Berlin-WoMen oder berühmte Flüchtlinge: Adelbert von Chamisso

Berlin-WoMen oder berühmte Flüchtlinge!

Adelbert von Chamisso

Er ist ein europäischer Bürger, hat die Welt bereist und sich dann der Natur und der sozialen Arbeit zugewandt. Er liebt alles Neue. Nein, nein, die Rede ist nicht von einem Berlin-WoMan der heutigen Zeit. Wir erzählen hier von Adelbert von Chamisso, der als französischer Flüchtling nach Berlin kam. Zunächst drohte ihm die Abschiebung, dann fasste er Fuß und machte eine fulminante Karriere. Dass er nationale Gegensätze zu einen wusste, schätze man im damaligen Berlin.

 

Adelbert von Chamisso (30.01.1781-21.08.1838), gen. Cham ist ein deutsch-französischer Naturforscher und Poet. Er wuchs in einer kinderreichen französischen Adelsfamilie in der Champagne auf. 1972 floh die Familie in der französischen Revolution nach Berlin. Nach Abschiebungsproblemen settelte die Familie und Adelbert besuchte das Collège de France der Hugenotten. U.a. wegen seiner Schönheit wurde er Page von Luise Friederike von Preußen.

Dann kam er in preußischen Militärdienst, den er zwar mit der Ernennung zum Leutnant abschloss, aber als sehr eintönig und seelenlos empfand. Ein Grund, sich der Philosophie und der Poesie zuzuwenden. 1804 gab er den Berliner Musenalmanach heraus und schloss sich den Berliner Romantiker/innen mit Friedrich de la Motte Fouqué, Karl August von Ense (Varnhagen) und Rosa Maria Varnhagen an, mit der er botanisierte und übersetzte, und zwar platonisch!

1805 erlebte er die Besetzung Hamelns durch Napoleon und kam als Kriegsgefangener nach Frankreich. Bis 1813 verlebte er ruhelose Zeiten in Frankreich und der Schweiz. Er fühlte sich hin- und hergerissen zwischen dem französischen und dem deutschsprachigen Lifestyle, trat den Freimaurern bei und vertiefte sich in botanische Studien. Auch kam er in Kontakt zum Kreis um Mme de Stael.

1815-18 nahm er an der Weltumseglung der Romanzoffschen Expedition unter Kapitän Otto von Kotzebue teil. Man wollte die legendäre Nordwestpassage entdecken und Polynesien und Hawai erforschen. Chamisso zeichnete Karten, Pflanzen- und Menschenstudien. Der Eskimo-„Parka“ geht auf ihn zurück. Das Kleidungsstück erscheint in seiner Reisebeschreibung „Reise um die Welt“ und wird als gefütterter Umhang beschrieben. Aus seinen Forschungen entstand u.a. ein Lehrbuch.

Zurück in Berlin wurde er Zweiter Kustos am Königlichen Herbarium im Botanischen Garten am Kleistpark in Berlin-Schöneberg. Er gründete eine Familie mit Antonie Piaste, aus der 5 Kinder hervorgingen. 1833 wurde er Erster Kustos und Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Er schrieb Geschichten und Gedichte, Weltruhm verschaffte ihm Peter Schlemihls wundersame Geschichte (1814).Sein Gedichtzyklus Frauenliebe und -leben wurde von Robert Schumann vertont.

Adelbert von Chamisso starb 1838 und erhielt auf dem Friedhof der Gemeinde Jerusalem und Neue Kirche in Berlin-Kreuzberg ein Ehrengrab. Seine Wohnungen lagen in der Friedrichstraße 235 und der Grunewaldstraße 6, wo jeweils eine Plakette an den umtriebigen Berlin-WoMan erinnert. Nach ihm ist der einzige Literaturpreis für deutschsprachige Migranten benannt. Seit 1985 wird der Adelbert von Chamisso-Preis an Autor/innen nichtdeutscher Muttersprache verliehen. Seit 2010 gibt es die Chamisso-Gesellschaft.

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