Berlin-Women: Marianne von Werefkin und ihr Preis vom VdBK 1867 e.V.

Berlin-Women

Marianne Werefkin in ihrem Atelier in Ascona 1925. Bild: museen-bottcherstrasse.de
Marianne Werefkin in ihrem Atelier in Ascona 1925. Bild: museen-bottcherstrasse.de

 

Schön war sie nicht, hatte aber fein gezeichnete Lippen und eine besondere Art zu sprechen. Ihr Lachen war angenehm versöhnlich und durchaus kameradschaftlich. Ihr Alter war schwer einzuschätzen, sie sah zeitlos aus. Ohne Marianne Werefkin würde es den Blauen Reiter, den Japonismus und die abstrakte Flächenmalerei nicht geben. Sie verkörpert die Avantgardekunst und -theorie in einer Person!

Marianne von Werefkin (29.08./10.09.1860-06.02.1938) ist eine russische Künstlerin und DIE Avantgardistin des frühen 20. Jahrhunderts. Sie stammt aus einer russischen Adelsfamilie, ihre Mutter ist ebenfalls Malerin. Früh wird ihr künstlerisches Talent entdeckt. Sie erhält Zeichenunterricht, hat ihr eigenes Atelier, wird 1880 Privatschülerin des berühmten „Wandermaler“ Ilja Repin in St. Petersburg und setzt ihr Studium bei Illarion Michailowitsch Prjanischnikow in Moskau fort. Bald entstehen ihre ersten realistischen und impressionistischen Werke.

1891 lernt sie den mittellosen Offizier und Maler Alexej von Jawlensky kennen, mit dem sie bis 1921 eine Beziehung unterhält. 1896 siedelt das Paar nach München um. Werefkin stellt ihre eigene Kunst zugunsten der Förderung des 4 Jahre jüngeren Partners komplett zurück. Sie konzentriert sich auf die Kunstvernetzung und -vermittlung. Sie gründet bedeutende Vereinigungen, so den „rosafarbenen Salon“, der zum Treffpunkt der europäischen Avantgarde wird. Aus ihm gehen die „Neue Künstlervereinigung München“ und der „Blaue Reiter“ hervor. Jawlensky zeugt ein Kind mit dem gemeinsamen Dienstmädchen. Obwohl Werefkin schwer getroffen ist, behält sie Mutter und Kind in ihrem Haus.

Die Künstlerin bereist Italien, die Schweiz, Litauen, Deutschland und Frankreich, wo sie 1906 nach einer 10jährigen Pause ihre Malerei wieder aufnimmt. Sie wendet sich dem Expressionismus zu, ihr Einstieg ist fulminant. Gemeinsam mit Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Jawlensky bringt sie den „blauen Reiter“ und die abstrakte Kunst motivisch und theoretisch voran. Die Malerin befreundet sich mit Cuno Amiet und Paul Klee, sie lernt Matisse in Paris kennen und stellt u.a. im „Sturm“ bei Herwarth Walden und der „Neuen Sezession“ in Berlin aus.

Infolge des 1. Weltkriegs flieht sie 1914 in die Schweiz und trennt sich von Jawlensky. Zunächst siedelt sie nach Zürich über, wo sie eine Ausstellung hat. Dann geht es 1918 nach Ascona, einer hippieähnlichen Künstlerkolonie. Eine 3. künstlerische Werkphase beginnt. Unter dem Einfluß des Japonismus und des russischen Primitivismus entwickelt sie ihre expressionistische Malerei weiter. Sie präsentiert ihre Arbeiten im Züricher Kunstsalon, auf der Biennale in Venedig, in der Berner Kunsthalle und in der Berliner Galerie Nierendorf. 1924 gründet Werefkin die Künstlergruppe „der Große Bär“ zusammen mit Ernst Frick und Walter Helbig.

Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, verkauft sie selbstgemalte Plakate und Bildpostkarten, sie schreibt auch für die Neue Zürcher Zeitung und wird vom Sammlerehepaar Diego und Carmen Hagmann unterstützt. Ihre Werke befinden sich in der Fondazione Marianne Werefkin Ascona, in der Städt. Galerie im Lenbachhaus München und im Museum Wiesbaden.

Am 25.06.2015 um 19:00 Uhr wird der Marianne Werefkin Preis 2015 des Vereins der Berliner Künstlerinnen an Isa Melsheimer im Haus am Kleistpark verliehen. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung ist mit einer Ausstellung von Arbeiten der Preisträgerin und der Nominierten verbunden.

Marianne Werefkin Preis 2015,  Ausstellung der Nominierten Isa Melsheimer I Ina Bierstedt I Hanna Hennenkemper, der Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V. zu Gast im HAUS am KLEISTPARK, Grunewaldstraße 6, 10823 Berlin, Di-So 11:00-18:00 Uhr, 26.06. – 09.08.2015

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