Berlin-Women: Liu Xia, Ausstellung im Martin Gropius Bau

Berlin-Women

Liu Xia: Ohne Titel Aus der „Ugly Babies“-Serie, 1996-1999 © Liu Xia, courtesy of Guy Sorman, Bild: http://www.berlinerfestspiele.de
Liu Xia: Ohne Titel
Aus der „Ugly Babies“-Serie, 1996-1999
© Liu Xia, courtesy of Guy Sorman, Bild: http://www.berlinerfestspiele.de

Die Puppen haben den Mund zum Schrei aufgerissen. Sie befinden sich in klaustrophobisch surrealen Umgebungen. Es sind die „Ugly Babies“ der chinesischen Künstlerin Liu Xia. Die Ehefrau des inhaftierten Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo steht seit drei Jahren unter Hausarrest. Ihre Kunst spiegelt ihre Situation und die ihres Landes wider. Bedrückend und voller gefährlich-subtiler Anspielungen:

 

Liu Xia (*01.04.1961) ist eine chinesische Malerin, Dichterin und Fotografin. Sie ist die Ehefrau des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, einem der Anführer der großen studentischen Demokratiebewegung auf dem Platz des himmlischen Friedens 1989.

Als junge Frau arbeitete Liu Xia in der Finanzverwaltung von Peking. Ihren Mann traf sie in den liberalen 1980er Jahren, in denen sich beide in der Kunst- und Literaturszene in Peking engagierten. Ihre Verbindung überstand den blutigen Niederschag der Studentenbewegung und die Inhaftierung von Liu Xiaobo. Als der Aktivist erneut in ein Lager interniert worden war, heirateten die beiden 1996. Aktuell befindet sich Liu Xiaobo, der zwischenzeitlich zum Präsidenten des unhabhängigen chinesischen PEN gewählt wurde und eine Charta mit 10.000 Unterschriften von Künstlern (darunter Ai Weiwei), Politikern und Wissenschaftlern im Internet verbreitete, wieder in Haft. Seitdem ihr Mann 2010 den Friedensnobelpreis erhalten hat, steht Liu Xia ebenfalls unter Hausarrest. Der Zugang zu den Kommunikationsmedien ist ihr untersagt, ihr Alltag ist stark reglementiert. Ihren Mann darf sie nur ein paar Mal im Jahr besuchen.

Seit 1993 widmet sich Liu Xia ganz der Kunst. Sie malt, fotografiert, schreibt Gedichte, und bezeichnet sich dabei selbst als unpolitisch. Doch ihre Werke geben auf subtile Weise ihr eigenes gesellschaftlich-emotionales Befinden und das der Chinesen wieder.

Liu Xia arbeitet u.a. mit Puppen, ihren „Ugly Babies“, die sie in surreale Umgebungen plaziert und fotografiert. Die mürrisch dreinschauenden, schreienden Figuren sitzen vor Klassikern der Weltliteratur, sind in Zellophan gehüllt und gefesselt, mit Kalligraphien überschrieben, in klaustrophische Räume gesperrt oder in einer schroffen Uferlandschaft am Meer ausgesetzt. Auch greifen Menschenhände nach ihnen und zerdrücken sogar einen Puppenkopf. Empörung, Wut und Schmerz dringen aus den Puppen, über die die Künstlerin folgendes Gedicht geschrieben hat: „Wir leben mit den Puppen zusammen und sind von der Kraft der Stille umgeben. Mit der offenen Welt um uns herum kommunizieren wir mit Gesten.“

Ein Foto von Liu Xia zeigt ihren Mann, der eines der „Ugly Babies“ auf dem Arm hält: als sein Gegenbild, als Synonym für die Regimeopfer oder als sein Alter Ego. Die Kunst von Liu Xia ist in China verboten. Sie wurde im DOX Centre for Contemporary Art in Prag und in der Italian Academy for Advanced Studies der Columbia University in New York ausgestellt.

Heute wird die Ausstellung „Liu Xia. Eine Fotografin aus China“ im Martin-Gropius-Bau eröffnet. Zu sehen sind 50 Exponate, ihren Gedichten ist ein eigener Raum gewidmet.

Berliner Festspiele, Martin-Gropius-Bau Berlin, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin, 4/3 €, Mi-Mo 10:00–19:00 Uhr, 21.02.-19.04.2015

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