Berlin-WoMen: Esther Friedman & Iggy Pop

Berlin-WoMen

Esther Friedman und Iggy Pop
Esther Friedman und Iggy Pop

 

„Wenn man jung ist, dann muss man wild sein. Wenn man jedoch älter wird, wirkt es lächerlich, sich die Wildheit zu bewahren“, äußert Esther Friedman. Und wer könnte das besser beurteilen? 7 Jahre war sie die Freundin von Iggy Pop und begleitete ihn auf seinen Welttourneen. 1976 traf sie den Punk in Berlin und hielt die Verwandlung des jungen talentierten Musikers in einen gefeierten Popstar fest.

Esther Friedman (*ca. 1949) ist eine deutsche Fotografin und Kunstberaterin. Die blauen Augen von James Osterberg hatten es ihr angetan. Dass es die Augen von Iggy Pop (*21.04.1047) waren, der in Berlin an seinem ersten Comeback bastelte, wusste sie damals nicht. Esther traf Iggy auf einer Modenschau.

Sie verliebte sich und schoss kultige Fotos ihres Angebeteten. Eine Auswahl ist zur Zeit in der Galerie „Philip Pflug Contemporary“, Frankfurt/M. zu sehen. Die Bilder zeigen den jungen Iggy Pop lässig durch die Straßen von Berlin schlendernd, vorm Bier in den Berliner Kneipen, im Zug konzentriert arbeitend (sehr hübsch mit Brille!), auf dem Flughafen, in Hotels, in Museen, der Berliner UBahn, auf dem Weg zu seinen Eltern. Man gewinnt den Eindruck eines sehr attraktiven, sensiblen aber auch getriebenen jungen Mannes, der eine exquisiten Modegeschmack und Sinn fürs Bizarre hat. Dass Erfolg quälen kann, ist ihm anzusehen.

Esther Friedman stammt aus einer gutbürgerlichen Mannheimer Familie, die von dem Freund der Tochter alles andere als begeistert war. Und auch Esther wollte eigentlich Iggys Tournéefotografin werden. Dann verbrachte sie 7 Jahre an seiner Seite. Keine einfachen, ja gewöhnungsbedüftige Jahre. Denn Iggy ließ auf der Bühne auch schon mal die Hosen runter und zeigte dem Publikum den Hintern. Esther Friedman begleitete Iggy Pop in die USA, Kanada, nach Europa und die Karibik. Die Fotografin dokumentierte Leben und Arbeit des Punk-Stars mit ihrer Leica. Und fing 2 Personen ein: den liebenswerten James und den Punker Iggy Pop.

Als Iggy Pop mit David Bowie 1976 nach Berlin kam, hatte er bereits mit seiner Punk-Band The Stooges einige Insider-Erfolge erzielt. Noch bekannter waren seine Drogenexzesse und -skandale. In Berlin und zu Esthers Zeiten geriet alles in geordnetere Bahnen. Iggy unterzeichnete bei RCA und produzierte die beiden Erfolgsscheiben The Idiot und Lust For Life mit dem Superhit The Passenger. Sein Ruf als seriöser Künstler festigte sich. Bis 1983 veröffentlichte er New Values (1979), Soldier (1980), Party (1981) und Zombie Birdhouse (1982). Das Stück China Girl, aus dem David Bowie 1983 einen Superhit machte, stammte ebenfalls aus der Berliner Zeit und brachte Iggy gute Tantiemen ein. Im selben Jahr kam Iggys Autobiographie „I Need More“ heraus.

Die Trennung von Friedman 1983 verlief offenbar friedlich. Das Ex-Paar steht bis heute in Kontakt. Esther Friedman wählte den Weg der Kunst. 1989-2000 unterhielt sie eine Galerie in Frankfurt/M. und vertrat u.a. den Lichtkünstler James Turrell.

No Idiot, Esther Friedman, Philip Pflug Contemporary, Berliner Str. 50, 60311 Frankfurt/M., 20.06.-01.08.2015

Fotostrecke auf zeit-online

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