Berlin-WoMen: Frei Otto, Architekt (+09.03.2015)

Berlin-WoMen

Bild: portal.mytum.de
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Er baute einen Tanzbrunnen, eine riesige Vogelvolière, die Bühnenkulisse für Pink Floyd und das Olympiastadion in München. Otto Frei bezeichnete seine Leichtbau-Konstruktionen als „Luftschlösser“. Ihn faszinierte die Funktionalität von Spinnennetzen, er experimentierte mit Seifenlauge an Drahtmodellen und war davon überzeugt, dass das Bauen in den menschlichen Genen steckt. Am 09.03. ist der preisgekrönte Baumeister und Berlin-WoMan im Alter von 94 Jahren gestorben:

 

Frei Paul Otto (31.05.1925-09.03.2015) ist einer der führenden Vertreter der organischen Architektur. Weltberühmt wurde seine Dachkonstruktion für das Olympiastadion in München.

Frei Otto stammt aus einer Künstlerfamilie. Zur Architektur kam er, als er als junger Mann mit dem Segelfliegen und dem Modellbau begann. 1943 nahm er ein Studium an der TU Berlin auf, wurde zum Dienst im 2. Weltkrieg eingezogen, machte eine Ausbildung als Kampfpilot und geriet in Kriegsgefangenschaft. 1948 setzte er das Studium in Berlin fort. Ein Gastsemester führte ihn in die USA, wo er die Bauten der führenden modernen Architekten kennenlernte. Darunter Erich Mendelssohn, Frank Lloydt Wright und Mies van der Rohe, mit dem er sich anfreundete und für den er später die Statik seiner Neuen Nationalgalerie in Berlin korrigierte.

1952 eröffnete der Architekt ein eigenes Büro in Berlin. Diverse innovative Gründungen folgten, so eine Entwicklungsstätte für den Leichtbau (1957), die Forschungsgruppe Biologie und Bauen an der TU Berlin (1961) und das Institut für Leichte Flächentragwerke an der TU Stuttgart (1964).

Frei Otto entwickelte seine Architektur auf der Basis natürlicher Konstruktionsprinzipien. Das Zeltdach wurde sein Spezialgebiet. Mit in Seifenlauge getauchten Drahtmodellen, Gitterschalen, Seilnetzen, Schirmen und aufgespannten Seidenstrümpfen ermittelte er die Konstruktionsmöglichkeiten von Leichtdächern. 1968-1972 entwarf er die Überdachung des Olympiastadions in München. 1977 baute er das Bühnenbild für Pink Floyd in Form von umgestülpten Schirmen, und seit den 1980er Jahren realisierte er Zeltdachkonstruktionen im islamischen Raum. Nach der Zerstörung des World Trade Centers schlug er vor, dort gar nichts mehr zu bauen, sondern Gras wachsen zu lassen.

Frei Otto baute für eine bessere Welt.

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