Que horas ela volta? (der Sommer mit Mama) – in den Berliner Kinos

Que horas ela volta?

der Sommer mit Mama auf Berlin-Woman

 

Im brasilianischen Sao Paulo: ein bürgerliches Paar (mit einem Swimmingpool), ihr Sohn, die Hausangestellte Val-, ihre Tochter. Das Szenario kann beginnen. Que horas ela volta? (Der Sommer mit Mama) ist eine portugiesische Produktion der Regisseurin Anna Muylaer. Unsere Mitbloggerin und Spezialistin für Kino & Literatur Sabeene hat sich den Film angeschaut:

 

Die Haushälterin Val zieht den Sohn groß, derweil ihre eigene Tochter Jessica im entfernten Zuhause bei einer Freundin aufwächst. Als die inzwischen Erwachsene zum Studium in Stadt kommt, kippt diese kleine eingespielte Standesgesellschaft. Jessica nimmt die formal-höfliche Einladung in das Gästezimmer an, anstatt sie „standesgemäß“ abzulehnen. Sie tafelt mit dem Hausherrn, kifft mit dem Sohn am Pool, es geht rund. Ihre Mutter hält diese Widersprüche kaum aus. Nach und nach missfällt es auch der Hausherrin, die schon damit zu kämpfen hat, dass sich ihr Sohn lieber von der Angestellten küssen und herzen lässt als von ihr.

In dezenten Szenen sehen wir z.B. wie der 17jährige Fabinho nachts zu Val ins Bett schlüpft, weil er nicht schlafen kann. Sie weiß genau, wie sie ihn am Hinterkopf zu kraulen hat. Am nächsten Morgen verschläft sie prompt, und so kommt Dona Barbara in die Küche, wo Vals Tochter wartet. Barbara macht Jessica das Frühstück, die Rollen werden vertauscht. (Aber wieso kann sich eine 20-jährige eigentlich nicht selbst ein Frühstück machen?)

Dann gibt es noch den blassen kränklichen Hausherrn, der sich zum Malen ins Gartenhäuschen zurückzieht und das Standesgetue nicht so recht mitspielen mag. Er, der der Finanzier des Ganzen zu sein scheint, überlässt seiner resoluten Frau das Regiment. Das eskaliert, als sich Jessica, enttäuscht und genervt von der Untertänigkeit ihrer Mutter, aus dem Staub macht. Langsam beginnt auch Val das System zu durchschauen, das niemanden der Beteiligten glücklich macht. Sie kündigt und zieht zur Tochter, die übrigens auch schon einen kleinen Sohn zurückgelassen hat, und damit exakt in die Fußstapfen ihrer Mutter tritt.

Der Film zeigt, wie sich Systeme konservieren und perpetuieren, auch wie Bewegung und Veränderung möglich sind, wenn man Dinge einfach mal in Frage stellt. Mein Lieblingsdialog: Der Hausherr fragt die Tochter der Angestellten „Glaubst du an Wiedergeburt?“ „Ich weiß nicht, darüber habe ich noch nicht nachgedacht“, antwortet diese. Darauf er „Ich glaube es nicht, wir haben nur diese eine Chance. Heirate mich!“

Que horas ela volta? (der Sommer mit Mama), R: Anna Muylaert, Brasilien 2015

Der Sommer mit Mama in der Berliner Kinos

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