„Barnimstraße 10. Das Berliner Frauengefängnis 1868–1974“, Lesung mit Claudia von Gélieu, heute, den 21.01.2015

 Gedenkorte: Das Berliner Frauengefängnis, Barnimstraße

Frauengefängnis Barnimstraße auf Berlin-Woman

Das Frauengefängnis Barnimstraße war 1864-1974 die zentrale Frauenhaftanstalt im Berliner Ortsteil Königsstadt, heute: Friedrichshain. Hier wurden u.a. Widerständlerinnen und politisch Verfolgte inhaftiert, Rosa Luxemburg saß 1907 und 1915/16 ein. Die Geschichtsforscherin Claudia von Gélieu stellt heute die vollständig überarbeitete Neuauflage ihres Buches „Barnimstraße 10. Das Berliner Frauengefängnis 1868–1974“ im Friedrichshain-Kreuzberg-Museum vor:

 

1868 wurde das Königlich-Preußische Weiber-Gefängnis gegründet und im ehemaligen Schuldgefängnis, einem Bau der Architekten Hans Zimmermann und Albert Cremer, untergebracht. Bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten machten Prostituierte und Frauen, die Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen hatten, den Großteil der Häftlinge aus. Denn erst mit dem 1927 verabschiedeten Reichsgesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten wurde Prostitution teilweise straffrei. Bis 1926 konnten Abtreibungen mit bis zu 10 Jahren Gefängnis bestraft werden.

Der andere Teil der Häftlinge waren politisch verfolgte Frauen. Das Preußische Vereinsgesetz (bis 1908) und das Sozialistengesetz (1878-1890) verbot Frauen, sich in politischen Vereinen und in sozialistischen und sozialdemokratischen Organisationen außerhalb des Reichstags und der Landtage zu engagieren. Hinzu kamen Frauen, die sich während des 1. Weltkriegs als Kriegsgegnerinnen auswiesen. Rosa Luxemburg büßte hier 1907 und 1915/16 ihre Haftstrafen ab. Ihre Zelle wurde zu DDR-Zeiten als Gedenkstätte eingerichtet.

In der NS-Zeit wurde das Frauengefängnis Zwischenstation zu verschiedenen Hinrichtungsstätten, darunter Plötzensee. Das betraf über 300 Frauen aus dem Widerstand – der Roten Kapelle und dem Attentat gegen Hitler am 20.06.1944. Bis Ende der 1930er Jahre transportierte man auch inhaftierte Frauen von der Barnimstraße in die Konzentrationslager Moringen und Ravensbrück.

Bis zum Abriss des Gebäudes 1974 inhaftierte man in der DDR Fälle der Spionage, des Passvergehens, der Republikflucht und Prostitution. Nun erinnert in der Weinstraße eine Stele an die Inhaftierung von Rosa Luxemburg, auch gibt es eine Tafel zum Gedenken an die ermordeten Widerstandskämpferinnen. 2015 wird der Hörweg durch ein Gefängnis für Frauen und 5 politische Systeme des Künstlers Christoph Meyer eröffnet.

Heute präsentiert Claudia Gélieu die Neuauflage ihres Buches über das Frauengefängnis Barnimstraße im Friedrichshain-Kreuzberg-Museum. Sie hat neues Material, u.a. Interviews mit Inhaftierten zusammengetragen. Christoph Meyer wird das Projekt seines Hörwegs vorstellen.

Buchpräsentation: Claudia von Gélieu, „Barnimstraße 10. Das Berliner Frauengefängnis 1868–1974“, Metropol Verlag Berlin 2014, Mittwoch, 21.01.2015, 19:00 Uhr, Dachgeschoss des FHXB Museums, Adalbertstraße 95A, 10999 Berlin-Kreuzberg, U Kottbusser Tor

Claudia Gélieu über ihre Recherchen auf youtube

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