Berlin-WoMan: Peter Friedrich Bouché, der mit dem grünen Daumen

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der Bouché-Milchstern. Bild: www.bouche-schule.de
der Bouché-Milchstern. Bild: www.bouche-schule.de

 

Berlin und Garten! Ein Gegensatz, aber auch eine große Liebe. Denn was brauchen wir Berliner/innen mehr, als Erholung und Selbstversorgung auf einem grünen Fleck inmitten der Großstadt? Das trendige Urban Gardening gibt es hier seit über 2 Jh. Bis Mitte des 19. Jh. reichte es weit in die Stadt hinein. Man schaute auf die Felder und Anlagen der Garten-Könige Bouché, einer hugenottischen Flüchtlingsfamilie. Ihr haben wir es zu verdanken, dass wir heute nicht mehr nur „Kraut und Rüben“ essen müssen. Der Berlin-WoMan Peter Friedrich Bouché ist einer von ihnen.

Peter Friedrich Bouché (15.02.1785-03.04.1856) ist ein berühmter Kunst- und Handelsgärtner, Gartenschriftsteller und Insektenkundler. Er ist der jüngste Sohn des Garten-Gottes Jean David Bouché, der die französische Garten- und Esskultur nach Berlin gebracht hatte. Peter übernahm zusammen mit seinem Bruder Carl die väterlichen Gartengeschäfte. Er züchtete: Rosen, Primeln, Nelken, Erica und Granatäpfel. Und „erfand“ die Zimmerpflanzen, darunter den immer noch beliebten Gummibaum und den Oleander. Dazu verfasste er einen der ersten Ratgeber: Die Behandlung der Pflanzen im Zimmer und in kleinen Gärten.

Peter Bouché betätigte sich auch in der Forschung. Er stellte den Professoren und Studierenden der Botanik Material zur Verfügung, schrieb 1837/38 ein 3bändiges Werk über die Blumenzucht und erforschte und klassifizierte Insekten als Schädlinge und Nützlinge des Gartenbaus. Dazu hatte er 1833/34 2 Bücher veröffentlicht und verfasste auch zahlreiche Fachbeiträge in Zeitschriften.

Mit Karl Ludwig Willdenow unternahm er zahlreiche Exkursionen ins Land Brandenburg, um Pflanzen zu erforschen und zu klassifizieren. Wildenow war Professor für Botanik an der neu gegründeten Berliner Uni und später Direktor des Botanischen Gartens. Bouché korrespondierte mit berühmten Botanikern und erlangte in der Fachwelt insbes. Anerkennung für seine Arbeit über die Zwiebelgewächse.

Der Gartenbau war einer der ersten Branchen, wo es demokratisch zuging. Hier übernahm Bouché zahlreiche Ämter: Ab 1822 im Verein zur Beförderung des Gartenbaus als Vorsitzender im Ausschuss für Gemüse und ab 1853 als 2. stellvertretender Vorsitzender. 1927 wurde er Institutsgärtner der Königlichen Gärtnerlehranstalt in Berlin-Schöneberg und bildete die Berliner Gärtner aus. Er war gerichtlicher Sachverständiger und Wertevermittler in gartenbaulichen Fragen sowie Direktor der „Deutschen Hagelversicherungsgesellschaft für Feldfrüchte“. Außerdem wirkte er in der Gesellschaft für Naturforschende Freunde zu Berlin als Mitglied.

Bouchés Steckenferd galt dem Artenschutz, besonders setzte er sich für den Erhalt der Frösche, Kröten, Maulwürfe, Vögel usw. ein. Er betonte ihren Nutzwert und bezeichnete sie als „natürliche Polizei“. In seiner Freizeit verfasste er Gartengedichte für den Hausgebrauch.

Merci monsieur aux pouces verts!

Jean David Bouché

2 Gedanken zu „Berlin-WoMan: Peter Friedrich Bouché, der mit dem grünen Daumen

  1. Guten Tag Susanne, vielen Dank für dein Feedback. Ich glaube nicht, dass es genau diese Ämter noch gibt. Aber es gibt die Ämter im Botanischen Garten, die Kleingartenvereine, die Artenschutzvereine, die Direktion der Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg… sie sind aus dem erwachsen, was die Bouchés mit ihren Mitstreitern auf die Beine gestellt haben. Faszinierend, nicht wahr? Mit den Bouchés geht es hier auf Berlin-WoMan weiter, es ist eine ganze Dynastie.

  2. Guten Morgen, Carola,
    danke für den Hinweis auf Bouché. Ich habe im Grundkurs Kunstgeschichte von seinem Vater gehört aber den Sohn kannte ich noch nicht.
    Was für Gartenämter es alles gab! Weisst du, ob es diese Ämter immer noch gibt?
    Einen sonnigen Samstag von Susanne

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