Music with Berlin-WoMan: Julie Fowlis, Gach Sgeul (Every Story)

Music with Berlin-WoMan

Julie Fowlis auf Berlin-Woman

Als 2005 Julie Fowlis erstes Album erschien, hatte die schottische Folk-Musik plötzlich ein Postergirl aus North Uist, einer Insel der Äußeren Hebriden: Sie war hübsch, Mitte zwanzig, spielte Flöte und Dudelsack und sang ausschließlich auf schottischem Gälisch. Julie Fowlis Stimme hatte so viel Gefühl, dass sie auch dann verstanden wurde, wenn man nicht zu den knapp 60.000 Menschen auf der Welt gehört, die ihre Sprache sprechen. 2014 hat sie ein neues Album veröffentlicht. Ein Portrait von unserem Gastblogger Kurt Kreikenbom:

 

Dem englischsprachigen Publikum wurde Julie Fowlis vor allem durch ihre Mitwirkung an den Transatlantic Sessions bekannt – einer Folk Music Fernsehshow der BBC, in der weltberühmte und weniger bekannte Sänger/innen und Instrumentalist/innen Klassiker der keltischen und angloamerikanischen Musiktradition und eigenes Liedmaterial in entspannter Atmosphäre vortragen.

Zahlreiche Tourneen, Fernsehauftritte und zwei weitere Studioalben folgten bis 2009, ein Live-Album erschien 2011. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Julie Fowlis die wichtigsten Preise des kleinen, aber feinen Folk Music Segments gewonnen. In wenigen Jahren hatte sie sich etabliert und sah gelassen einer langen Karriere abseits des lärmigen Popmusikgeschäfts entgegen.

Doch dann rief Disney an: Für den Pixar-Film „Brave“ (Merida – Legende der Highlands) wurde eine schottischstämmige Sängerin gesucht, die der märchenhaften Geschichte um ein Mädchen aus den Highlands zusätzliche Authentizität verleihen sollte. Julie Fowlis und Eamon Doorley (Ehemann und Arrangeur) flogen nach Hollywood, spielten den Titelsong und ein weiteres Lied mit demselben Respekt wie für das eigene Repertoire ein. 2013 mussten sie zur Oscar-Verleihung wiederkommen. Zahlreiche weitere Preise folgten, die bodenständige Sängerin von den Hebriden stand plötzlich im Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit.

Womit wir bei Julie Fowlis neuestem Album angelangt sind. Es wäre verständlich gewesen, die Richtung völlig zu ändern und zur gälischen Celine Dion zu werden. Für die mittlerweile zweifache Mutter muss die Aussicht, nicht mehr dauernd mit der Band über die Dörfer und Festivals ziehen zu müssen, verlockend gewesen sein. Umso überraschender, dass das neue AlbumGach Sgeul“ nicht nur an die bisherigen Arbeiten anknüpft, sondern ihrer Musik eine neue Qualität hinzufügt. Das Songmaterial stammt ausschließlich von den heimatlichen Inseln, ist teils nur mündlich oder auf alten Schellackplatten überliefert und erforderte umfangreiche und gewissenhafte archivarische Vorarbeiten. Julie Fowlis vertont zuhause im eigenen Studio Gedichte des großen schottischen Poeten Sorley MacLean, sie singt Volkspoesie über Seemöwen und rothaarige Mädchen, aber auch jahrhunderteralte Tanzbodenklassiker, Wiegenlieder und einiges mehr. Und das mit der Akribie einer Forscherin und der reifer gewordenen Stimme einer Frau, die dankbar ist für das, was sie tut und erreicht hat und weiß, dass alles Glück vergänglich ist.

Begleitet wird sie von ihrer exquisiten Band und handverlesenen Gästen, wobei das schottische Geigerinnenquartett Rant und das Harmonium Donald Shaws besonders glänzen. Gach Sgeul ist eine außergewöhnlich schöne, etwas wehmütige Platte und der richtige Anlass, schottisches Gälisch zu lernen.

Julie Fowlis (Tourdaten, Discographie, News, etc.)

Julie Fowlis, Gach Sgeul auf youtube

 

schottisches Gälisch lernen?

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