Berlin-WoMen: Hannes Meyer, das Prinzip des kollektiven Gestaltens

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Bild: bauhaus-online.de
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Hans Emil Meyer, gen. Hannes Meyer (18.11.1889-19.07.1954) war Direktor und Lehrer am Bauhaus Dessau. Als solcher übte der Schweizer Architekt und Urbanist einen großen Einfluss aus. Aktuell zeigt Stiftung Bauhaus in Dessau eine Retrospektive. Hier mehr zum „zweiten Mann am Bauhaus“.

 

In seinem Heimatort Basel lernte Hannes Meyer das Maurerhandwerk, Bauzeichnen und Bauleitung. Auch besuchte er 1906 Baukurse an der hiesigen Gewerbeschule. 1909 ging es nach Berlin in die Architketurbüros von Albert Froelich und Johann Emil Schaudt, dem Erbauer des KaDeWe. An der Berliner Kunstgewerbeschule und in England setzte Meyer seine Studien fort und arbeitete 1916 in München bei Georg Metzendorf. 1919 ließ er sich als selbständiger Architekt in Basel nieder.

1927 kam der Ruf zum Meisterarchitekt am Bauhaus in Dessau, 1928 seine Nachfolge von Walter Gropius. Meyers Ansatz war genossenschaftlich orientiert, sein Wirken galt dem Nutzen des Volkes. Am Bauhaus richtete er eine Architekturabteilung mit einem umfangreichen technischen Programm ein. Mit den Bauhaus-Produkten als Luxusware für Auserwählte räumte er tüchtig auf. Der Sympathisant des linken SPD-Flügels radikalisierte das Bauhaus und machte es zur „roten Kaderschmiede“. Das war der Grund, ihn am 01.08.1930 zu entlassen und Mies van der Rohe zum Nachfolger zu bestellen.

Meyer emigrierte nach Moskau, wo er mit ehemaligen Studenten „die Brigade Meyer“ gründete. Bevor seine Lebensgefährtin Margarete Mengel und ihr gemeinsamer Sohn nachfolgten, fanden sie bei Heinrich Vogeler in Worpswede eine Bleibe. Meyer fiel bei den Stalinisten in Ungnade, 1936 kehrte er in die Schweiz zurück. Seine Lebensgefährtin musste zurückbleiben, wurde verhaftet und erschossen.

Über Spanien wanderte der Architekt nach Mexiko aus, wurde Direktor des neuen Instituts für Städtebau und Planung in Mexiko-City, gründete einen Verlag und eine Künstlergruppe. 1943 brachte er eine Abhandlung über den Naziterror heraus. 1949 ging es zurück in die Schweiz.

Das Bauen war für Meyer ein elementarer Lebensprozess. Die Gestaltung spielte dabei kaum eine Rolle. Das Bauen bedeutete ihm Organisation und der Architekt der Meister der Organisation. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stand das Bauen im Kollektiv, dem nun die Retrospektive unter dem Titel „das Prinzip coop.“ im Bauhaus Dessau gewidmet ist.

das Prinzip coop. Hannes Meyer und die Idee einer kollektiven Gestaltung, Stiftung Bauhaus Dessau, Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau, bis 04.10.2015

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