Freie Szene aufgepasst: Zentraler Raumbeauftragter statt branchenspezifische Atelieranmietung!

kreative Unternehmen

©Berlin-Woman
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Die professionellen Künstler/innen sind der neue Mittelstand! Nicht mit ihrem Einkommen, das bei 95 % unter dem Durchschnitt liegt, sondern mit ihrem Status: ausgebildet, gebildet und dauerhaft beschäftigt zu sein. Nun gerät diese Gesellschaftsschicht ins Wanken. Denn der Berliner Kultursenat erwägt ein Steuerinstrument der Freien Szene, das hart an der Realität vorbeischrammt.

 

Im kommenden Jahr will der Berliner Kultursenat die Freie Kunstszene nach einem neuen Modell steuern. Ein „Raumbeauftragter“ soll im Senatsauftrag Locations für „kreatives und interdisziplinäres Arbeiten“ akquirieren, Projekte entwickeln und sie den Kreativen unterbreiten. Die Idee ist aus der Vorstellung erwachsen, dass die Freie Szene einen einheitlichen Bedarf an Arbeitsräumen hat. Das Gegenteil aber ist der Fall, und die Eier legende Wollmilchsau, die dem Senat zwecks Ausführung dieses Raumdienstes vorschwebt, tut uns jetzt schon leid. Außerdem erinnert uns dieser Job irgendwie ans Aufräumen des Klassenraums nach dem Kunstunterricht. Wobei sich jedes Kind an 5 Fingern abzählen kann, dass der Bedarf der bildenden Künstler/innen ein ganz anderer ist als der von darstellenden Künstler/innen:

Aktuell sind tausende von bildenden Künstler/innen vom Atelierabbau in der Berliner Innenstadt betroffen. Es werden dringend einfach ausgestattete Arbeitsräume gebraucht, die 5-7 € pro qm nicht überschreiten und verkehrstechnisch gut zu erreichen sind. Dazu hat das Kulturwerk des bbk den Masterplan Art Studios 2020 entwickelt und dem Kultursenat vorgestellt. U.a. ist darin der breit angelegte Neubau von Atelierwohnungen vorgesehen. Berlin-WoMan berichtete.

Die darstellenden Künstler/innen sind wiederum auf die Sicherung ihrer Projekträume, auf neue Projekthäuser, einen funktionierenden Technikpool und ausreichend Personal angewiesen. Ein Masterplan Art Factories 2020, wie ihn Barcelona realisiert hat, könnte Abhilfe leisten. In Barcelona bilden 9 Projekthäuser ein Netzwerk, das Bühnen, Co-working Hallen, Gemeinschaftsräume und Gastronomie zur flexiblen und temporären Nutzung anbietet.

Der Kultursenat hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Und setzt noch eins drauf, indem er die Funktion des Atelierbeauftragten im bbk abschaffen möchte. Eine seit 1991 bewährte Stelle, die die professionellen bildenden Künstler/innen bei ihrer Atelieranmietung berät und unterstützt. 

Noch ist das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet. Diesen Monat trifft das bbk-Kulturwerk mit dem Kultursenat zu einem klärenden Workshop zusammen. Wir hoffen sehr auf eine nachhaltige Problemlösung mit anschließender gemeinschaftlicher Aufräumaktion  des „Klassenzimmers“. So was soll ja schon Wunder bewirkt haben.

Auf dass Berlin die Vorzeigestadt der Kunst und Künstler/innen bleibt!

Das Atelierprogramm des bbk

Vermerk des Atelierbeauftragten Florian Schmidt vom 13.3.2015

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