Berlin Berlinale 2015: „Meurtre à Pacot“ (Murder in Pacot) und „Que horas ela volta?“ (The second Mother)

Berlinale

Bild: berlin.de
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Berlin Berlinale! Wie immer tummelt sich unsere Kinoexpertin Sa-beene auf dem Festival und berichtet: Offiziell werden die 65. Internationalen Filmfestspiele ja als Berlinale der „Starken Frauen“ verkauft, wobei die Filme mit Nicole Kidman und Juliette Binoche eher mittelmäßig wegkommen. Ich kann feststellen, dass die Frauen in meinem bisherigen Filmprogramm beeindrucken. Vor allem in ihren Rollen, denn in der Regie herrscht ja weiterhin ein eklatantes Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen. Je teurer der Film desto weniger Macherinnen (Pro Quote Regie):

 

„Meurtre à Pacot“ (Murder in Pacot) spielt in Haiti. Es ist die Zeit nach dem Erdbeben. Ein bürgerliches Paar lebt in den Resten seiner Villa und kommt nur hadernd mit der Situation zurecht. Auch haben sie ein adoptiertes Kind unter den Trümmern verloren. Sie vermieten einen Teil ihrer „Bruchbude“ an einen Entwicklungshelfer, der mit einer patenten farbigen Freundin dort einzieht. Kammerspielartig werden die gesellschaftlichen Gegensätze verhandelt und an einer Handvoll Individuen deutlich. Wer hilft wem, was ist gerecht, was ist Schuld, wie kann das Leben weitergehen? Der Film arbeitet sich an diesen Fragen ab, das Ende bietet ein überraschendes Show-Down. ARTE hat mitproduziert.

Que horas ela volta?“ (The second mother)  ist eine portugiesische Produktion der Regisseurin Anna Muylaert. Für mich gab es viele Parallelen zum haitischen Film. Ein bürgerliches Paar (die Mittelschicht wird hier durch einen Swimmingpool repräsentiert!) hat die brasilianische Hausangestellte Val, die den Sohn großzieht. Diese lässt ihre eigene Tochter zuhause bei einer Freundin aufwachsen. Als die erwachsene Tochter zum Studium nach Sao Paulo kommt, kippt die austarierte Standesgesellschaft. Die Tochter nimmt die lediglich formal-höfliche Einladung an, das Gästezimmer zu nutzen, tafelt mit dem Hausherrn und kifft mit dem Sohn am Pool. Ihre Mutter hält die Widersprüche kaum aus. Nach und nach missfällt es auch der Hausherrin, die schon damit zu kämpfen hat, dass ihr Sohn sich lieber von der Angestellten küssen und herzen lässt, als von ihr. Als Vals Tochter – enttäuscht und genervt von der Untertanenhaltung ihrer Mutter – abhaut, eskaliert die Situation. Val beginnt, das System zu durchschauen, das letztendlich alle nur unglücklich macht. Sie kündigt ihre Stelle und zieht zur Tochter, die übrigens auch einen kleinen Sohn zurückgelassen hat… Der Film zeigt, wie sich Systeme konservieren und wiederholen, aber auch, wie Bewegung und Veränderung möglich sind, wenn man Dinge in Frage stellt.

Mein Lieblingsdialog: Der Hausherr fragt die Tochter der Angestellten: „Glaubst du an Wiedergeburt“? Die Tochter antwortet: „Ich weiß nicht. Ich hab mich damit noch nicht beschäftigt“. Darauf er: „Ich glaube es nicht, wir haben nur diese eine Chance. Heirate mich!“

Meutre à Pacot (Murder in Pacot), R: Raoul Peck, Frankreich, Haiti, Norwegen 2014, Do den 12.02.2015, 17:00 Uhr Cubix9, Fr den 13.02.2015, Colosseum 1, 22:30 Uhr

Que horas ela volta? (The second mother), R: Anna Muylaert, Brasilien 2015, Fr, 13.02.2015, 20:00 Uhr, CinemaxX 7 (E)

Berlin Berlinale, 65. Internationale Filmfestspiele

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