World-Women: Sonia Delaunay

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Bild: vitra  www.design-museum.de

Ob Malerei oder Mode. Sonia Delaunay machte keinen Unterschied zwischen bildender und angewandter Kunst. Auf den Pariser Künstlerfesten trug sie ihre von der eigenen abstrakten Malerei inspirierten Simultankleider. Und hielt die Events, wie auf ihrem berühmten Gemälde „le Bal Bullier“ von 1913, als Farbkomposition fest. Die Künstlerin, die lange Zeit im Schatten ihres berühmten Ehemannes Robert Delaunay stand, wirkte in der Avantgarde des 20. Jahrhunderts maßgeblich mit. Am 05.12. vor 35 Jahren starb die Malerin und Designerin hochbetagt in Paris.

 

Sonia Delaunay-Terk, geb Sarah Ilinitchna Stern (14.11.1885-05.12.1979) stammt aus der Ukraine. Nach einem Malereistudium in St. Petersburg absolvierte sie ein Zeichenstudium an der Karlsruher Akademie der Bildenden Künste. 1904 ging es nach Paris, wo sie die Académie de la Palette besuchte und ihre künstlerischen Vorbilder Vincent van Gogh, Matisse und Paul Gauguin entdeckte. Eine kurze Ehe mit dem Kunsthändler Wilhelm Uhde führte sie in die Pariser Kunstszene ein.

Nach der Scheidung heiratete sie 1910 den aufstrebenden Pariser Avantgardekünstler Robert Delaunay. Gemeinsam entwickelte das Künstlerpaar 1912 den Orphismus, eine spezifische Richtung des Kubismus auf Grundlage des Farbsystems von Eugène Chevreul. Parallel dazu verfolgte die Künstlerin die Idee des Simultanismus, die sie in ihre Malerei, Mode und angewandte Kunst umsetzte. U.a. entstand das 2 m lange simultane Buch: Prose du Transsibérien et de la petite Jehanne de France nach einem Gedicht von Blaise Cendrars. Das Buch konnte man lesen und als Kunstwerk betrachten.

Die Jahre des 1. Weltkriegs verbrachte die Familie Delaunay in Portugal und Spanien. In Madrid traf die Künstlerin den Gründer des legendären Ballet Russe, Sergei Djagilew. Zurück in Paris entwarf Sonia Delauany für ihn Kostüme und Bühnenbilder. 1925 eröffnete sie die Boutique Simultané für Mode und Accessoires. Unter diesem Label entstanden Wandteppiche, Bucheinbände, Stoffe, Mode und ganze Inneneinrichtungen. Sonia bemalte auch einen Citroen B 12, zu dem sie die passende Mode kreierte.

In den 1930er Jahren wandte sie sich wieder verstärkt der Malerei zu. Gemeinsam mit ihrem Mann stattete sie 1937 den französischen Pavillon auf der Pariser Weltausstellung aus. Nach dem Tod von Robert Delaunay 1941 widmete sich Sonia seinem künstlerischen Nachlass. Auch brachte sie ihre eigene Kunst voran und arbeitete 1942 mit dem berühmten Schweizer Künstlerpaar Hans Arp und Sophie Täuber-Arp zusammen. Sie stellte international aus und hatte als 1. Frau 1964 eine Einzelschau im Musée du Louvre. Der französische Staat zeichnete sie 1975 mit der Aufnahme in die Ehrenlegion aus. Im selben Jahr entwarf sie das Unesco-Plakat zum Internationalen Jahr der Frau. Aktuell zeigt das Musée d´ Art moderne in Paris eine Retrospektive mit 400 Werken, die bis zum 22.02.2015 zu sehen ist und dann in die Tate Modern nach London wandert.

Sonia Delaunay. Les couleurs de l’abstraction, Musée d’art moderne de la Ville de Paris, bis 22.02.2015, Tate Modern, London, 15.04.-16.08.2015

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