Berlin-Women: Gräfin Lichtenau

Berlin-Women

Anna Dorothea Therbusch, Gräfin Lichtenau, 1776, Potsdam Neues Palais. File: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Anna_Dorothea_Therbusch_-_Wilhelmine_Encke,_Countess_Lichtenau_-_WGA22210.jpg
Anna Dorothea Therbusch, Gräfin Lichtenau, 1776, Potsdam Neues Palais. File: https://commons.wikimedia.org/wiki/File: Anna_Dorothea_Therbusch_-_Wilhelmine_Encke,_Countess_Lichtenau_-_WGA22210.jpg

Mit diesen drei schillernden Namen musste sie sich einfach einen Namen machen: Wilhelmine Enke, verheiratete Madame Rietz und schließlich Gräfin Lichtenau (29.12.1753 – 09.06.1820). Die Mätresse des Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm II. prägte die Kunst und Baukultur im klassizistischen Preußen und versammelte Künstler und Wissenschaftler um sich. Ihrem verschwenderischen Leben und Wirken ist eine Ausstellung im Museum Charlottenburg-Wilmersdorf, Villa Oppenheim gewidmet. Hier erfahrt ihr mehr über diese Berlin-Woman.

Wilhelmine stammt aus angesehenen Hofmusikerfamilie. Schon als junges Mädchen lernte sie den Kronprinzen Friedrich Wilhelm kennen. Bis sie 16 und die Geliebte des Prinzen wurde, erhielt sie eine umfassende Ausbildung, u.a. in Paris. Der Kronprinz selbst unterwies sie in Geschichte, Geografie und antike Schriften. 1777 erhielt sie die offzielle Anerkennung als Maitresse, über den ihr Wirkungsradius erheblich wuchs. Sie wurde mit Gütern überhäuft, hatte ein Haus in der Mohrenstraße, Unter den Linden und am Charlottenburger Spreeufer, wo sie ihrerseits „Hof hielt“. Auch erhielt sie Land in der Neumark und ½ Mio Taler. Mit Friedrich Wilhelm hatte sie 6 Kinder, von denen 4 im Kleinkindalter starben.

Infolge seiner Hinwendung zum Rosenkreuzerorden gab Friedrich Wilhelm die Beziehung zu Wilhelmine auf, die daraufhin den Kämmerer Johann Freidrich Rietz ehelichte und weitere 3 Kinder bekam. Zugleich blieb sie die Freundin und Beraterin des Königs, der sie zur Gräfin Lichtenau erhob. In der Funktion wurde sie so etwas wie die königliche Designerin, Innenarchitektin und Kunstagentin. Sie sorgte für die Neuausstattung des Schlößchens auf der Pfaueninsel, die Umgestaltung von Schloss Charlottenburg und des Marmorpalais in Potsdam. Außerdem erwarb sie Kunstwerke für die königliche Sammlung und wirkte als Mäzenin von Johann Gottfreid Schadow, Carl Gotthard Langhans und Michael Philipp Boumann.

1795/96 machte sie eine Kurreise und Grand Tour nach Italien, wo sie die antiken Kunstschätze besichtigte und Kunstwerke für den Preußenhof erwarb. Sie lernte Angelika Kauffmann kennen, befreundete sich dem Archäologen Aloys Hirth und traf das Künstlerpaar William Hamilton und den Maler Jacob Philipp Hackert. Zurück in Berlin eröffnete sie einen angesehen Salon für Exzentriker, Adelige und Künstler/innen. Nach dem Tod ihres großen Protektors wurde sie von Friedrich Wilhelm III. verfolgt, inhaftiert und unter Arrest gestellt. Offenbar fürchtete er um seine Staatsgeheimnisse. Napoleon sorgte für ihre Rehabilitierung. Die Gräfin reiste zweimal nach Paris, stürzte sich in die Ehe mit dem 26 Jahre jüngeren Theaterdichter Franz Ignaz Holbein von Holbeinsberg, zog nach Breslau, wurde nach 4 Jahren geschieden und starb 1820 in Berlin.

Die Ausstellung, die derzeit in der Villa Oppenheim zu sehen ist, wirft einen vielschichtigen und kurzweiligen Blick auf das schillernde Leben der Gräfin Lichtenau.

Gräfin Lichtenau, Ein Leben für die Liebe & die Kunst, Museum Charlottenburg-Wilmersdorf, Villa Oppenheim, Schloßstraße 55/Otto-Grüneberg-Weg, 14059 Berlin, Di–Fr 10:00–17:00 Uhr, Sa, So und Feiertage 11:00–17:00 Uhr, Eintritt frei, bis 13.3.2016

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