Medienkompetenzen und Work-Life-Balance. Wiedereinstieg für Frauen“, eine Fachtagung des FCZB, 17.06.2015

Solidarity

Frauen Computer Zentrum auf Berlin-Woman

„Die Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert bei der Verwirklichung ihrer beruflichen und privaten Ziele und letztlich bei der Ausübung ihrer gesetzlich verankerten Menschen- und Grundrechte“. So lautete das Motto des Projektes „Medienkompetenzen und Work-Life-Balance. Wiedereinstieg für Frauen“ im FCZB, das 2012-2015 durchgeführt wurde. Auf einer Fachtagung am 17.06.2015 wurde Bilanz gezogen.

Zwischen Januar 2012 und Juni 2015 nahmen 80 Frauen am Projekt Medienkompetenzen und Work-Life-Balance im FCZB (FrauenComputerZentrum Berlin) teil. Ihr Profil: 31-60 Jahre alt, alle Berufsbranchen, zu 50 % Akademikerinnen, zu 31 % erwerbslos und zu 20 % berufstätig, IT-Basiskenntnisse. Und alle waren behindert!

Was heisst es, „behindert“ in einer Gesellschaft zu sein, in der frau 24 Stunden am Tag attraktiv, fit, gesund und jobmäßig immer auf Volltouren laufen soll? Eine gleichberechtigte Teilhabe daran ist nicht möglich, sie wird verhindert. So stehen nur gerade mal 1/5 der behinderten Frauen im Arbeitsleben. Der Rest ist demoralisiert, sozial erniedrigt und isoliert sowie schutzlos den Klischees unserer kalten Welt ausgeliefert.

Das  betrifft auch die meisten Weiterbildungsangebote, die 5 Tage die Woche von 9 to 5 Präsenzpflicht abverlangen. Vor diesem Hintergrund hat das FCZB ein Projekt entwickelt, das in Work-Life Balance Kenntnisse im Umgang mit dem Computer, der Hard- und Software, den Sozialen Medien, der Informationsverbreitung und -sicherung vermittelte. Auch ging es um Arbeitsplatzgestaltung, Web-Publishing und Bildbearbeitung. Die Teilnehmerinnen konnten sich in Modulen die Lern- und Arbeitssituationen selbst zusammenstellen. Es gab eine intensive Wiedereinstiegs- und Bewerbungsbegleitung.

Auf der Fachtagung am 17.06.2015 wurde in Plenen mit Renate Wielpütz (FCZB), Andrea Schatz (Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen), den Projektbeteiligten (Leitung, Dozentinnen und Teilnehmerinnen) sowie Helmut Beerbohm (JobCenter Fr.-Kr.) diskutiert. Das Ergebnis: Langsam öffnen sich die JobCenter und Arbeitsagenturen der Thematik und unterstützen Weiterbildungen, wie die des FCZB. Auf dem Arbeitsmarkt sieht es noch anders aus. Wenig Stellen werden für die Betroffenen ausgeschrieben. Auch wünschen sich die Frauen oft einen Job in KMUs und Einzelunternehmen, wo sie sich aufgehobener fühlen würden, aber meist das Geld für eine Festanstellung fehlt. Wenn es geht, kehren die Teilnehmerinnen in ihren Job zurück, mit mehr Kompetenz und Selbstbewusstsein. Das hat das große Weiterbildungsprojekt auf jeden Fall erbracht!

Spannend wäre es zu erfahren, wieviel Frauen in welchen Jobs unterkommen. Das wird noch etwas dauern, so dass wir uns erst mal in die Studie „Berufliche Weiterbildung für Frauen mit Behinderungen in Berlin“ vertiefen, die zum Projekt erstellt wurde. Es gibt sie in einer Print- und Online-Version.

Medienkompetenzen und Work Life-Balance

Fachtagung des FCZB

„Berufliche Weiterbildung für Frauen mit Behinderungen in Berlin (PDF)“

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