Berlin-Women: Lene Schneider-Kainer

Berlin-Women

Bild: lbi.org
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„Wir reisten durch viele Länder und Regionen, in denen noch niemals fotografische Geräte gesehen worden war … Genauso unglaublich war für die Eingeborenen, dass eine Frau Gesichter und Formen wie Briefe auf Papier schrieb“, berichtete Lene Schneider-Kainer von ihrer zweijährigen Asienexpedition für das Berliner Tageblatt 1926-28. Die jüdisch stämmige Künstlerin war nicht nur eine mutige Exilantin, sie stellte auch international aus und machte sich mit ihren lithographierten Akten einen Namen. Unsere Berlin-WoMan heute mal ohne Jahrestag!

 

Lene Schneider-Kainer (16.05.1885 -15.06.1971) ist eine jüdisch stämmige, deutsche Expressionistin. Sie gehört zu der Künstlerinnengeneration, die noch nicht an den deutschen Kunstakademien zugelassen war. Nach einer ersten künstlerischen Ausbildung in Wien und München ging sie 1909-12 zum Studium nach Amsterdam und Paris.

In Paris lernte sie ihren zukünftigen Mann, den Arzt und Künstler Ludwig Kainer kennen. Das Paar heiratete 1910, zog 1912 nach Berlin und bekam einen Sohn. Lene Schneider-Kainer schloss sich der expressionistischen Avantgardebewegung an. Sie war u.a. mit Else Lasker-Schüler, die sie portraitierte, Franz Werfel, Arnold Schönberg, Herwarth Walden und Gret Palucca befreundet. Ihren Durchbruch hatte sie 1917 mit ihrer ersten großen Einzelausstellung im Kunstsalon Fritz Gurlitt, dessen Nachfahre heute mit intransparenten Kunstgeschäften auf Kosten jüdischer Holocaustopfer in der Kritik steht.

1925 gründete die Künstlerin ihren eigenen Mode-Kunst-Salon. 1926 ließ sie sich scheiden, reiste nach Marokko und und begab sich zusammen mit dem Schriftsteller Bernhard Kellermann und im Auftrag des Berliner Tageblatts auf eine Asienexpedition. Hier entstanden Gemälde, Zeichnungen und Fotos, die regelmäßig im Berliner Tageblatt, der Zürcher Illustrierten, der VOGUE und der DAME veröffentlicht wurden. In den  Folgejahren wurden sie in Berlin, Magdeburg, Stuttgart, Kiel, London und Rom ausgestellt.

Die Künstlerin wurde Mitglied im Verein der Berliner Künstlerinnen.  1931 erhielt sie den Rom-Preis der Villa Massimo. Im Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung emigrierte Lene Schneider-Kainer über Ibiza und Mallorca, wo sie eine Künstlerkolonie gründete, nach New York. Ausstellungen in Mallorca, Barcelona, Kopenhagen, New York und Philadelphia folgten. 1938–1954 führte sie den Kinderbuchverlag „Elena Aleska“. Ab 1954 lebte sie in Cochabamba (Bolivien), leitete eine Mission und produzierte zusammen mit ihrem Sohn indianische Stoffe für den Export in die USA. 1963 zahlte ihr der deutsche Staat eine finanzielle Wiedergutmachung für die Zeit ihrer Verfolgung. Das Konvolut an 394 Zeichnungen ihrer Asienreise übergab Lene Schneider-Kainer dem Leo-Beck-Institut in New York.

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