Berlin-Women: Mascha Kaleko

Berlin-Women

 Mascha Kaleko auf Berlin-Woman

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Man bezeichnete sie als „weiblichen Kästner“. Ironisch-zärtlich beschrieb die Dichterin Mascha Kaléko das Berliner Großstadtleben der 1920er und frühen 30er Jahre: die Liebe, Abschiede, die Einsamkeit, finanzielle Nöte und die Sehnsucht. Mit 22 veröffentlichte die Jüdin ihre ersten Gedichte. Erfolg stellte sich ein, bis die Nationalsozialisten die Macht ergriffen. Mascha Kaléko ging ins Exil, aber ihre zeitlosen Gedichte blieben im Gedächtnis ihrer Leser/innen. Heute gilt die Dichterin als Hauptvertreterin der „Neuen Sachlichkeit“:

 

Mascha Kaléko, geb. Golda Malka Aufen (07.06.1907-21.01.1975) ist eine galizisch-deutsche Schriftstellerin und Lyrikerin. Sie stammt aus einer jüdischen Familie aus Galizien. 1914 kam sie nach Deutschland, 1918 nach Berlin. Parallel zur ihrer Ausbildung als Sekretärin besuchte Mascha Kaleko Philosophie- und Psychologiekurse an der Lessing-Hochschule und der HU. 1928 heiratete sie den Hebräisch-Lehrer Saul Aaron Kaleko und nach ihrer Scheidung 1938 den Musikwissenschaftler und Dirigenten Chemjo Vinaver.

Freundschaftliche Verbindungen zur literarischen Bohème – Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Joachim Ringelnatz, Walter Mehring, Klabund und auch Else Lasker-Schüler – wiesen ihr den Weg in die Großstadtlyrik. 1929 veröffentlichte Mascha Kaleko die ersten Verse. Bald wurden sie in allen großen Zeitungen: Vossischen Zeitung“, „Berliner Tageblatt“,„Der Querschnitt“, „Simplicissimus“ und in „Der Weltbühne“ abgedruckt. Die gelungene Mischung aus Situationskomik, zärtlicher Ironie und Melancholie machte ihre Gedichte zu Publikumslieblingen. Die vertonten Texte erklangen im Radio und auf den Berliner Kabarettbühnen, u.a. von Claire Waldoff und Rosa Valetti vorgetragen. Eine Gedichtsammlung unter dem Titel: Lyrisches Stennogrammheft erschien 1933, das noch im selben Jahr der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten zum Opfer fiel.

Um der zunehmenden Verfolgung und Reglementierung durch die NS-Herrschaft zu entkommen, wanderte Mascha Kaleko mit ihrem Mann und Sohn nach New York aus. Die Lyrikerin hielt die Familie mit Arbeiten als Werbetexterin und Journalistin über Wasser. In satirischen Gedichten hielt sie ihre Exilerfahrungen fest. Der Wiederabdruck des Lyrischen Stennogrammheftes bescherte ihr 1956 ein Comeback. 2 Wochen führte es die Bestsellerlisten an, und Mascha Kaleko ging auf erfolgreiche Lesetournéen durch Europa.
Doch die Schatten der Vergangenheit verfolgten sie weiter. 1960 verweigerte sie den Fontane-Preis der Westberliner Akademie der Künste, da in der Jury das ehemalige SS-Mitglied Hans Egon Holthusen saß. Im selben Jahr wanderte die Lyrikerin mit ihrem Mann nach Israel aus. Hier wurde sie nicht heimisch. Krankheiten und der kurz aufeinander folgende Tod ihres Sohnes und Mannes setzten ihr sehr zu.

Bis zuletzt verfasste sie Gedichte. Auch plante sie, sich wieder in Berlin niederzulassen. Doch auf der Rückkehr von Berlin nach Jerusalem starb sie am 21.01.1975 an Magenkrebs.

 Thank you Mascha!

Die Gedichte von Mascha Kaléko

2 Gedanken zu „Berlin-Women: Mascha Kaleko

  1. Lieber Herr Walter, im Fall von Masha Kaleko ist es ein Muss, von ihrer Religionszugehörigkeit zu sprechen. Kaleko ist unter großen Entbehrungen emigriert und hat 1960 den Fontanepreis der Akademie der Künste wegen der NS-Vergangenheit eines Jurymitglieds verweigert. Bitte schauen Sie sich die aktuelle Kurzbiografie von Kaleko auf Berlin-Woman an. Da geht es auch um die Gesamtausgabe im dtv-Verlag. Es wird, es wird, und das freut uns für die jüdisch stämmige und gläubige hochbegabte Lyrikerin.

  2. „Mit 22 veröffentlichte die Jüdin ihre ersten Gedichte“: Warum steht da „die Jüdin“ und nicht einfach „sie“? Ist das so wichtig, dass sie „Jüdin“ war? Nicht einmal die Nazis haben es gewusst – bis 1935 (Ausschluss aus der „Reichsschrifttumskammer“) haben sie es nicht gewusst, so sind ihre Bücher nicht verbrannt worden und mussten erst 1937 zurückgezogen werden (Publikationsverbot).
    Es ist schön, wenn sich in Berlin endlich mal was tut für Mascha Kaléko! Die so genannten Literarischen Reiseführer Berlin halten die Autorin nicht einmal der kleinsten Erwähnung wert! Z. B. Holger Tegtmeier, Breitseite Berlin. Literarische Streifzüge (Artemis&Winkler 2004) oder: Silvio Vietta (Hrsg.) Das literarische Berlin im 20. Jahrhundert (Reclam 2001)

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