Berlin-Women: Grete Stern, Fotografin und Gestalterin

Berlin-Women

Grete Stern, Selbstportrait 1935, Neuvergrößerung 1958 Bauhaus-Archiv BerlinBild: bauhaus-online.de
Grete Stern, Selbstportrait 1935,
Neuvergrößerung 1958
Bauhaus-Archiv Berlin. Bild: bauhaus-online.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grete Stern (09.05.1904-24.12.1999) ist eine deutsch-argentinische Fotografin und Designerin. Als Part des Berliner Fotografinnenduos ringl + pit und mit ihren ironisch-experimentellen Motiverfindungen prägte sie die internationale Portrait- und Werbefotografie ihrer Zeit maßgeblich mit.

 

Grete Stern ist eine Zeitgenossin von Else Lasker-Schüler, Milly Steger und Jeanne Mammen. Sie wächst in einer wohlhabenden Familie in Wuppertal auf. Schon als junges Mädchen legt sie eine ausgesprochene Selbständigkeit an den Tag, lässt sich einen Bubikopf schneiden, sucht ihre Kleidung selbst aus und geht 1924 nach Stuttgart, um an der Kunstgewerbeschule am Weißenhof Grafik zu studieren. 1927 beginnt sie in Berlin eine Ausbildung in Fotografie beim Bauhaus-Künstler Walter Peterhans. Bis 1933 wird sie immer wieder Fotokurse bei ihrem Lehrer in Dessau und Berlin absolvieren.

Dabei lernt sie ihre zukünftige Partnerin Ellen Auerbach kennen. Die beiden gründen 1930 das Foto- und Werbestudio ringl+pit, das auf einer bis 1933 bestehenden Arbeits-, Wohn- und Lebensgemeinschaft beruht. Das Duo erstellt experimentelle, dadaistisch-surrealistische Entwürfe, die Werbung und Kunst zugleich sind. Ihre Werbemotive, u.a. für das Rachitis-Medikament Heliocitin, das Haartonikum Pétrole Hahn und den Haartöner Komol zeigen die Rolle der Frau mit feinem Witz und Ironie. 1933 erhalten ringl+pit den 1. Preis der 12. Internationalen Ausstellung für Fotografie und Film.

Im selben Jahr verlassen die jüdisch stämmigen Künstlerinnen das nationalsozialistische Deutschland. Grete Stern emigriert nach London, wo sie bis 1936 als freiberufliche Werbe- und Portraitfotografin tätig ist. U.a. portraitiert sie Helene Weigel und Bertolt Brecht. Mit dem argentinischen Fotografen Horacio Coppola, den sie 1935 heiratet, emigriert sie 1936 nach Buenos Aires, eröffnet ein Werbe-und Fotostudio und führt ein offenes Künstlerhaus. In ihrem Kreis verkehren Jorge Luis Borges, Pablo Neruda, Renate Schottelius, Clément Moreau, María Elena Walsh und die Psychoanalytikerin Marie Langer.

Grete Stern setzt sich maßgeblich für die moderne Fotografie in Argentinien ein und wird zu einer der führenden Fotografinnen des Landes. 1943 veranstaltet sie eine vielbeachtete Ausstellung in den Redaktionsräumen des Magazins Sur, fertigt für die argentinische Frauenzeitschrift Idilio eine Serie von experimentellen Fotomontagen an und erstellt 1958-64 eine Sozialdokumentation mit 1.500 Aufnahmen der indigenen Bevölkerung des Gran Chaco im Norden Argentiniens. Bis 1970 ist sie am Nationalmuseum für Bildende Künste in Buenos Aires als Fotografin tätig. Grete Stern fotografiert bis zu ihrem 81. Lebensjahr, hochbetagt stirbt sie 1999 in Buenos Aires.

Am 24.12. jährt sich ihr Todestag zum 15. Mal.

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