Berlin-WoMen: Rainer Werner Fassbinder

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Fassbinder auf Berlin-Woman

Scheidungskind, Schulabbrecher, ein notorischer Kokser und bisexueller Psychopath, was soll aus so einem nur werden? Der Hauptvertreter des Neuen Deutschen Films: Rainer Werner Fassbinder (31.05.1945-10.06.1982), der zur Zeit mit einer Retrospektive im Haus der Berliner Festspiele gewürdigt wird. Berlin-WoMan wird berichten, hier nun dreht sich alles um Rainers Leben und Arbeit:

 

Der Regisseur, Filmproduzent, Schauspieler und Autor wuchs als Einzelkind bei seiner Mutter in München auf. Schon mit 16 verfasste Rainer Werner Fassbinder Theaterstücke, Gedichte, Kurzgeschichten und Filmdrehbücher. Eine professionelle Filmausbildung sollte es nicht geben. Nach einer privaten Schauspielausbildung und der gescheiterten Bewerbung an der Deutschen Film- und Fernsehakademie drehte er als Autodidakt seine ersten Kurzfilme.

Dann stieß Fassbinder zum Action-Theater, das er bald an sich riss und 1968 ins antiteater umfunktionierte. Das Herzstück seines Clans und ein Lebens- und Arbeitsmodell, dem er bis zu seinem Tod folgen sollte. Er scharte hervorragende Schauspieler/innen um sich: seine Muse Hanna Schygulla, Irm Hermann, Harry Baer, Ingrid Caven, Günther Kaufmann und Margit Carstensen. Mit ihnen pflegte der Filmemacher eine wilde Mischung aus Liebes-, Freundschafts- und Arbeitsverhältnis. Da flogen die Fetzen, da kreisten die Drogen, da wurde gearbeitet, gearbeitet, gearbeitet. Der verbissene Perfektionist und geniale Inszenator Fassbinder hatte alle Szenen schon vorher eins zu eins im Kopf. Nichts überließ er dem Zufall, auch die Technik nicht. Seit 1970 war Michael Ballhaus sein Kameramann.

Fassbinder baute die Bühnenarbeit des antiteaters zu Spielfilmprojekten aus. In „Liebe ist kälter als der Tod“ und „Katzelmacher“ ist der Übergang vom Theater zum Film deutlich zu sehen. 1969-71 produzierte die Firma antiteater-X-Film 5 Streifen. Nach der Insolvenz rief Fassbinder 1971 die Produktionsfirma Tango-Film ins Leben. Seine Mutter übernahm die Geschäfte, der Sohn konzentrierte sich nun ganz aufs Filmemachen. Das Fernsehen begann, sich für den Künstler zu interessieren und erteilte ihm verschiedene Aufträge. Auch entstanden die ersten legendären Spielfilme, wie „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“, „Angst essen Seele auf“ und „Faustrecht der Freiheit“.

Erneut rief ihn das Theater. 1974/75 war Fassbinder Intendant am Theater am Turm in Frankfurt. Mit dem verbotenen Skandalstück „Der Müll, die Stadt und der Tod„, wo es um einen jüdischen Immobilienspekulanten geht, rief er zu einer differenzierten Aufarbeitung der deutschen Geschichte auf, so wie sie NICHT in den Büchern steht. Ebenso behandelten seine Filme hochbrisante historische Ereignisse, die er sehr sensibel jeweils über das Wirken einer Protagonistin nacherzählte: die 1920er und 1950er Jahre mit Veronika Voss, die Nazizeit mit Lili Marleen und die Nachkriegszeit mit Maria Braun oder mit Lola. Heute wäre seine Serie Berlin Alexanderplatz (nach dem Roman von Alfred Döblin) im Vorabend-Fernsehen (bester Sendeplatz) unvorstellbar. Damit schrieb Fassbinder Fernsehgeschichte.

Insgesamt gehen 18 Theaterstücke, 4 Hörspiele und 44 eigene Filme auf den Künstler zurück. Dieses enorme Pensum hatte seinen Preis. Am 10.06.1982 starb Fassbinder im Alter von nur 37 Jahren während der Arbeit an seinem letzten Filmprojekt Querelle und an einer Überdosis Drogen. Niemals wieder hat der deutsche Film einen besseren Künstler hervorgebracht!

Fassbinder über Arbeiter und Ameisen, genial auf youtube!

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