Music with Berlin-WoMan: Alexandra!

Music with Berlin-WoMan

Bild: cd-bewertungen.de
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Ein Lichtstreif, ein Hoffnungsschimmer, ein Komet, der zu schnell verglühte, um die deutsche Musikwelt vom Schleim zu befreien: Alexandra, geb. Doris Wally Treitz, auch Doris Nefedov (19.05.1942-31.07.1969) ist DIE Schlagersängerin der BRD in den 1960er Jahren. Zunächst sang sie erstklassige deutsche Chansons, dann rief Frankreich. Alexandra kooperierte mit Adamo, Yves Montand und Gilbert Becaud. Sie war extrem talentiert, sprachbegabt, elegant und ambitioniert. Alles sah nach einer Weltkarriere als Chansonniere aus. Dieser Artikel ist der Sängerin Anna Aliena gewidmet:

Alexandra stammt aus einer deutschen Familie im Memelland, die 1944 vor der Roten Armee nach Kiel flüchtete. Die Familie ist ehrgeizig, das Mädchen Doris hochbegabt. Sie besucht ein Mädchengymnasium und zeigt schon da ihr großes künstlerisches und musikalisches Talent. Doris alias Alexandra lernt Gitarre, Klavier, Gesang und schreibt Lieder und Gedichte. Wie viele Hochbegabte bricht sie die Schule ab – es geht ihr alles nicht schnell genug. Im Anschluss studiert die zukünftige Sängerin Grafikdesign an der Muthesius-Werkkunstschule in Kiel, Mode an der Meisterschule für Mode und Schauspiel an der Margot-Höpfner-Schauspielschule in Hamburg. Mit Gelegenheitsjobs als Sekretärin, Stenotypistin und Zimmermädchen hält sie sich über Wasser. 1961 heiratet sie den 20 Jahre älteren Nikolai Nefedov, mit dem sie einen Sohn haben wird.

1966 entdeckt sie der Plattenproduzent Fred Weyrich. Hans R. Beierlein wird ihr Manager und Alexandra, wie sie sich nach ihrem Sohn nennt, wird ein Star. Ihr USP in der deutschen Schlagerszene: Russland und die Sehnsucht der Kriegsflüchtlinge und „Vertriebenen“ nach ihrer Heimat, geht auf. Mit ihrem slawischen Aussehen, ihrem Outfit und den melancholischen Songs erobert sie die BRD und die UdSSR. Erste Tophits werden: Zigeunerjunge und Sehnsucht. Alexandra geht auf erfolgreiche Tournée durch Deutschland und die UdSSR. Sie schreibt viele Texte selbst, die empfindsam und intelligent sind. Eine Wohltat unter den sonstigen deutschen Schlagerplattheiten ihrer Zeit!

Doch Alexandra will sich nicht auf das doch etwas kitschige Russenimage festlegen. Wie Romy Schneider zieht es sie ins damals innovative und aufgeschlossene Frankreich. Hier arbeitet sie mit Salvatore Adamo, Gilbert Bécaud und Yves Montand, erweitert ihr Text- und Musikrepertoire sowie ihr Image. Auch reist sie nach Brasilien, wo sie mit dem Musiker Antonio Carlos Jobim (The Girl from Ipanema) kooperiert.

Alles sieht nach einer Weltkarriere als Chanson-Sängerin aus. Ihre Karriere wächst und gedeiht. Alexandra befreundet sich mit Udo Jürgens, zieht nach München und verlobt sich mit Pierre Lafaire. Doch gibt es auch Schatten, die Sängerin arbeitet zu viel, hat persönliche Probleme, einen psychischen Zusammenbruch. Am 31.07.1969 missachtet sie bei einer Autofahrt auf Juist die Vorfahrt, verursacht einen Autounfall und stirbt noch am Unfallort. Ihr Grab befindet sich auf dem Westfriedhof in München.

In ihrer 4 jährigen Schaffenszeit hat sie 2 Studioalben und hunderte von Songs geschrieben und produziert.

Habt einen stimmigen Sonntag mit einem Extragruß an alle unsere griechischen Freund/innen!

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