Berlin-Women: Lilly Reich, DIE Designerin

Berlin-Women

Bild: www.fembio.org
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Lilly Reich ist eine echte Berlin-Woman. Wenn man bedenkt, dass diese Kurbelstickerin zur größten Designerin der deutschen Moderne wurde, dann muss die Lady unschlagbar gewesen sein. Sie arbeitete im Büro van der Rohe und entwarf  dort u.a. die Musterwohung der Weißenhofsiedlung in Stuttgart, die Innenausstattung des Barcelona-Pavillons und der Villa Tugendhat. Als erste Frau wurde sie Vorstandsmitglied im Deutschen Werkbund. Lilly Reich setzte Maßstäbe fürs Neue Wohnen. Ihre eleganten wie schlichten Designs waren einfach umwerfend. Das fand auch Mies van der Rohe:

 

Lilly Reich (16.06.1885-14.12.1947) ist DIE deutsche Designerin der Moderne. Die Tochter aus einer reichen Unternehmersfamilie lernte nach dem Abitur Kurbelstickerin. 1908 ging sie nach Wien, wo sie in den Wiener Werkstätten bei Josef Hoffmann arbeitete. Hier liegen die Wurzeln ihres hervorragenden Designgeschmacks. Zurück in Berlin wirkte sie ab 1910 als Innenarchitektin und Möbeldesignerin. 1912 fand ihr Entwurf einer Arbeiter/innenwohnung auf der Austellung „die Frau in Haus und Beruf“ große Beachtung. Lillly Reich wurde Mitglied im Deutschen Werkbund, der sie 1920 als erste Frau in den Vorstand wählte. Parallel zur Innenarchitektur unterhielt sie ein Atelier für Mode- und Textildesign, der Möbelbau aber war und blieb ihre Passion.

1924 nahm die Designerin eine Stelle als Ausstellungsgestalterin im Messeamt Frankfurt/M. wahr. Hier begegnete sie Ludwig Mies van der Rohe, der sie abwarb. Lilly Reich übernahm den Part der Innenarchitektin und die Projektleitung für viele tolle Vorhaben, darunter den Glasraum mit raumhohen Glastrennwänden und farbigen Bodenbelägen für die deutsche Glasindustrie in Stuttgart sowie die Ausstattung der Musterwohnung in der Weissenhofsiedlung 1927/28, die Innenausstattung des Barcelona-Pavillon auf der Weltausstellung 1929 und die Leitung der deutschen Bauausstellung 1931. Auf Lilly Reich geht die Urform des Coop.Designs zurück.

Auch für Privathäuser, die Mies entwarf und baute, gestaltete sie die Inneneinrichtung, z.B. 1930 für die Villa Tugendhat im tschechischen Brünn (heute Weltkultuerbe). Der Freischwinger, der Barcelona-Sessel und die Palisanderliege tragen zwar das Copyright von Mies, aber Lilly hatte ihren Anteil an der Erschaffung dieser Weltberühmtheiten. 1932 ging es ans Bauhaus, zunächst in Dessau, dann bis zur Schließung 1933 in Berlin-Lankwitz.

Die Forschung über ihre Jahre unter der Naziherrschaft ist sich noch uneins. Hat sich Lilly Reich den Nationalsozialisten angebiedert oder nicht? Ist sie mit Mies 1939 in die USA emigriert oder unterhielt sie weiter ein Atelier in Berlin? Wann haben sich die beiden getrennt, denn das wissen die Expert/innen: Lilly Reich und Mies van der Rohe waren ein Paar, und zwar ein ausgewachsenes Power-Couple! 1947-49 war Reich – wieder? – in Berlin, wo sie als Dozentin für Raumgestaltung und Gebäudelehre an der HdK Berlin, heute UdK wirkte. Ihr Beitrag zur modernen deutschen und internationalen Design, – Wohn- und Architekturgeschichte ist noch nicht restlos entschlüsselt. Berlin-WoMan sagt aber schon mal:

Thank you, meric beaucoup , mille grazie,  Lilly!

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