Berlin-WoMan auf der Berlinale: „Taxi“ von Jafar Panahi

Berlinale

Bild: berlin.de
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„Ich bin Filmemacher. Ich kann nichts anderes als Filme machen. Mit Kino drücke ich mich aus, es ist mein Leben. Nichts kann mich am Filmemachen hindern … Ich muss unter allen Umständen weiter Filme machen, um der Kunst Respekt zu erweisen und mich lebendig zu fühlen“. Der preisgekrönte iranische Regisseur Jafar Panahi hat in seinem Heimatland Berufsverbot. Und macht dennoch Filme, wie seinen aktuellen Beitrag für den Berlinale-Wettbewerb „Taxi“, den sich Berlin-Woman angeschaut hat:

 

Ein Taxi durchkreuzt die sonnigen und eleganten Straßen Teherans. Nichts gemahnt an das radikalislamistische Regime, wo Zensur, Folter und Todesstrafe an der Tagesordnung sind. Unterschiedliche Fahrgäste steigen ein: ein Straßenräuber, eine Lehrerin, zwei Anhängerinnen einer seltsamen Sekte, eine Anwältin der Regimegegner/innen, ein Händler von CDs mit verbotenen westlichen Filmen, eine Frau mit ihrem blutüberströmten Mann, der gerade einen Unfall hatte und ins Krankenhaus muss. Im Taxiraum sprechen sie frei über das, was sie denken und tun. Eine mobile Kamera nimmt sie auf, das Taxi wird zum Filmstudio.

Die Kamera schwenkt und zeigt den Chauffeur, pardon: Regisseur. Es ist der bekannte Filmemacher Jafa Panahi, der als Regimegegner zu 20 Jahren Berufsverbot verurteilt wurde. Er unterhält sich mit den Mitreisenden. Es geht um Todesstrafe, Zensur und natürlich Filme. Seine selbstbewusste kleine Nichte, die er von der Schule abholt, belehrt ihn über das, was im Iran als Wahrheit gilt und in Filmen zur Sprache kommen darf – und was nicht. So düster die Themen sind, so humorvoll die Dialoge und überzeichnet die Gesprächsteilnehmer/innen. Alle sind mit ihrem Glauben, ihrem Business und dem abstrusen Wahrheitsdiktat beschäftigt. Einzig die Anwältin tritt als Trösterin auf und legt eine Rose aufs Armaturenbrett.

Mit dem Film „Taxi“ hat Panahi ein neues Genre geschaffen. Der große Regisseur bedient sich der populären Medien und unterwandert mit mobiler Kamera und iphone-Videoaufzeichnungen das offizielle Filmemachen. Das Ergebnis ist eine Gesellschaftssatire, die in ihren pointierten Dialogen alle westlichen Filmdokus von taxifahrenden Promis in den Schatten stellt.

„Taxi“ hat einen Bären verdient!

Taxi, Regie: Jafar Panahi, Iran 2015, 82 min, Wiederaufführung: So, 15.02.2015, 14:30 Uhr, Haus der Berliner Festspiele, Schaperstr. 24, 10719 Berlin

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