Berlin-Women: Else Lasker-Schüler, Expressionistin

Berlin-Women

Bild: schule.judentum.de
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„In Elberfeld an der Wupper geboren, in Gedanken im Himmel, betreue ich die Stadt Theben und bin ihr Prinz Jussuf. Ich bin weder siebzehn noch siebenzig Jahre, habe keine Uhr und keine Zeit. Meine Bücher laufen so herum und werden einmal im Meer ertrinken. Geld habe ich einmal sehr viel und einmal gar keines. Früher habe ichs manchmal nicht geglaubt, jetzt aber weiß ich es; ich bin die Else Lasker-Schüler – leider.“ Zeit ihres Lebens träumte die Expressionistin davon, ein Prinz zu sein. Am 11.02. ist ihr Jahrestag.

 

Else Lasker-Schüler (11.02.1869-22.01.1945) ist eine bedeutende Vertreterin des Expressionismus. Die Dichterin und Künstlerin stammt aus einer jüdischen Bankiersfamilie und wächst in Wuppertal/Elberfeld auf. Sie kann schon mit vier Jahren lesen und schreiben, bekommt Privatunterricht und besucht zeitweise ein Lyceum. 1894 heiratet sie den Arzt Jonathan Berthold Lasker. Mit ihm geht es nach Berlin. Hier nimmt sie Zeichenunterricht bei Simon Goldberg, unterhält ein eigenes Atelier in Berlin-Tiergarten und veröffentlicht die ersten Gedichte.

1903 kommt es zur Scheidung und zur zweiten Ehe mit dem bekannten Schriftsteller und Galeristen Georg Lewin (Pseudonym: Herwarth Walden). Else Lasker-Schüler veröffentlicht ihre Prosawerke und das populäre Schauspiel „Die Wupper“, das 1919 uraufgeführt wird. Nach der Trennung von Lewin beschert ihr der Gedichtband „Meine Wunder“ (1911) den Durchbruch. Nun gehört die Künstlerin zur expressionistischen Avantgarde und zu den Kreisen von Gottfried Benn, Franz Marc und Georg Trakl. Else Lasker-Schüler illustriert ihre exotisch-traumhaften Texte mit ebensolchen Zeichnungen. Text und Bild verschmelzen bei ihr zu einem Gesamtkunstwerk. Auch liebt sie es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, nennt sich Dichterprinz Jussuf und Prinz von Theben und geht in exotischer Verkleidung auf die Straße, wo man sie in München und Prag sogleich verhaftet.

1919 startet der Kunstverlag Cassirer eine 10bändige Gesamtausgabe ihrer Gedichte und Prosa. Ihre Texte werden in Berliner Zeitungen abgedruckt. 1932 erhält die Künstlerin den renommierten Kleist-Preis. Diesem Erfolg bereiten die Nationalsozialisten ein jähes Ende. Kurz nach der Machtergreifung flieht Else Lasker-Schüler in die Schweiz. Als sie 1939 von einem Palästina-Aufenthalt zurückkehren will, verhindern der Kriegsausbruch und die Schweizer Ausländerbehörde ihre Einreise. Nun sitzt sie in Jerusalem fest. Sie schreibt weiter Gedichte, wird aber in der ihr fremden Umgebung nicht heimisch. 1945 stirbt sie nach schwerer Krankheit. Sie hinterlässt ein großes dichterisches und künstlerisches Oeuvre, in dem sie die Alltagswelt mit einer exotisch-bildhaften Fantasiewelt versöhnt.

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