Berlin-Women: Kate Diehn-Bitt, mit einem Tagebuch in Bildern

Berlin-Women

Kate Diehn-Bitt, der erste Zeichenunterricht bei Rudolf Sieger 1915
Kate Diehn-Bitt, der erste Zeichenunterricht bei Rudolf Sieger 1915

 

Was macht eine Künstlerin, wenn sie mit 20 ein Kind bekommt? Sie versucht so gut wie möglich, sich auszubilden, auszustellen und zu arbeiten. Was macht eine Künstlerin, wenn ihr die Nazis Berufsverbot erteilen? Sie arbeitet heimlich weiter. Was macht eine Künstlerin, wenn sie nach 1945 endlich die kreative Erfüllung erhofft und wieder enttäuscht wird? Sie arbeitet. Kate Diehn-Bitt hat ein umfangreiches Oeuvre hinterlassen, darunter das zauberhafte Tagebuch über ihre ersten 20 Lebensjahre. Hier zu sehen und alles weitere nachzulesen.

Bildstrecke: Tagebuch 1904-1920. Krocketpause 1904, Käting häd wedder Magweidag 1910, Per aspera at astra 1910, Rodelbahn am Tempelberg 1910, Weiter nichts als Kuchen 1912, Ulkige Illumination in Wintertagen 1910, Der erste Zeppelin 1911, Sonnfinsternis 1911, Auf der Schaukel 1913, Ein stiller Verehrer 1914, Der erste Zeichenunterricht bei Rudolf Sieger 1915, Weihnachten bei Großmutter 1916, Tanzstunde 1917, Als er sie zuerst erspähte 1918, Sonntagmittag bei Großmutter in der Loignystrasse 1918, Hier Kete 1918, Mit Kuchenpaket und Würfelszucker 1918, Brautpaar 1919, Der Täufling 1920, alle Arbeiten mit Aquarellstift, 29,8 x 42 cm, 1958 (Quelle: Kate Diehn-Bitt, Tagebuch, Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur in Rostock, Max Samuel Haus 2009)

Kate Diehn-Bitt (12.02.1900-23.10.1978) ist eine deutsche Malerin und eine gebürtige Berlin-Woman. Als sie 1 Jahr alt ist, heiratet ihre Mutter Elsa Bitt in 2. Ehe den jüdischen Apotheker und Chemiker Dr. Leo Glaser. Die Familie zieht nach Bad Doberan, wo das Mädchen die höhere Töchterschule besucht. 1914-16 erhält sie Zeichenunterricht bei Rudolf Sieger. Dann geht sie nach Rostock zu den Großeltern und nimmt privaten und offiziellen Unterricht in Kunst- und Literaturgeschichte, Tanz und Gesang.

Sie lernt den 10 Jahre älteren Zahnarzt Paul Diehn kennen, heiratet ihn 1919 und bekommt 1920 den gemeinsamen Sohn. 1923-25 wird die Künstlerin von Emil Orlik beraten, 1929-31 studiert sie an der privaten Kunstakademie von Ernst Oskar Simonson-Castelli in Dresden bei Woldemar Winkler und Willie Kriegel. Sie richtet sich ein eigenes Atelier in Rostock ein, stellt mit der Vereinigung Rostocker Künstler und in der Galerie Gurlitt in Berlin aus. Dann wird ihr jüdischer Stiefvater von den Nazis vorübergehend verhaftet, Kate Diehn-Bitt erhält Mal- und Zeichenverbot. Sie arbeitet privat weiter, malt Selbstportraits und Bildnisse, Fensterausblicke sowie Motive ihres unmittelbaren Umfeldes.

Nach 1945 wird sie Sektionsvorsitzende für Bildende Kunst im Kulturbund Rostock und 1946 Mitbegründerin der Sektion Bildende Kunst im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund. Sie stellt wieder aus, u.a. im Museum Schwerin. Doch auch in der DDR wird ihre expressiv-neusachliche Kunst nicht anerkannt. Kate Diehn-Bitt zieht sich zurück, beschäftigt sich mit Themen aus der Bibel und der Literatur, vor allem mit Thomas Mann. Sie erstellt Collagen, es entsteht das „Tagebuch der Kindheit“ mit 30 Farbstiftzeichnungen, von denen wir hier eine Bildstrecke zeigen. 

Die Künstlerin hat Einzelausstellungen im Ausstellungszentrum der Ernst–Moritz–Arndt–Universität in Greifswald, der Kunsthalle Rostock, im Augustinerkoster Erfurt, in den Galerien „Tip – Galerie“ und „Arkade“ in Berlin, „Galerie am Boulevard“ in Rostock, „Galerie im Friedländer Tor“ in Neubrandenburg und der „Galerie am Kamp“ in Bad Doberan. An Depression erkrankt arbeitet sie täglich weiter, sie stirbt 1978 in Rostock. Große Werkschauen werden in Bad Doberan, Rostsock, Ahrenshoop und Weimar gezeigt. Es gilt, ein weiteres großartiges Künstlerinnenwerk zu entdecken.

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