Berlin-Women: Louise Aston, Schriftstellerin und Revolutionärin

Berlin-Women

Bild: de.wikipedia.org
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Sie glaubt nicht an Gott und raucht Zigarren. Sie beabsichtigt, die Frauen zu emanzipieren und sollte es ihr Herzblut kosten. Sie hält die Ehe für ein unsittliches Institut, so heißt es im Berliner Polizeibericht über Louise Aston 1846. Am 26.11.2014 jährte sich der Geburtstag der Schriftstellerin, Revolutionärin und Frauenrechtlerin zum 200. Mal. Hier erfahrt ihr mehr über die Vorkämpferin für ein freies emanzipiertes Frauenleben:

 

Louise Aston, geb. Louise Franziska Hoche, verh. Louise Meier (26.11.1814-21.12.1871) wächst in einer großbürgerlichen Familie auf, erhält Privatunterricht und wird als 17jährige mit dem englischen Industriellen Samuel Aston verheiratet. Er ist 23 Jahre älter als sie. Das Paar wird 3 Töchter haben, Aston hat 4 weitere uneheliche Kinder von 3 Frauen. Die Ehe wird 1839 geschieden, nach einer erneuten Verheiratung trennt sich das Paar 1844 endgültig.

Louise Aston zieht mit ihrer 2. Tochter nach Berlin, wo sie eine kurze Liebesbeziehung mit dem Dramatiker Rudolf Karl Gottschall eingeht. Sie entscheidet sich für die literarische Laufbahn, verfasst Gedichte, Abhandlungen und Romane. In ihrem 1. Roman: Aus dem Leben einer Frau von 1847 verarbeitet sie ihr Ehetrauma.

Die Schriftstellerin trägt Hosen, raucht Zigarren, geht in die Männer-Debattierclubs und gründet den Club der Emanzipierten Frauen. Ihr Bekenntnis zu einem freien Lebenswandel, das sich auch in ihrem erotisch-freigeistigen Gedichtband: Wilde Rosen von 1846 widerspiegelt, lässt sie zu einer staatsgefährdenden Persönlichkeit werden. Sie wird überwacht und aus Berlin ausgewiesen, wohin sie 1848 wieder zurückkehrt. Hier schließt sie sich den Freischärlern an, arbeitet als Pflegerin im Freikorps von Ludwig van der Tann. Sie gibt ihre eigene Zeitschrift: Der Freischärler heraus, die verboten wird. Aston flüchtet nach Bremen und schreibt den Roman: Revolution und Contrerevolution.

Ihr 2. Ehemann, der Mediziner Daniel Eduard Meier, den sie im Freikorps kennengelernt hat, wird inhaftiert und erst 1854 frei gelassen. Das Paar muss Deutschland verlassen. Aston und Meier arbeiten im Krimkrieg im medizinischen Dienst. 20 Exiljahre führen sie in die Ukraine, nach Siebenbürgen, Ungarn und Österreich. Ihr letzter Aufenthalt ist Wangen im Allgäu, wo Aston im Alter von 57 Jahren stirbt.

Aktuell hat Barbara Sichtermann eine Hommage an Louise Aston verfasst: Ich rauche Zigarren und glaube nicht an Gott, die in der edition ebersbach erschienen ist.

Bibliographie: Wilde Rosen (Gedichtband, Berlin 1846). Meine Emancipation, Verweisung und Rechtfertigung (Brüssel 1846). Aus dem Leben einer Frau (Roman, Hoffmann u. Campe 1847. Neudr. Stgt. 1982). Lydia (1848). Der Freischärler, Nr.1-7, Jg.1 (1849). Revolution und Contrerevolution (Roman,  Mannheim 1849). Freischärler-Reminiscencen (Leipzig 1850).

Im Gutenberg-Projekt steht der Roman: Lydia von 1848 zur Verfügung.

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