Berlin-Women: Asta Nielsen (11.09.1881-25.05.1972)

Berlin-Women

Bild: http://deutsches-filminstitut.de/filmmuseum/ausstellungen/sonderausstellung/asta-nielsen/
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Asta Nielsen (11.09.1881-25.05.1972) ist der erste große Filmstar überhaupt. Ihr verhaltenes, aber ausdrucksvolles Spiel machten sie zum Sexsymbol des jungen Mediums Kino weltweit. Doch ließ sie sich nie auf bestimmte Rollen festlegen. Sie spielte ebenso sehr gebrochene, leidende Frauen wie Prostituierte, Tänzerinnen und einfache Arbeiterinnen. Das Multitalent war auch als Produzentin, Unternehmerin, Autorin und Künstlerin tätig. Heute ist ihr Jahrestag. Congrats, Asta:

Asta Sofie Amalie Nielsen wuchs in Kopenhagen in großer Armut auf. Nach dem Tod des Vaters übernahm ihre Mutter das Regiment und erzog die Tochter sehr streng. Asta bäumte sich dagegen auf und nahm ab 1895 Schauspielunterricht. 1901 schenkte sie einer Tochter das Leben, die die junge Mutter allein erzog. Bewusst hatte sich Asta Nielsen gegen eine Ehe entschieden. Als die Tochter 1 Jahr alt war, setzte sie ihre Ausbildung an der Schauspielschule des Königlichen Theaters Kopenhagen fort und spielte am Dagmar-Theater und am Neuen Theater in Kopenhagen.

Mit dem Regisseur Urban Gad, den sie 1910 kennenlernte und mit dem sie 1912-1918 verheiratet war, drehte sie den Streifen „Abgründe“ – der erste Langfilm überhaupt. Er machte international Furore, so dass das Duo 1911 „der schwarze Traum“ und „die Ballettänzerin“ gleich hinterherschob. Daraufhin bot ihnen die deutsche Bioscop-Gesellschaft aus Berlin einen Exklusivvertrag über 24 deutschsprachige Filme an. Der erste Film „Heißes Blut“ wurde wegen seiner offenherzigen Szenen zum Zensurskandal. Asta Nielsens Spiel war wenig theatralisch, aber dennoch ausdrucksstark und immer mit einer Nuance Erotik gewürzt. Das mochte das Publikum und kürte sie zum Weltstar. Asta galt als „Duse des Films“, was als Anspielung auf die große Bühnenschauspielerin Eleonora Duse zu verstehen ist. Die junge Schauspielerin begeisterte in den Rollen der toughen, modernen Frau, die mit den gesellschaftlichen Konventionen in Konflikt gerät und mal ernst, mal komisch einen neuen Lösungsweg aufzeigt.

Nach einem Kriegs bedingten Aufenthalt in Dänemark kehrte sie 1919 wieder nach Berlin zurück, frisch verheiratet mit dem schwedischen Kapitän und Reederssohn Freddy Wingaardh. Die Ehe sollte 1927 geschieden werden. Asta Nielsen spielte nun in Literaturverfilmungen mit, darunter der Film von Ernst Lubisch „Rausch“ nach Strindberg, „Erdgeist“ nach Wedekind und „Hedda Gabler“ nach Ibsen. Auch drehte ihre eigene Produktionsfirma ArtFilm GmbH „Hamlet“ mit Asta in der männlichen Hauptrolle (!), „Fräulein Julie“ und „Absturz“, alles Filme, die mit der Rolle der typischen braven Hausfrau nichts, aber auch gar nichts zu tun haben.

In ihrem „Alterswerk“ brillierte Asta Nielsen z.B. 1925 als Straßenmädchen Marie Lechner in „Die freudlose Gasse“ mit Greta Garbo und unter der Regie Georg Wilhelm Pabsts. Insgesamt hatte die Schauspielerin in 70 Stummfilmen mitgewirkt, bevor sie sich 1932 einmal und nie wieder im Tonfilm versuchte. Obwohl sie es hätte meistern können, fühlte sich der Star hier nicht zuhaus. 1936 kehrte sie dem Nazideutschland den Rücken und widmete sich in Dänemark ihren Memoiren: „Die schweigende Muse“, die 1945/46 mit großem Erfolg erschien. Von nun an betätigte sich Asta Nielsen im schreibenden Gewerbe, verfasste zahlreiche Novellen, machte Radiosendungen und ihre Collagenkunst aus alten Filmkostümen. 1964 musste sie den Tod des Schwiegersohns und den Freitod ihrer Tochter seelisch verarbeiten, 1968 verfilmte sie dann in Eigenregie ihr Leben. Mit Auszeichnung der damaligen Berlin-Berlinale. 1970 ereilte sie dann noch einmal großes Glück. Sie heiratete den 19 Jahre jüngeren Kunsthändler Christian Theede, unternahm viele Reisen und erlebte nach eigener Aussage die besten Jahre ihres Lebens.

Supertanzszene mit Asta auf youtube

Asta als Banditin in „Zapatas Bande“ auf youtube

Asta als Hamlet auf youtube

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