Berlin-Women: Käthe Kollwitz

Berlin-Women

Käthe Kollwitz, Foto: Robert Sennecke (1885-1940), Bildquelle: WP Käthe Kollwitz.jpg
Käthe Kollwitz, Foto:
Robert Sennecke (1885-1940), Bildquelle: WP Käthe Kollwitz.jpg

Eine Mutter verzweifelt, ihr Kind liegt entkräftet und hungernd im Bett. Es stirbt. Daraufhin beraten sich die Arbeiter/innen, bewaffnen sich mit Spitzhacken und Sensen und stürmen das Haus ihres Herrn. Der Aufstand wird niedergeschlagen, die Leichen der Kämpfer liegen in der Weberei. 6 Grafikmotive erzählen von einem Weberaufstand. Als Käthe Kollwitz ihren berühmtesten Zyklus anfertigte, war sie 28 Jahre alt. Heute ist der Gedenktag der großartigen Künstlerin und Berlin-Woman:

 

Käthe Kollwitz (08.07.1867-22.04.1945) ist die bekannteste deutsche Malerin, Bildhauerin und Grafikerin. Mit ihrer sozialkritischen Kunst, die Expressionismus und Realismus auf ganz eigene Art vereint, bestreitet sie eine herausragende Position. Ersten Malunterricht erhält sie 1881 in ihrer Heimatstadt Königsberg. Dann studiert sie 1885-89 bei Karl Stauffer-Bern an der Malschule des Vereins der Berliner Künstlerinnen, wo sie später selbst Lehrerin wird, und bei Ludwig Herterich an der Münchner Damenakademie.

In Berlin lernt sie Gerhard Hauptmann kennen, sieht sein Stück „der Weberaufstand“ und setzt sich mit der Grafikkunst von Max Klinger auseinander. 1891 heiratet sie den Arzt Karl Kollwitz, das Paar wird die beiden Söhne Hans und Peter haben. Die Familie zieht in den Berliner Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg (heute: Kollwitzstr. 56a). Käthe Kollwitz hat einen klaren Blick auf die soziale Misere des wilhelminischen Kaiserreichs, die Landflucht, Armut und Verwahrlosung eines Großteils der städtischen Bevölkerung sowie Ausbeutung des Proletariats bedeutete. Das wird Teil ihres künstlerischen Programms, denn Kollwitz ist davon überzeugt, dass Kunst die sozialen Zustände abbilden soll. Damit eckt sie beim preußischen Hof an, der Kaiser bezeichnet ihre Werke als „Rinnsteinkunst“.

Gleichzeitig findet Kollwitz bei den Befürwortern der Moderne großen Anklang. So beschert ihr ihr Grafikzyklus „ein Weberaufstand“ (1895-98) den Durchbruch, er wird vom Dresdner Kupferstichkabinett ankauft. Es folgen „Bauernkrieg“ (1901-1908), für den sie den Villa Romana-Preis erhält, „Krieg“ (1922/23) und „vom Tode“ (1934/35). 1904 zieht es sie nach Paris, wo sie Bildhauerei an der Pariser „Académie Julian“ studiert und Auguste Rodin begegnet.

Erfolge und Schicksalsschläge kommen im schnellen Wechsel. 1906 wird ihr Plakat für die „Deutsche Heimarbeit-Ausstellung“ mit dem Motiv einer hungernden Arbeiterfrau von Kaiserin Auguste-Viktoria zensiert. Die Künstlerin verliert ihren Sohn im Ersten Weltkrieg. 1917 wird sie mit Ausstellungen in ganz Deutschland gefeiert. Die überzeugte Pazifistin widerspricht 1918 öffentlich Richard Dehmels Aufruf für den Krieg und engagiert sich in der Internationalen Arbeiterhilfe. 1919 wird sie Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, 1928 als erste Frau Professorin für Grafik und 1933 von den Nationalsozialisten entlassen. Sie unterstützt den Appell der Arbeiterfront gegen den Nationalsozialismus. 1936 erhält sie Ausstellungsverbot, 1940 stirbt ihr Mann, 1943 werden ihre Wohnung und ihr Atelier durch Bomben zerstört. Die Künstlerin kommt bei der Bildhauerin Margret Böning unter und siedelt 1944 nach Dresden um. Hier stirbt sie 1945.

Käthe Kollwitz hinterlässt ein großes bildhauerisches und grafisches Werk. Heute pflegen 2 Museen den Nachlass der preisgekrönten und auf zahlreichen großen Ausstellungen präsenten Künstlerin. Ihr Ehrengrab befindet sich auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde.

Dank und Ehre für Käthe Kollwitz!

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