Berlin-Women: Irmgard Keun (das kunstseidene Mädchen)

Berlin-Women

Bild: wwwalt.phil-fak.uni-duesseldorf.de
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„Aber ich will schreiben wie Film, denn so ist mein Leben und wird es noch mehr sein.“ Doris geht nach Berlin, um ihr Glück zu machen. Sie wird Prostituierte, Vorleserin, Haushälterin und Geliebte eines Großindustriellen. Mit ihrem berühmtesten Roman „das kunstseidene Mädchen“ (1932) fängt Irmgard Keun puren Zeitgeist ein. Der Erfolg hält aber nicht lange an. Die Nationalsozialisten setzen die Bücher der Berlin-Woman auf die schwarze Liste:

 

Irmgard Keun (06.02.1905-05.05.1982) ist eine wichtige Vertreterin der Literatur der Weimarer Republik. Die Tochter einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie wurde in Berlin geboren und verbrachte hier ihre Kindheit. 1913 siedelten die Keuns nach Köln über, wo der Vater Geschäftsführer und Teilhaber der Cölner Benzin.Raffinerie wurde. Irmgard Keun besuchte das evangelische Mädchenlyzeum Teschner, ließ sich dann als Stenotypistin ausbilden und versuchte sich im Schauspielmetier. 1925-27 besuchte sie die Schauspielschule in Köln und hatte Engagements in Greifswald und Hamburg.

Dann entschied sie sich für die Schriftstellerei und wurde über Nacht berühmt. Ihre Romane: „Gilgi, eine von uns“ (1931) und „das kunstseidene Mädchen“ trafen den Zeitgeist. Ihre Heldinnen waren die sogen. „neuen Frauen“, die selbstbewusst ihren Anspruch auf ein glückliches und eigenständiges Leben vertraten, um gleichzeitig mit den Abhängigkeiten von Männern und Geld zu ringen. Keuns Stil orientierte sich an der gesprochenen Sprache, ihre Schilderungen hatten filmischen Charakter. Ihre als reine Unterhaltungsliteratur geltenden Bücher wurden erst viel später als literarische Kunstform anerkannt.

Bis dahin ging Irmgard Keun, die 1932-37 mit dem Autor und Regisseur Johannes Tralow verheiratet war und von Alfred Döblin und Kurt Tucholsky gefördert wurde, einen schicksalhaften Weg. Unter der NS-Herrschaft wurden ihre Romane als „Asphaltliteratur mit antideutscher Tendenz“ verboten. Die Schriftstellerin zog sich 1936-40 ins Exil nach Belgien und in die Niederlande zurück und verfasste weitere Romane, darunter der Exilroman „Nach Mitternacht“ (1937). Kontakte mit den berühmten Kollegen Egon Erwin Kisch, Stefan Zweig und Heinrich Mann entstanden. 1936-38 unterhielt die Autorin eine Liaison mit dem Schriftsteller Joseph Roth, mit dem sie Europa bereiste. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Niederlande kehrte sie unter falschem Namen nach Deutschland zurück und überlebte in der Illegalität.

In der Nachkriegszeit versuchte Keun an die alten Erfolge anzuknüpfen. Doch vergeblich. Sie startete ein Projekt mit Heinrich Böll zum Thema „Briefwechsel für die Nachwelt“, das keinen Verleger fand.  Auch blieben ihre Bücher, die sich mit dem Leben im Nazi-Deutschland und im Exil befassten, unverkäuflich. Keun erkrankte an Alkoholismus und lebte ab 1972 zurückgezogen in Bonn, später in Köln. Eine Wiederentdeckung durch die feministische Literaturforschung in den späten 1970er Jahren sorgte für die Neuauflage ihrer Werke und die Verbesserung ihrer finanziellen Situation. 1981 erhielt Keun den Marieluise-Fleißer-Preis von Ingolstadt, 1982 starb sie. Heute gilt Irmgard Keun als wichtige Autorin der Weimarer Republik. Ein Teil ihrer Bücher, u.a. „das kunstseidene Mädchen“ und „Nach Mitternacht“ wurden verfilmt und auf die Bühne gebracht.

Am 06.02. ist der 110. Jahrestag der Schriftstellerin und Berlin-Woman.

Das kunstseidene Mädchen auf Berlin-Woman

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