Flüchtlinge: die aktuellen Zahlen, Daten, Infos für eine bessere Welt

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©Berlin-Woman

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Nach zwei Wochen wildester Diskussionen auf Facebook stehen uns die Haare zu Berge. Wieviel Zahlen, Daten, Fakten zu Flüchtlingen werfen selbst ausgewiesene Politiker/innen durcheinander. Remember, das hat Deutschland schon mal erlebt. Nennt sich Populismus, der zu einer kackbraunen Sosse gären kann. Bitte passt auf und bringt nur Konkretes ins Spiel. Ihr wisst, Berlin-WoMan und ihr, wir sind die Guten! Wir haben für euch noch mal die Infos und aktuellen Zahlen zur Flüchtlingsfrage zusammengestellt. Auf der Grundlage solltet ihr ins nächste Gespräch gehen, ob mit dem Nachbarn, dem Postboten, eurem Chef oder euren Liebsten. Und Leute, noch ein kleiner Appell an alle. Habt einfach mal´n Herz für andere!

Flüchtlinge weltweit: Derzeit sind ca. 60 Mio Menschen auf der Flucht. Darunter: 3,88 Mio Syrer/innen, 2,59 Mio Afghan/innen, 1,11 Mio Somalier/innen, 648.900 Sudaner/ierinnen, 516.800 Kongoleser/innen, 479.000 Mio Myranmaer/innen. Teilweise kommen sie übers Mittelmeer, wo sie eher den Tod auf den überfüllten und defizitären Flüchtlingsbooten riskieren, als in der Kriegs- und Krisensituation zuhause. Tausende schaffen es nicht nach Europa.

Die größten Aufnahmeländer: Türkei mit 1,59 Mio, Pakistan mit 1,51 Mio, Libanon mit 1,15 Mio, Iran mit 982.400, Deutschland mit 800.000, Äthiopien mit 659.500, Jordanien mit 654.100.

Flüchtlinge in Deutschland 2015: Es werden 800.000 prognostiziert. Der Bund gewährt für 2015/16 5 Mio €, die die Kommunen als Darlehn erhalten.

Abschiebungen von Deutschland 2015: 8.178 wurden bis jetzt abgeschoben. Die Abschiebungszahlen gehen zurück. Interessant: Es weigern sich auch zunehmend Piloten von Flugesellschaften, die Flüchtlingen in ihre Heimatländer zurückzufliegen.

Asylanträge in Deutschland: Bis Juni 2015 wurden 159.927 Asylanträge gestellt. Das sind: 20 % Syrer, 17,9 % Kosovo, 13,6 % Albanien, 6,3 % Serbien, 5,2 % Iraker, 5 % Afghanistan, 2,6 % Mazedonien, 1,6 % Bosnien-Herzegowina, 1,1 Montenegro, 26,4 % Sonstige. Darunter befinden sich 6 % Minderjährige ohne Eltern. Die Bearbeitungszeit für einen Asylantrag dauert 5,3 Monate.

Flüchtlinge, die in Deutschland einen Asylantrag stellen: Sie kommen in ein Flüchtlingscamp. Mit dem Asylantrag werden sie einer Stadt oder einem Landkreis zugeteilt, nur bei Ehepartnern und minderjährigen Kindern sind Familienzusammenführungen möglich. Die Asylanträger/innen erhalten pro Monat 140 € für Nahverkehr, Telefon, Internetnutzung und Freizeit sowie Essensgeld und Sachleistungen.

Und noch einmal: Es gibt das Asylrecht für politisch Verfolgte unter dem Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention und den subsidiären Schutz. Die Genfer Flüchtlingskonvention schützt Flüchtlinge, die aufgrund ihrer Rasse, Religion, Nationalität, politischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe im Heimatland verfolgt sind. Subsidiärer Schutz gilt, wenn einer Person im Heimatland Folter, unmenschliche Behandlung, die Todesstrafe oder eine konkrete Gefahr für Leben, Leib oder Freiheit drohen.

Wirtschaftsflüchtling: Der Begriff wurde 1965 gegen Einwanderer/innen aus dem Ostblock verwendet, die angeblich keine politischen Fluchtgründe hatten. Seit 1977/78 wird er vor allem gegen Asylbewerber aus der Dritten Welt eingesetzt. Sein Einsatz ist meistens falsch, weil diejenigen, die sich wirtschaftlich in Deutschland etablieren wollen, Asylanten oder Einwanderer/innen sind. Der Begriff dient dazu, dieser Gruppe„die Notwendigkeit zur Flucht abzusprechen und ihnen einen Missbrauch des Asylrechts vorzuwerfen“ (Georg Stötzel und Martin Wengeler).

Last but not least: Nach 1945 kamen 12 Mio Flüchtlinge und sog. Vertriebene sowie 12 Mio Displaced People, das sind Zwangsarbeiter/innen und ehem. KZ-Häftlinge, nach Deutschland. Weitere 7 Mio gelangten aus den sogen. Ehemaligen Ostgebieten: d.h. 3 Mio aus der Tschecheslowakei, 1.4 aus Polen, 300.000 aus Jugoslawien, 300.000 aus der Freien Hansestadt Danzig, 200.000 aus Ungarn und 130.000 aus Rumänien, nach Deutschland. Vertreten waren 20 Nationen und 35 Sprachen. Das Flüchtlings-“Management“ übernahmen die Alliierten und internationale Hilfsprogramme, für die „Evakuierten“ waren die Kommunen und Länder zuständig. 1949-61 kamen 2,7 Mio aus der DDR nach Westdeutschland.

Wer helfen möchte: Die Refugées brauchen alles! Informiert euch auf den jeweiligen Seiten, z.B. bei Foodsharing und bringt mal ne Fuhre bei dem Flüchtlingscamp in eurer Nähe vorbei. Foodsharing auf Facebook

Links und Quellen:

Flüchtlinge auf Berlin-WoMan

Flüchtlingszahlen

Flüchtlingshilfe

Fakten über Flüchtlinge in Deutschland, übersichtliches Diagramm

Pro Asyl

3 Gedanken zu „Flüchtlinge: die aktuellen Zahlen, Daten, Infos für eine bessere Welt

  1. Liebe Anja, vielen Dank für den Kommentar. Wenn du öfter Berlin-Woman liest, weisst du, dass wir in die Satire gegangen sind. Und dass das zwar wahr ist mit den „Guten“, dass wir das aber mit einer ordentlichen Prise Ironie von uns gegeben haben. Wir sind die Guten und wir haben keine Angst. Liebe Grüße von Berlin-WoMan

  2. Danke für diese Zahlen. Aber einen Einwand habe ich doch. „Ihr wisst, Berlin-WoMan und ihr, wir sind die Guten!“ Ich finde diese Aussage unglücklich.

    Viele Leute – und auch ich – haben Bedenken. Man sollte nicht weiter polarisieren und auch die Gegenstimmen ernst nehmen. Es gibt gute Gründe, mit dem Asylrecht vorsichtig umzugehen. Und meine langjährigen Erfahrungen im Ausland haben mich gelehrt, dass manche Länder gute Gründe haben, jetzt zurückhaltend zu sein.

    Sonntag gab es in der Times einen Artikel darüber, wie Homosexuelle in Syrien verfogt werden – nicht nur vom IS. Das sind Dinge, die mir Sorgen machen.

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