Charlie Hebdo – Berlin-WoMan über Freiheit und Mut in der Karikatur

 Je suis Charlie

Je suis Charlie auf Berlin-Woman

Seit dem 7.01.2015 ist „Charlie Hebdo“ ein weltbekanntes Satiremagazin. Bei dem islamistisch motivierten Anschlag der Terroristen Saïd und Chérif Kouachi auf die Redaktion in Paris kamen 12 Personen zu Tode, darunter der Herausgeber Stéphane Charbonnier, seine Zeichner und Mitarbeiter. Überall gibt es Solidaritätsbekundigungen und Totenwachen. In der Presse sind heftige Diskussionen über die Gefahr der Islamisierung und die Presse-, Meinungs- und Religionsfreiheit entbrannt. Dazu gehört auch die Freiheit der Kunst in Form von Karikatur und Satire. Hier das Statement von Berlin-Woman:

 

Das französische Satiremagazin Charlie Hebdo, bekannt für seine pointierten Statements zu religiösen, politischen und gesellschaftlichen Themen, lebt mit der Bedrohung. Unerschrocken wenden sich seine Künstler und Autoren gegen religiöse Verblendung und Fanatismus, darunter auch die des Islam. So veröffentlichte das Magazin 2006 die Mohammed-Karikaturen aus der dänischen Jyllands-Posten, die damals Demonstrationen, diplomatische Konflikte und eine Diskussion über Kunst-, Presse- und Meinungsfreiheit provoziert hatten. 2012 wurde ein Brandanschlag auf die Redaktion verübt, nachdem sie ein Sonderheft zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien herausgebracht hatte. Gegen den Chefredakteur Charbonnier wurden Morddrohungen geäußert.

Am 07.01.2015 kündigte Charlie Hebdo den neuen Roman von Michel Houellebecq „Soumission“ an, der ein islamisiertes Frankreich beschreibt. Das wurde der Auslöser des Anschlags auf die Redaktion, bei dem Charbonnier, die Zeichner und Mitarbeiter: Jean Cabut, Bernard Verlhac, Philippe Honoré, Georges Wolinski, Bernard MarisMustapha Ourrad, Michel Renaud, die Psychiaterin und Psychoanalytikerin: Elsa Cayat, der Hausmeister des Redaktionsgebäudes: Frédéric Boisseau und die Polizisten Ahmed Merabet und Franck Brinsolaro getötet wurden. Die Terroristen wurden am 09.01. gefasst und erschossen.

Das Ereignis ist ein massiver Angriff auf die demokratischen Grundfesten. Es macht deutlich, dass unser freiheitlicher Raum in anderen Staatsformen und Religionen als Provokation, Niedergang und seinerseits als zu bekämpfende Gefahr angesehen wird. Im aktuellen Zusammenhang richtete sich der Hass auf die Karikatur, eine Kunstform, die ausgerechnet in Frankreich auf eine lange Tradition zurückblickt.

Die Karikatur ist da stark, wo die Worte fehlen. Sie nimmt herrschende Werte, gesellschaftliche und politische Verhältnisse, Ereignisse und Entscheidungen aufs Korn, sie übertreibt und verzerrt deren Erscheinungsbild und das ihrer Akteur/innen. Es entsteht ein Freiraum zwischen Realität und Bild, der die Betrachter/innen zum Nachdenken bewegen soll. Die Karikatur ist eine friedfertige Waffe. Dennoch kann sie viel auslösen und bewirken.

Schmerzhaft haben wir beim Attentat auf Charlie Hebdo erfahren müssen, was passiert, wenn die fantastische Kunst der Karikatur auf religiöse Fanatiker stößt. Im Islam, wo man sich „kein Bild“ von Allah machen darf, wird sie nicht verstanden, sondern wörtlich genommen. Sie gilt als kriegerischer Angriff und nicht als mit Witz und Satire aufgeladener Anstoß, um über sich und sein Umfeld nachzudenken. Humorvolle Selbstreflexion existiert im fanatischen islamischen Glauben nicht. Dass deshalb gemordet wurde, ist fürchterlich, ja unvorstellbar!

Derzeit reagieren die Vertreter von Karikatur und Satire auf die einzig richtige Weise. Die „Titanic“ eröffnete auf Twitter einen Liveticker mit Beiträgen zahlreicher Karikaturisten und postete einen Artikel über den Witz auf ihrer Website. Die Karikaturisten der Süddeutschen.de haben eine Bildstrecke zum Thema erstellt. In einem Interview erklärte der Karikaturist Klaus Stuttmann, dass es in der Demokratie keine satirefreie Zonen geben kann. Und Charlie Hebdo wird am Mittwoch, den 14.01.2015 eine Ausgabe unter dem Titel „Le Journal des Survivants“ (Das Journal der Überlebenden) herausbringen.

Die Kunst muss dem Fanatismus die Stirn bieten, gerade jetzt!

Mahnwache im Gedenken an die Opfer der Terroranschläge auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“, So 11.01.2015, 15:00 Uhr am Pariser Platz vor der Französischen Botschaft in Berlin-Mitte.

Es lebe der Witz, Titanic

Titanic, Lifeticker

Klaus Stuttmann im Interview, Tagesspiegel

Man ist nicht mehr frei, Süddeutsche.de

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