#Guckstu Nr. 2: Die Dame mit dem Einhorn, um 1500

#Guckstu

Die Dame mit dem Einhorn, Teppich, Flandern um 1500, Musée de Cluny Paris, Detail. Bild: https://fr.wikipedia.org/wiki/La_Dame_%C3%A0_la_licorne
Die Dame mit dem Einhorn, Teppich, Flandern um 1500, Musée de Cluny Paris, Detail. Bild: https://fr.wikipedia.org/wiki/La_Dame_%C3%A0_la_licorne

Jede echte Zeitung hat ihren Kolumnisten. Und da wir uns rasant zum besten und einzigen täglichen Wochenmagazin Berlins entwickeln, haben wir nun auch einen. Bei uns ist es eine SIE. Wir freuen uns, dass die Rächerin der Kunst und einzig wahre Kunsthistorikerin, Dr. Carola Muysers einmal in der Woche das Füllhorn ihres fulminanten Wissens über uns ausschüttet.  Freut euch auf die Minivorlesungen #Guckstu. Denn hier hast du keine Tomaten auf den Augen und nimmst kein Blatt vor dem Mund. Welcome zu Nr. 2: Die Dame mit dem Einhorn:

Bildstrecke: à mon seul désir, Hören, Riechen, Schmecken, Sehen, tasten, Details

Moin, moin, hier spricht Dr. Carola Muysers. Wie gesagt, hier hat sich nix in der Redaktion geändert. Im Gegenteil, die drehen jetzt richtig ab, vor allem die Herausgeberin. Letzte Woche hat die das #Guckstu TV gegründet und letzte Nacht die #Guckstu Mediagroup. Ich soll wohl auch vor die Kamera. Aber das wolln wir erst mal sehn. Solange halte ich meine Vorlesung, kassier mein Honorar (ist wenig genug) und hau wieder ab. Solln die doch. Heute also: 

Die Dame mit dem Einhorn, 6 teiliges Set von Wandteppichen, Wolle/Seide, Flandern um 1500, Musée National du Moyen Age Paris

Also ich soll das Thema machen, weil die Heraugeberin die wohl mal im Deutschunterricht vor 100 Jahren durchgenommen hat. So mit Rilke, der darüber geschrieben hat. Da ist sie mit 17 Jahren einfach nach Paris gefahren, um die sich anzugucken. Immerhin hat sie das hingekriegt, naja und mir nun aufs Auge gedrückt. Egal, Vorlesungen halte ich ja über alles:

Mitten auf den 6 Teppichen, die in Flandern gewebt worden sind, steht eine junge schöne Adelige. Zu ihrer Seite ein Löwe und ein Einhorn, die jeweils eine Standarte mit der Heraldik von Antoine II. Le Viste, einem hohen Beamten unter Ludwig XII. tragen. Die Teppiche sind im Mille-Fleurs-Stil mit zahllosen kleinen Blumen und süßen Tieren gehalten. Ein gefundenes Fressen für die blöden Kunsthistoriker, die sofort mit der Überinterpretation auf der Matte – so schöne Teppiche gibt es ja nicht mehr – standen. Sie  wiesen den Motiven die 5 Sinne zu: Schmecken, Sehen Riechen, Hören, Tasten. Das 6. Motiv „à mon seul désir“ (dtsch.: mein einziges Begehren) soll die Entsagung von allem Weltlichen darstellen.

Aber #guckstu mal richtig hin: Da ist der Löwe, der König der Tiere, der stolz und kühn die Schöne bewacht. Er reißt das Maul begierig auf, während sie ein Vögelchen mit Leckereien verwöhnt (Schmecken) oder während sie ihre Kette aus der Schmuckschatulle nimmt (A mon seul désir), frei nach dem Motto: Diamonds are the girl´s best friend. Auf den anderen Teppichen trägt er sehr erhaben die Fahne, als ob er sagen würde: „Die Frau gehört mir!“ Und wage nicht, sie anzufassen.

Aber da ist auch das Einhorn, von dem man sagt, es würde gezähmt, sobald es den Kopf in den Schoß einer Jungfrau legt. Hm, hm und nach dem Motto: „Ich gehöre der Frau„. Tatsächlich guckt es total zutraulich in den Spiegel, den ihm seine Geliebte hinhält (Sehsinn). Der Löwe guckt dezent weg. Und, auweiha was macht die denn hier? Sie hat dem Einhorn die Fahne weggenommen und greift ihm ans Hörnchen (Tastsinn).  Derweil feixt sich der Löwe eins, ein Häschen hoppelt zu seinen Füßen. Schon wieder eine Anspielung, und was für eine! Auf der Tapisserie à mon seul désir hat die Schöne NOCH ein Schoßhündchen dazu bekommen. Waren der Unersättlichen Löwe & Einhorn etwa nicht genug, oder sind die wilden Tiere nun gebändigt wie das Hündchen? Keine Frage ist es, dass wir es  mit „both sides of love“ zu tun haben, wobei die Teppiche alle Stadien der Verführung durchdeklinieren.  Ne Klasse Art und Weise, seine/n Angebetete/n beim Teppichgucken um den Finger zu wickeln, oder?

Ach übrigens, die berühmte Dichterin George Sand (das ist die mit den Männerkleidern) entdeckte die Tapisserien im Schloss Boussac/Limousin. War wohl kein Zufall.

Bildquelle für alle Abmahner: https://fr.wikipedia.org/wiki/La_Dame_%C3%A0_la_licorne

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2 Gedanken zu „#Guckstu Nr. 2: Die Dame mit dem Einhorn, um 1500

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