Was können wir begreifen? Zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Gedenkorte: Auschwitz/Birkenau

70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz auf Berlin-WoMan
Bild: de.wikipedia.org

Morgen, den 27.01.2015 ist es 70 Jahre her, dass das Konzentrationslager Auschwitz/Birkenau von Soldaten der Roten Armee befreit wurde. Überall in den betroffenen Ländern gibt es Gedenkveranstaltungen. In Auschwitz werden 40 Staats- und Regierungschefs, Außenminister und Parlamentspräsidenten erwartet, in Berlin kommen schon heute Überlebende und Politiker/innen, darunter Angela Merkel zu einer Gedenkfeier in der „Urania“ zusammen. Es wird eine der letzten Gelegenheiten sein, die direkten Zeugen des Holocaust zu hören. Was können wir heute von Auschwitz begreifen?

 

Das Stammlager Auschwitz mit der zynischen Torbogenaufschrift „Arbeit macht frei“ wurde 1940 im Sperrgebiet der polnischen Gemeinde Oswiecim errichtet. 1941 kam das zehnmal größere KZ Birkenau mit Gaskammern und Krematorien hinzu. Sukzessive wurde es zum größten NS-Vernichtungslager ausgebaut und umfasste 40 qkm. Hier erfolgte die systematische Vernichtung von Juden, Sinti und Roma, politischen Häftlingen und anderen Opfern, insgesamt fanden hier 1,1 Mio Menschen den Tod.

Die Zeugnisse des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß und des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann geben minutiösen Einblick in die Technokratie der Massenvernichtung. Empathiefrei und mit pervertierter Logik gingen die beiden Macher von Auschwitz ans Werk. Ihr inhumanes Management lässt sich kaum besser als mit Hannah Arendts „Banalität des Bösen“ beschreiben. Wissenschaftlich, dokumentarisch und literarisch ist der Holocaust mit seiner Symbolstätte Auschwitz so gut aufgearbeitet wie kein anderer Völkermord. Seit 1979 steht Auschwitz auf der Liste des Unesco-Welterbes, seit 2005 ist der Tag der Befreiung von Auschwitz ein internationaler Gedenktag für die NS-Opfer.

Doch befindet sich Auschwitz „jenseits der Tränen“ wie es der Schriftsteller George Tabori bezeichnete. Er habe beim Besuch des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau nichts für sich gefunden, obwohl sein Vater dort 1944 ermordet wurde. Als geschichtliches Ereignis können wir den Holocaust erfassen, begreifen können wir ihn nicht. Von daher ist es wichtig, den Überlebenden zuzuhören, solange die Möglichkeit besteht. Als Erinnerung, als Warnung und nicht zuletzt als Chance der Traumaverarbeitung sind ihre Worte von unschätzbarem Wert.

Die Gedenkfeierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz in Berlin und Auschwitz werden am 26.01.2015 ab 14:00 Uhr aus der Urania und am 27.01.2015 ab 9:00 Uhr aus Auschwitz/Birkenau live im ZDF übertragen.

ZDF-Infos

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