Berlin-WoMen oder berühmte Flüchtlinge: Jean David Bouché, Berlins erster Urban Gardener

Berlin-WoMen

Bild: blumenzwiebeln.eu
Bild: blumenzwiebeln.eu

Berlin und Garten! Ein Gegensatz, aber auch eine große Liebe. Denn was brauchen wir Berliner/innen mehr, als Erholung und Selbstversorgung auf einem grünen Fleck inmitten der Großstadt? Das beschert uns das trendige Urban Gardening, das es in Berlin übrigens seit mehr als zwei Jahrhunderten gibt! Begründer ist Jean David Bouché (1747-1819), einer der bedeutendsten Berliner Gärtner und Spross der großen Dynastie Bouché.

 

Jean David Bouché stammt aus der Hugenottenfamilie Bouché, die im 17. Jahrhundert nach Berlin emigrierte. Möglich machte das der „Edikt von Potsdam“, ein humanes und durchdachtes Migrationsgesetz für die hugenottischen Glaubensflüchtlinge: die französischen Calvinisten. Ihr Gewerbefleiß, ihre Ausbildung und Bildung in Technologie, Ökonomie, Kunst und Lebensqualität ließen die eher bescheidene deutsche Wirtschaft und Kultur aufblühen. So auch den Acker- und Gartenbau. Bis dahin hatten sich die Berliner und Brandenburger/innen wortwörtlich von „Kraut und Rüben“ ernährt. Nun brachte die Gärtnerdynastie Bouché grüne Bohnen und Erbsen, Salat, Blumenkohl, Spargel und Artischoken auf den Großstadt-Teller.

1781 war die Sternstunde, als Jean David Bouché die „Gemüse- und Obsttreiberei“ seines Vaters Pierre vor den Toren Berlins übernahm. Er führte neue Kulturen ein, machte Hortensien, Hyazinthen und die Blumenzwiebel heimisch und baute Kaffeestauden und andere exotische Nutzpflanzen an. In seinen Treibhäusern, in denen sich die feine Berliner Gesellschaft zur Kaffeestunde traf, züchtete er Flieder und Edelhölzer. Sein Feld- und Gartenbetrieb lag direkt hinter dem Schlesischen Tor. Und wer heute durch die Treptower Bouchéstraße kommt, sollte sich mal die Hyazinthen-, Tulpen-, Narzissen und Krokusfelder vorstellen, die sich dort ausdehnten.

Das Garten-Knowhow vererbte Jean David Bouché seinem Sohn Peter Friedrich Bouché weiter. Dieser zog Gemüse, Obst und Wein und bot den erholungsbedürftigen Berliner/innen ganze Treibhaus-Alleen mit Ananas, Orangen, Granatäpfel, Feigen und Gummibäumen. Ein Traum von Urban Gardening, den wir mit den Prinzessinnen-Gärten in Berlin-Kreuzberg wieder aufgegriffen haben.

Mehr zu den Natur besessenen Bouchés folgt in Kürze hier auf Berlin-WoMan.

2 Gedanken zu „Berlin-WoMen oder berühmte Flüchtlinge: Jean David Bouché, Berlins erster Urban Gardener

  1. Liebe Sabine, das Cross Gardening ist bestimmt auch spannend. Aber für eine Weltmetropole wie Berlin gibt es hier noch richtig viele Brachen und Grünflächen. Schau dir mal London an, diese Stadt wird derzeit kaputt gebaut und ist überhaupt nicht mehr bezahlbar.

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