Berlin-WoMen: Piet Mondrian

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Bild: http://www.vebidoo.de
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Er machte weder bei van Gogh, dem Impressonismus, Pointilismus noch dem Kubismus Halt. Unermüdlich entwickelte Piet Mondrian (07.03.1872-01.02.1944) seine Kunst weiter. Und fand zu einer Abstraktion, die er im Zusammenhang mit dem Design und der Architektur vollendet sah. Damit war für ihn das Ende der Kunst erreicht. Ab morgen ist die Ausstellung Piet Mondrian. Die Linie im Martin Gropius-Bau Berlin zu sehen. Berlin-WoMan bringt erstens die erweiterte Biografie und zweitens eine Ausstellungsbesprechung.

Der niederländische Maler Piet Mondrian war einer DER Hauptvertreter der klassischen Moderne und Mitbegründer der abstrakten Malerei. Von der Landschaftsmalerei kommend hatte er sich bis 1920 vom Einfluss der verschiedenen modernen Stilrichtungen befreit und malte von nun an das, was ihn allein interessierte. Strenge Geometrien aus einem Raster schwarzer Linien und darin eingebundenen Farbflächen in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau. Wir kennen die Muster von der Mode, dem Design und der Architektur des 20. Jahrhunderts.

Piet Mondrian stammte aus einer holländischen Großfamilie, lernte beim Onkel und Vater Zeichnen und machte sein Zeichenlehrerdiplom. 1892-97 besuchte er die Kunstakademie in Amsterdam. 1900 bewarb er sich auf den Prix de Rome, den größten Kunstpreis der Niederlande – allerdings erfolglos.

1906-1916 wirkte Mondrian im Vorstand des Moderne Kunstkring mit, der sich für die Verbreitung der modernen Kunst einsetzte. 1910 wurde er Mitglied der Pariser Künstlervereingung „Société des Artistes Indépendants“, mit der er auch ausstellte. 19011-1936 ging es mit Unterbrechung in die Metropole der Kunst: Paris. Hier lernte der Maler Diego Rivera, der sein Ateliernachbarn war, sowie Fernand Léger, Pablo Picasso und Georges Bracque kennen. In der Zwischenzeit hatte sich Mondrian einen Namen gemacht und stellte u.a. 1912 beim Kölner Sonderbund, 1913 auf dem Berliner Ersten Deutschen Herbstsalon und im Pariser Salon des Indépendants aus. Auch gewann er den Sammler Salomon de Slijer, der eine umfangreiche Mondrian-Kollektion aufbaut.

1917 kam es mit Vart van der Leck, Theo van Doesburg, P.P.Oud u.a. zur Gründung der de Stijl-Gruppe in Leiden. Die Künstler entwickelten praktische und theoretische Konzepte zur Vereinbarung von geometrischer Kunst mit Design und Architektur. Das ging nicht immer friedlich zu, man stritt über die de Stijl-Prinzipien. Piet verließ 1924 die Combo und trat anderen Gruppen rund um die abstrakte Kunst bei. Auch betrieb er verstärkt Innenarchitektur, stattete die Bibliothek der Sammlerin Ida Bienert in Dresden aus und entwickelte Bühnenbilder. 1937 wurden seine Arbeiten aus deutschen Museen in die Propagandaschau „entartete Kunst“ geschafft und als deutsche Antikunst verhöhnt. Mondrians pure Formen widersprachen dem monumentalen Formenkitsch der Nazis.

1938 verließ Mondrian die mitteleuropäische Gefahrenzone, siedelte zunächst nach London und 1940 in die USA um. Hier hatte er viele Solo- und Gruppenshows. Seine Malerei veränderte sich noch einmal. Die Kompositionen wurden verspielter und wiesen ein erweitertes Farbenspektrum auf. Nun verwendete er auch Klebeband und begann, Karton einzusetzen. Über die Fertigstellung seiner Komposition „Broadway Boogie Woogie“ verstarb er.

Mondrian, der ein großer Jazzfan und begeisterter Tänzer war, verstand seine Bilder als Landschaften und sich selbst als Landschaftsmaler. Seine Geometrien entstanden ohne mathematische Berechnungen. Sie sollten, so Mondrian, Zeugnisse einer besseren Welt sein. Dieses Modell realisierte der eigenbrödlerische Künstler in seinem Pariser Atelier: Er bemalte seine spärlichen Möbel in den Grundfarben, plazierte sie wie in seinen Gemälden nach geometrischen Maßgaben und tapezierte die Wände mit farbigen Papierquadraten. So machte er seine Kunst dreidimensional und lebte IN ihr. Hier hatten Kinder und Ehefrauen keinen Platz. Mondrian blieb Zeit seines Lebens Single. Die Kunst war seine Geliebte!

P.S. Unsere Leserin Prof. Dr. Anja Baumhoff korrigierte dankenswerter Weise unsere letzte Ausführung:  Mondrian war homosexuell und fand offenbar seine große Liebe in den letzten Jahren in Amerika.

Piet Mondrian. Die Linie. Martin Gropius-Bau Berlin, Niederkirchnerstr. 7, 10963 Berlin, Mi-Mo 10:00-19:00 Uhr, 11/8 €, Eintritt frei bis 16 Jahre, 04.09.-06.12.2015

2 Gedanken zu „Berlin-WoMen: Piet Mondrian

  1. Liebe Anja Baumhoff, herzlichen Dank für den Hinweis. Diese Info hatten wir nicht, selbst in der ganz aktuellen Biografie, die im Rahmen der Pressekonferenz zur Ausstellung „Mondrian. Die Linie“ taucht sie nicht auf. Magst du sie präzisieren?

  2. „Mondrian blieb Zeit seines Lebens Single. Die Kunst war seine Geliebte!“ Das klingt sehr romatisch. Warum nicht einfach sagen, dass Mondrian schwul war? Seine große Liebe fand er übrigens in den USA, kurz vor seinem Tod.

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