SOS: Refugies sind Schiffbrüchige! „Flöße der Gefühle“ von Studio Azzurro

Solidarity

Bild: 235media.de
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Gestern sind erneut 3.480 Refugies im Mittelmeer aus der Seenot gerettet worden. Über den „Schiffbruch“ gelangen die Flüchtlinge nach Europa. Sie sind „Schiffbrüchige“, die wir an Bord nehmen müssen. Was bedeutet das für sie, für uns? Die Gruppe Studio Azzurro hat dazu schon 2002 eine interaktive Installation entwickelt. Über Bilder, Berührungen, Bewegungen und Klänge entstehen Sinnbilder der Aufnahme und Abschiebung der Schiffbrüchigen. Hier zum Lesen und Anschauen:

Nach dem internationalen Seerecht des Genfer Abkommen II von 1949 müssen alle Schiffe ihre Fahrt unterbrechen, um Schiffbrüchige aufzunehmen!

Schiffbrüchig zu sein, das bedeutet, dass man nicht in den Bestimmungshafen gelangt. Dass die Handlung, die Aktion, die man vorhatte, abgebrochen ist. Das bedeutet Verlust, man ist im Wasser verloren, hat keine Orientierung mehr, ist ganz sich selbst überlassen. Die Bewegungen verlieren ihre Zielgerichtetheit, Gedanken und Gefühle verwirren sich, der Überlebensdrang erdrückt die anderen Empfindungen. Holzstücke, Planken, leere Kisten und Tische werden zu unerwarteten Rettungsobjekten. Die „Flößer“ können die Schiffbrüchigen aufs Boot ziehen, sie können es aber auch unterlassen …

Diese stark aufgeladene menschliche Handlung ist Thema der mailändischen Mediengruppe Studio Azzurro (Fabio Cirifino, Fotografie, Paolo Rosa, visuelle Kunst und Film, Leonardo Sangiorgi, Grafik und Trick). 2002 entstand ihr interaktives VideoenvironmentFlöße der Gefühle„, das sie in der perfekten Ausstellung „der imperfekte Mensch“ der Deutschen Behindertenhilfe „Aktion Mensch“ im Martin-Gropius-Bau präsentierte: 3 große, beschädigte Tische stehen in einem Meer aus Sand. Berührte man die Tischoberflächen, schwammen Körper darüber, hielt man den Finger oder die Hand darauf, blieben sie stehen, ließ man los, entglitten sie wieder. Als Akteur/in fühlte man die Macht über das Schicksal der Schiffbrüchigen. Wie Embryonen zusammengekrümmt und in hilflosen Bewegungen gefangen sind sie „in unserer Hand“.

Wir alle sind für die Refugies verantwortlich! Wenn wir die Hilfe verweigern, schicken wir sie ins Meer zurück. Das tun übrigens auch unsere weichgespülten Soli-Erklärungen, die nur unser Gewissen beruhigen, aber sonst nichts bewirken. Wenn wir Hilfe anbieten, muss sie überlegt, nachhaltig und klug sein, damit sie den Schiffbrüchigen auch wirklich nützt. Lasst uns die Refugies als Schiffbrüchige aufnehmen, die sie in realita ja oft auch sind. Ziehen wir sie auf unser Floß, ermöglichen wir ihnen die Wiederaufnahme ihrer Handlungen und Aktionen, bringen wir sie sicher in ihren selbstgewählten Bestimmungshafen. Das ist unsere Pflicht!

Studio Azzurro, LE ZATTERE DEI SENTIMENTI
Interactive Videoenvironment/Videoambientazione Interattiva, 2002. Musik: Tangatamanu – Alberto Morelli and Stefano Scarani

Flöße der Gefühle auf youtube

Flöße der Gefühle auf Vimeo

Studio Azzurro

Flüchtlinge auf Berlin-Woman

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