Berlin-Women: Beate Klarsfeld, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes

Berlin-Women

Bild: www.piper.de
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Endlich, Deutschland! Nachdem das Auswärtige Amt die Ehrung zweimal untersagt hatte (unter Joschka Fischer und Guido Westerwelle) bekommt Beate Klarsfeld nun doch das Bundesverdienstkreuz. Bekannt wurde sie durch die Ohrfeige, die sie Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, ehem. NSDAP-Mitglied, öffentlich verpasste. Aber nicht diese sondern ihr unermüdlicher Einsatz bei der Verfolgung von Nazi-Verbrechern macht sie zur Heldin unserer Geschichte. „Was Sie vollbracht haben, ist unschätzbar.“ sagte die deutsche Botschafterin bei der Verleihung in Paris.

Beate Klarsfeld, geb. Beate Auguste Künzel (*13.02.1939) ist eine gebürtige Berlin-Woman und eine deutsch-französische Journalistin. Auf dem CDU Parteitag am 07.11.1968 knallte sie dem amtierenden Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger eine und machte damit auf dessen Nazivergangenheit und damals aktuellen Naziseilschaften aufmerksam. Die Ohrfeige als Rache für 50 Mio. Tote des 2. Weltkriegs ins abstoßende Gesicht der 10 Mio. Nazis! Heinrich Böll schickte rote Rosen, Günther Grass sprach von Irrationalität (wir wissen ja jetzt, warum  letzter so reagierte).

Selbst Abkömmling aus einer nationalsozialisten Familie wurde sie als Aupair-Mädchen in Paris erstmals mit dem Holocaust und seinen Folgen konfrontiert. Sie hatte sich in Serge Klarsfeld verliebt, dessen Vater in Auschwitz umgebracht worden war. 1963 heirateten sie und engagieren sich seitdem für die Aufklärung von NS-Verbrechen. Dabei erkannten sie den dicken, undurchdringlichen Filz rund um die Nazi-Vergangenheit. Zu viele hängen mit drin! Die Ohrfeige bescherte der jungen Kämpferin eine 1-jährige Haftstrafe, die 4 Monate später auf Bewährung ausgesetzt wurde. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Klarsfeld den Knast von innen sah. Das hielt sie im Angesicht der Gerechtigkeit gegenüber den Schwerstverbrechern der deutschen Geschichte mutig aus. Sie wurde zu einer Art Agentin und hatte reichlich zu tun:

1971 spürte sie zusammen mit ihrem Mann die Nazis Kurt Lischka, Herbert M. Hagen und Ernst Heinrichsohn auf, die unbehelligt in Deutschland lebten. Unvorstellbar, aber nur in Frankreich drohte diesen Strafverfolgung. Acht Jahre später wurden die Täter zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Und Klarsfeld wanderte wieder in den Knast, weil sie versucht hatte, Lischka nach Frankreich zu entführen.

Anfang der 1980er Jahre fanden die Klarsfelds Klaus Barbie, den ehem. Gestapo-Chef und „Schlächter von Lyon“ in Bolivien. 1983 wurde Barbie nach Frankreich ausgeliefert und verurteilt. Er hatte 80.000 Juden in Frankreich auf dem Gewissen. Der US-Geheimdienst und der BND schützen den Schwerstverbrecher bis zuletzt. Ebenso ermittelte das Paar Alois Brunner, Ernst Ehlers, Ernst Achenbach, Kurt Asche, Josef Mengele, Walter Rauff und Kurt Waldheim, alles zentrale Figuren und Drahtzieher in der unmenschlichen NS-Vernichtungsmaschinerie gegen die Juden.

2012 kandidierte die 2fache Mutter bei der Bundespräsidentschaftswahl für die Linken. Mit 126/991 Stimmen unterlag die preisgekrönte Kämpferin gegen Joachim Gauck. Sie erhielt 3 Stimmen mehr als die Linke Delegierte stellte! Jetzt unterschrieb Gauck die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, das den Klarsfelds in der Residenz der deutschen Botschafterin in Paris verliehen worden ist.

Berlin-WoMan macht den großen Kotau vor Beate und Serge Klarsfeld!

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