheinander ist deshalb entstanden, weil der Sandro einen Text von Ovid (antiker Dichter) mit dem von Vergil (Renaissancedichter) vermischt hat. Unsere Kur kommt in beiden vor, aber unterschiedlich. Das ist so, also ob man Saures und Basisches miteinander mischt. Damals hat man das offenbar besser verdauen können, denn da gab es all die glutenreichen Schokoriegel, Chips, Softeis und Schweineburger noch nicht. Heute kriegen wir das einfach nicht mehr so gut gebacken, weshalb sich die Fachwelt über uns den Kopf zerbricht. Aber mal ganz ehrlich, mir ist das sch…egal, denn wenigstens meine Verdauung ist großartig. Aber psst, sonst malt der Sandro das auch noch. Dann lieber Schwamm drüber …

Nein, nein, das machen wir besser auch nicht mit einem der berühmtesten Bilder der  Kunstgeschichte. Gemalt hat es Sandro Botticelli (1445-1510), auf dessen Kappe allerhand religiöse, mythologische und allegorische Schinken sowie Portraits gehen. Er lernte bei einem Goldschmiedemeister und 1464-67 bei Fra Filippo Lippi. Mit 25 machte der Youngster seinen eigenen Laden auf und gewann die Medicis, Herrscher der Stadt Florenz, als Auftraggeber und Förderer. Für die, vor allem für Lorenzo, schuf er zahlreiche gottlose Meisterwerke. Darunter ist neben der Primavera die Geburt der Venus zu finden. Die Venus malte Sandro ganz nackig, denn da war er schon länger im Dienst und traute sich was. Bei der Primavera sehen wir ebenfalls schon so einiges, aber immer noch mit einem Poposchleierchen verdeckt (davon hat der Lorenzo vielleicht seinen Namen, s.o.) Sandros Spezialität wurden die sauren blonden Mädels in Ernährungsumstellung. Bevor das so richtig los ging, also die Mädelsmalerei, pinselte er für Sixtus IV. die Stanzen im Vatikan. Da ging es noch um Jesus, Moses und ne Handvoll Päpste. Als Lorenzo starb, wars mit dem Spaß vorbei, und Sandro soll Rheuma gekriegt haben. Er sei verarmt durch Florenz gehumpelt, heisst es bei Vasari, der Obertratschtante der Renaissance. Mit Grünzeug hatte es der Maler persönlich nicht so sehr. Botticelli heisst auf deutsch: Fäßchen ©Berlin-Woman

Vergewissert euch selbst, was es mit Botticelli und seinen sauren Schönen auf sich hat. Besucht die herrliche Ausstellung The Botticelli Renaissance in der Gemäldegalerie Berlin. Es lohnt sich.

Bildquelle für alle Abmahner: https://de.wikipedia.org/wiki/Primavera_%28Botticelli%29

The Botticelli Renaissance auf Berlin-WoMan

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2 Gedanken zu „#Guckstu Nr. 3: Botticelli, Primavera 1477-1482

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