Berlin-Women: Tilla Durieux, 18.08.1880-21.02.1971

Berlin-Women

Franz von Stuck: Tilla Durieux als Circe, um 1913, Alte Nationalgalerie Berlin. Bild: https://commons.wikimedia.org
Franz von Stuck: Tilla Durieux als Circe, um 1913, Alte Nationalgalerie Berlin. Bild: https://commons.wikimedia.org

 

Tilla Durieux, Theater- und Filmschauspielerin, Roman- und Theaterschriftstellerin, ist eine Berlin-Woman. Auch wenn sie aus Österreich kommt. Ihr Wille war ungebrochen: Gegen Ihre Eltern setzte sie eine Schauspielausbildung durch und reüssierte auf den großen deutschsprachigen Bühnen, vor allem in Berlin. Sie engagierte sich in der Arbeiterbewegung und emigrierte aus Nazideutschland 1933. Auch dann tourte sie weiter durch Europa. Und spielte und spielte …

 

Tilla Durieux, geb. Ottilie Godeffroy (18.08.1880-21.02.1971) stammt aus einer naturwissenschaftlich-musischen österreichischen Familie – Ihr Vater war der Chemiker Richard Godeffroy, ihre Mutter die ungarische Pianistin Adelheid Ottilie Augustine Godeffroy. Tilla absolvierte ihre Theaterausbildung in Wien. Gegen den Willen der Eltern, weshalb die Künstlerin den Mädchennamen der Großmutter du Rieux annahm. 1902 ging es los, sie trat in Stuttgart und Breslau auf. Schon ein Jahr später spielte sie auf den großen Berliner Bühnen, bei Max Rheinhardt, am Deutschen Theater, am Lessingtheater, am Königlichen Schauspielhaus, am Staatstheater und ab 1927 bei Erwin Piscator. Gastauftritte in Wien, St. Petersburg, Prag, Den Haag, Zürich folgten.

Ihr politisches Interesse wuchs mit der Arbeiterbewegung, wo sie sich maßgeblich engagierte. Bis zum Ersten Weltkrieg fuhr sie regelmäßig mit dem Reformpädagogen Leo Kestenberg in die Berliner Arbeiterbezirke und las, spielte und musizierte dort auf den Arbeitermatinéen und -versammlungen. Auch unterstützte sie einen der Anführer der Münchner Räterepublik, den Schriftsteller Ernst Toller, der 1919 wegen Hochverrats politisch verfolgt wurde. Und half, die Piscator-Bühne aufzubauen – DAS Berliner Avantgardetheater am Nollendorfplatz.

Nach der Machtergreifung der Nazis 1933 wanderte Tilla Durieux mit ihrem jüdischen Ehemann Ludwig Katzenellenbogen in die Schweiz nach Ascona aus. Weiterhin spielte sie in ganz Europa. Im 2. Weltkrieg engagierte sie sich in der „Roten Hilfe“ der kroatischen Partisanen. Seit 1934 lebten sie und ihr Mann in Zagreb. Ihr Mann wurde depotiert und 1943/44 im KZ Sachsenhausen ermordet.

Dennoch: Tilla Durieux kehrte 1952 nach Deutschland zurück. Hier wurde sie für Hörspiele und Filme gebucht und gastierte auf den Bühnen in Berlin, Hamburg und Münster. Die Unerschrockene bewährte sich in den großen Frauenrollen: Lady Milford, das Käthchen von Heilbronn, Hebbels Judith, Jokaste, Gräfin Werdenfels, Marquise von Keith, Franziska und Lady Mcbeth. Sie spielte in zahlreichen Filmen mit, u.a. im legendären Streifen der Filmgeschichte von 1929 „Die Frau im Mond“ von Fritz Lang. 1967 stiftete die Künstlerin den Tilla-Durieux-Preis, der alle 10 Jahre an eine Vertreterin der deutschsprachigen Schauspielkunst verliehen wird. Tilla Durieux, die Schlaue, verheiratete sich mit den Berühmtheiten, dem Maler Eugen Spiro, dem Galeristen Paul Cassirer und dem jüdischen Großunternehmer Ludwig Kantzenellenbogen. Ihr Ehrengrab liegt auf dem Städtischen Waldfriedhof Charlottenburg.

Gestern war der 135. Ehrentag von Tilla Durieux.  Spiele, spiele, spiele Tilla, auch über den Tod hinaus!

Tilla Durieux im Interview auf youtube

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