Berlin-WoMen: Wilfrid Israel, Philantroph und Unternehmer

Berlin-WoMen

Bild: gedenkort-papestrasse.de
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Sein Leben lang kämpfte Wilfrid Israel gegen das Nichtstun dort, wo eigentlich Handeln angesagt ist. Unermüdlich engagierte sich der deutsch-britische Philantroph, Unternehmer, Kunstsammler und Berlin-WoMan für die Rettung jüdischer Emigrant/innen, Flüchtlinge und Opfer des NS-Regimes. Bis heute ein Vorbild:

 

Wilfrid Israel (11.07.1899-01.06.1943) stammt aus einer sehr angesehenen Familie jüdischen Glaubens. Schon als ganz junger Mann half er der unter Kriegsnot leidenden Bevölkerung. Auf seinen Reisen erlebte er dann die Unterdrückung und Verfolgung der jüdisch Gläubigen vor allem in Osteuropa hautnah mit. 1921 trat er der Leitung des Berliner Kaufhaus Nathan Israel seines Vaters in Berlin-Mitte bei. Hier zog er eine betriebseigene Berufsschule auf. 1928 übernahm er zusammen mit seinem Bruder die kaufmännische Leitung. Das Kaufhaus, das über ein riesiges Warenangebot auch auf Basis des Versandhandels verfügte, war Symbol der Selbstbehauptung deutscher Juden in der NS-Zeit.

Gezielt setzte sich Israel für die Belange der jüdischen Bevölkerung und Flüchtlinge ein. Er war Mitglied im Zentralausschuss für Hilfe und Aufbau und für die Kinder- und Jugend-Alijah. Ab 1937 leitete er den Hilfsverein der deutschen Juden. 1939 trat Israel den Familienbetrieb an die Emil Köster AG ab und emigrierte nach London. Von dort aus agierte er als Mittler zwischen Regierungsstellen und jüdischen Flüchtlingsorganisationen, u.a. beriet er das Royal Institute of International Affairs. Maßgeblich unterstützte er die Rettung von 18.000 jüdischen Kindern mit. Ende März 1943 verhalf er jüdischen Flüchtlingen zur Weiterreise von Spanien und Portugal nach Palästina. Auf dem Rückflug von einer dieser Hilfsaktionen wurde Israel von der deutschen Luftwaffe über dem Golf von Biskaya abgeschossen.

Wilfrid Israel ist das Vorbild für die Figur des jüdischen Unternehmers Bernhard Landauer im Roman „Goodbye to Berlin“ von Christopher Isherwood (1939). Seine Lebensgeschichte wurde 2012 unter dem Titel „Wilfrid Israel. der Retter aus Berlin“ von Yonathan Nir (Regie) und Ophir Baer (Drehbuch) verfilmt. Im Kibbutz Hazorea gibt es seit 1951 das Wilfrid Israel-Museum mit der wertvollen fernöstlichen Sammlung des Unternehmers, der vermutlich homosexuell war.

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