Berlin-Women: Julie Wolfthorn, Secessionistin

Berlin-Women

Bild: de.wikipedia.org
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Paris, das Mekka für Künstlerinnen Ende des 19. Jahrhunderts! Die Malerin, Zeichnerin, Grafikerin und Illustratorin Julie Wolfthorn besuchte hier die berühmte Académie Julian. In Berlin wird sie dann eine von 4 weiblichen Gründungsmitglieder der Berliner Secession, dem fortschrittlichsten Künstlerverband um 1900. Julie Wolfthorn zählt zur Creme de la Creme der Berliner Moderne … bis die Nationalsozialisten die Macht ergreifen. Am 08.01. ist der Jahrestag der hervorragenden Malerin.

 

Julie Wolfthorn, bürgerlich Julie Wolff in Thorn (08.01.1864-29.12.1944) verlor früh ihre Eltern, das jüdisch stämmige Ehepaar Mathilde und Julius Wolf. In Berlin, wo sie seit 1883 bei Verwandten aufwuchs, besuchte sie um 1890 die Damenmalschule von Curt Herrmann. Da die deutschen Akademien keine Frauen zuließen, reiste sie nach Paris, um an der Académie Colarossi und der Académie Julian zu studieren. Hier erwarb sie das Rüstzeug für eine Existenz als sehr erfolgreiche moderne Künstlerin.

Wolfthorn gehörte zu den wenigen Frauen, die regelmäßig Aufträge des angesagten Jugenstil-Magazins: Die Jugend erhielten. Sie erstellte Illustrationen und Titelblätter. 1898 wurde sie dann eine von 4 weiblichen Gründungsmitgliedern der Berliner Secession unter dem Vorsitz von Max Liebermann. 1904 eröffnete sie ihre eigene Malschule und heiratete den Kunstkritiker Rudolf Klein-Diepold. Immer wieder hielt sie sich in verschiedenen Künstlerkolonien: Ascona, Dachau, Hiddensee und Worpswede auf, um sich jenseits der akademischen Kunst zu inspirieren und fortzubilden.

Die Emanzipation der Künstlerinnen war ihr ein großes Anliegen: So gründete sie gemeinsam mit Käthe Kollwitz die Verbindung bildender Künstlerinnen, war Mitglied im Verein der Berliner Künstlerinnen, im Deutschen Lyceum-Club, in der GEDOK und der Jury der Berliner Secession. Regelmäßig stellte sie auf den großen Kunstschauen in Berlin aus. Eines ihrer Spezialgebiete wurde die moderne Portraitmalerei. Zahlreiche Prominente, wie Ida und Richard Dehmel, die Familie Mosse, Gustav Landauer und Tilla Durieux ließen sich von Julie Wolfthorn malen.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 nahm ihr Erfolg ein jähres Ende. Wolfthorn erhielt Mal- und Publikationsverbot und musste ihre Ämter niederlegen. Bis 1941 blieb sie im Jüdischen Kulturbund aktiv, malte weiter und gab Unterricht. Im Oktober 1942 wurde sie gemeinsam mit ihrer Schwester in das Gettho Theresienstadt deportiert, wo sie im Dezember 1944 starb. Noch im Lager fertigte sie Zeichnungen an.

Werke der Künstlerin befinden sich in der Nationalgalerie und im Kupferstichkabinett der Museen Preußischer Kulturbesitz, in der Berlinischen Galerie, im Centrum Judaicum, im Deutschen Historischen Museum und im Literaturarchiv Marburg. Seit 1998 gibt es den Julie-Wolfthorn-Freundeskreis.

Julie  Wolfthorn auf Berlin-Woman

Ein Gedanke zu „Berlin-Women: Julie Wolfthorn, Secessionistin

  1. Danke! Nächsten Geburtstag feiern wir auch wieder: „Julie Wolfthorn – an ihrem
    152. Geburtstag. Erfolgreiche
    Künstlerin, Secessionsmitglied,
    Jüdin – ihr Leben und Werk“,
    Sabine Krusen, Dipl.-Slawistin,
    Mitbegründerin des Julie Wolfthorn
    Freundeskreises
    am 8.1.2016 beim Symposium im Potsdam Museum

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