World-Women: Camille Claudel (8.12.1864-19.10.1943), Bildhauerin

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Bild: en.wikipedia.org
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„Die Natur hatte sich ihr gegenüber verschwenderisch gezeigt; meine Schwester war von außergewöhnlicher Schönheit, dazu von einer Energie, einer Fantasie, einem Willen, die vollkommen ungewöhnlich waren.“ schrieb der Dichter Paul Claudel über seine Schwester. Am 08.12. jährte sich der Geburtstag von Camille Claudel zum 150. Mal. Die Partnerin von Auguste Rodin hatte ein begnadetes Talent und ein schweres Schicksal:

 

Camille Claudel (8.12.1864-19.10.1943) wächst in einer wohlhabenden Familie in der Champagne auf. Ihr Bruder ist der bekannte Schriftsteller Paul Claudel. Schon mit 12 Jahren hat sie den Wunsch, Bildhauerin zu werden. Bei Alfred Boucher lernt sie modellieren. Mit 16 Jahren zieht sie mit ihrer Familie nach Paris, wo sie die private Kunstschule Colarossi besucht. Ab 1882 teilt sie sich ein Gemeinschaftsatelier mit anderen Bildhauerinnen. Sie fertigt u.a. Portraitbüsten ihres Bruders Paul und der Familienangehörigen Helen an.

Alfred Boucher kommt einmal in der Woche zur Korrektur ins Atelier, 1883 vertritt ihn Auguste Rodin. Von da an bestimmt der skandalumwitterte Bildhauer Claudels Schicksal. 1885 wird sie Rodins Werkstattassistentin und begleitet ihn auf seinem Werdegang hin zu Frankreichs gefeiertem Bildhauerstar. Claudel sitzt Modell, fertigt Hände und Füße seiner Bildwerke an, wird seine künstlerische Beraterin und seine Geliebte. Das Paar legt 1886 die Rechten und Pflichten ihrer Liebe in einem Vertrag fest, den Rodin aber nicht einhält. Claudels Familie ist mit dem 23 Jahre älteren, und bereits mit Rose Beuret liierten Mann nicht einverstanden. Camille Claudel zieht aus der elterlichen Wohnung aus und teilt sich bis 1893 mit Rodin ein Atelier im Schlösschen Palais Folie-Neufbourg, wo schon George Sand gewohnt hatte.

Künstlerisch entwickelt Camille Claudel eine eigene Formensprache. Skulpturen wie „der Walzer“: ein tanzendes Paar, „Clotho“: eine zur Furie gewordene alte Frau oder „das reife Alter“: eine aufwendige Dreiergruppe zum Thema Abschied drücken seelische Vorgänge aus. Parallel zu diesen symbolträchtigen Arbeiten schafft die Bildhauerin lebensechte Portraits und Alltagszenen in Miniaturformat, in denen sie das Raumthema neu definiert.

Während Rodin 1900 seine größten Erfolge feiert, häufen sich bei der Künstlerin die Schwierigkeiten. Aufträge werden zurückgezogen, öffentliche Kunstankäufe scheitern, Rodin erwirbt hinter ihrem Rücken die Clotho-Skulptur. Die Rehabilitationsversuche der Bildhauerin durch den jungen Kunsthändlers Eugène Bloth kommen zu spät. Nach einer von ihm initiierten Werkausstellung 1905 zerstört die Künstlerin einen Teil ihrer Arbeiten mit dem Hammer. Infolge massiver gesundheitlicher und psychischer Probleme wird die Bildhauerin 1913 in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, wo sie bis zu ihrem Tod bleibt. Sie wird nie wieder zeichnen oder modellieren.

Claudels Werke befinden sich im Privatbesitz, im Musée d`Orsay und im Musée Rodin in Paris. Ihr Leben und Werdegang wurden 1988 mit Isabelle Adjani als Camille Claudel und Gérard Depardieu als Rodin unter der Regie von Bruno Nuytten verfilmt.  Aktuell zeigt das Musée Roubaix a Piscine/Lille in Frankreich eine Retrospektive.

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