World-Women: Margarete Schütte-Lihotzky, die Erfinderin der „Frankfurter Küche“

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"Margarete Schütte-Lihotzky Brandstätter Verlag" by Source (WP:NFCC#4). Licensed under Fair use via Wikipedia - http://en.wikipedia.org/wiki/File:Margarete_Sch%C3%BCtte-Lihotzky_Brandst%C3%A4tter_Verlag.jpg#mediaviewer/File:Margarete_Sch%C3%BCtte-Lihotzky_Brandst%C3%A4tter_Verlag.jpg
„Margarete Schütte-Lihotzky Brandstätter Verlag“ by Source (WP:NFCC#4). Licensed under Fair use via Wikipedia – http://en.wikipedia.org/wiki/

Mit ihrer „Frankfurter Küche“ entwarf Margarete Schütte-Lihotzky den Urtyp der modernen Einbauküche. Lihotzky war die erste studierte Architektin Österreichs. Laut ihr hatte 1916 niemand daran geglaubt, dass eine Frau je beauftragt würde, ein Haus zu errichten. Das Wirken der erfolgreichen Architektin bewies das Gegenteil:

 

Margarete Lihotzky (23.01.1897-18.01.2000) stammt aus einer liberalen, kulturell interessierten Wiener Familie. Ihre Mutter war mit dem Berliner Museumsgründer Wilhelm von Bode verwandt. Als erste Frau wurde Lihotzky zum Architekturstudium an der k.k. Kunstgewerbeschule (heute Universität für angewandte Kunst Wien) zugelassen, wo sie 1915-1919 bei Oskar Strnad und Heinrich Tessenow studierte. Hier erhielt sie das Rüstzeug zur Planung und Realisierung sozialer Wohnbauten. Noch vor dem Diplom wurden ihre Entwürfe prämiert.

Dann arbeitete sie mit ihrem Mentor Adolf Loos in einem Wiener Wohnungsbauprojekt für Kriegsinvaliden und führte weitere Aufträge für Wohnbauten, Kleingartensiedlungen und Kindergärten aus. 1926 holte sie der Architekt Ernst May nach Frankfurt/M., wo sie die Frankfurter Küche entwickelte. Modell war die Speisewagenküche der Eisenbahn, die Lihotzky in das „Labor einer Hausfrau“ umwandelte. Der Entwurf wurde ein großer Erfolg und die Küche in 3 Varianten 15.000 Mal aufgelegt.

1927 heiratete Lihotzky ihren Kollegen Wilhelm Schütte, entwarf zwei Reihenhäuser mit je 35 qm Wohnraum für die Wiener Werkbundsiedlung und spezialisierte sich auf Kinderbauten. 1930 folgte sie der Städtebaugruppe um Ernst May in die UdSSR, mit der sie bis 1937 zusammenarbeitete. Infolge der NS-Herrschaft in Österreich und Deutschland kehrte die Architektin nicht in ihre Heimat zurück, sondern ging nach London, Paris und 1938 nach Istanbul, wo sie an der Akademie der bildenden Künste unterrichtete und sich im antifaschistischen Widerstand engagierte.

1939 trat sie der österreichischen kommunistischen Partei bei, reiste 1940 nach Wien, wurde kurze Zeit nach ihrer Ankunft festgenommen und zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis zur Befreiung 1945 saß sie im Frauenzuchthaus Aichach/Bayern ein. Danach wirkte die überzeugte Kommunistin als Beraterin der VR China, Kubas und der DDR und entwarf verschiedene öffentliche Gebäude.

Margarete Schütte-Lihotzky wurde spät geehrt: 1977 erhielt sie die Joliot-Curie-Medaille für ihre Leistungen der Weltfriedensbewegung, 1980 den Architekturpreis der Stadt Wien und 1995 den Ehrenpreis für Wissenschaft und Kunst. 1985 erschienen ihre Erinnerungen aus dem Widerstand sowie 2004 das posthum entdeckte Manuskript: Warum ich Architektin wurde. Am 18.01.2000 starb Lihotzky im Alter von 103 Jahren. Ihr Ehrengrab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof.

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