Berlin-WoMen: Gottfried Lindauer, Portraitmaler der Maori

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Gottfried Lindauer, Selbstportrait, Bild: de.wikipedia.org
Gottfried Lindauer, Selbstportrait, Bild: de.wikipedia.org

Ihre Gesichter sind tätowiert, sie tragen die Kleidung, die Waffen und den Schmuck ihres Maori-Stammes und posieren auf den Ölportraits, als ob sie nie etwas anderes getan hätten.  Der tschechische Maler Gottfried Lindauer brachte Ende des 19. Jahrhunderts seine Portraitkunst nach Neuseeland und den Maoris nahe.  Aktuell zeigt die Alte Nationalgalerie eine Auswahl der Bildnisse von Lindauer aus dem Museum Auckland/NZL. Hier erfahrt ihr mehr über den Künstler und seine einzigartige Portraitmalerei:

 

Gottfried Lindauer, auch Bohumir oder Gottfried Lindaur (05.01.1839-13.06.1926) ist ein tschechisch-neuseeländischer Künstler. Der Sohn eines Gärtners studierte ab 1855 an der Kunstakademie in Wien. Zunächst konzentrierte er sich auf das religiöse Genre, insbes. auf Freskenmalerei für Kirchen in Österreich. Doch die schlechte Auftragslage, der Rückgang der realistischen Malerei zugunsten der Fotografie und die drohende Einberufung zum Militärdienst im ungarisch-österreichischen Krieg führten zu seiner Entscheidung, auszuwandern. 1874 schiffte Lindauer von Hamburg nach Wellington NZL aus, das er im August erreichte. Er ließ sich in Nelson, Auckland und dann 1889 in Woodville bei Wellington nieder.

Schicksalhaft war seine Begegnung mit dem Geschäftsmann Henry Partridge, der sich für die Bewahrung der Maori-Kultur in Form ihrer visuellen Geschichte einsetzte. 30 Jahre lang gab er beim Maler Maori-Portraits und Darstellungen von traditionellen Bräuchen und Kostümen in Auftrag. Ein weiterer Förderer wurde der Rechtsanwalt Walter Buller, der für Maoris und Europäer arbeitete.

Lindauer bereiste Neuseeland und wurde zum Kenner der Maori-Geschichte und -Kultur. Zeitweise kooperierte er mit dem Fotografen Samuel Carnell. Sein Spezialgebiet wurden lebensgroße oder halblebensgroße Portraits der Maori in traditioneller Kleidung, mit Schmuck, Waffen und dem typischen Gesichts-Tattoo. Er portratierte Häuptlinge, Kämpfer, aber auch Frauen angesehener Maori-Familien. Die Maori gaben selbst Bildnisse in Auftrag. Dabei kam es vor, dass sie sich auch in europäischer Kleidung malen ließen. Für die Familien haben die Portraits einen großen Stellenwert. Sie sind Teil des Ahnenkults und bewahren für die Nachfahren den Geist der Portraitierten. Auch werfen sie ein neues Licht auf die Geschichte der Kolonialisierung, denn hier sind die Kolonialisierten die Auftraggeber der Kolonisten.

1900-1902 und 1911-1914 hielt sich der Künstler in Deutschland und Tschechien auf, wo er seine Maori-Portraits präsentierte und verkaufte.

Soeben wurde die Ausstellung  Gottfried Lindauer. Die Maori-Portraits in der Alten Nationalgalerie eröffnet. Die einzigartigen Bilder sind noch bis zum 12.04.2015 zu sehen.

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