WE mit Berlin-WoMan: der Neid in der Kunst

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Giotto, Invidia, Fresko 1306, Scrovegni-Kapelle in Padua,
Giotto, Invidia, Fresko 1306, Scrovegni-Kapelle in Padua, Bild: de.wikipedia.org

Der Neid ist gelb, er setzt finstre Triebe frei. Schon die alt-ägyptischen und antiken Götter, Göttinnen und Herrscher/innen wurden von ihm getrieben. Im Alten Testament veranlasste er Kain zum Mord an seinem Bruder Abel. Im Mittelalter wurde er zu einer der 7 Todsünden. Für Wilhelm Busch, Arthur Schopenhauer und Oskar Wilde war der Neid ein unbewußtes Zeichen der Anerkennung. In allen Epochen der Kunst taucht er als Motiv auf. Hier ein kleiner Überblick über den Neid in der Kunst:

 

Kunst und Künstler/innen kennen den Neid als Todsünde, Laster aber auch als Innovator. Er behauptet seinen festen Platz auf den Darstellungen der 7 Todsünden. Verkörpert wird er hier von der „Invidia“, einer alten Frau mit einer Schlange, die ihr ins Herz beisst oder sich aus ihrem Hals schlängelt. Denn der Neid richtet sich auch immer gegen den, der ihn fühlt. Davor warnten Giotto, Hieronymus Bosch, Pieter Bruegel und andere Alte Meister auf Fresken, Gemälden und Drucken.

Der komplexen Zerstörungswut des Neids widmete sich der Renaissancekünstler Sandro Botticelli. Meisterhaft hat er die aus der Antike überlieferte Denunziation des Malers Apelles durch einen General Alexander des Großen gegenüber König Midas in Szene gesetzt. Wie in einem Tanz agieren die Wahrheit, die Reue, der Hass, die Verleumdung, die Dummheit und die Anmaßung um Apelles und den König und zeigen: der Neid kommt nicht allein. Er zieht folgenreiche Emotionen und Handlungen mit sich.

Dass es der Neid gerade auf die Kunst abgesehen hat, machte der Barockmaler Joachim von Sandrart deutlich. Neben der Wissenschaft hielt er die Kunst als niedliche kleine Putte fest. Die Schutzgötter Saturn und Minerva wehren die Angriffe von Neid und Lüge ab. Auch hier ist der Neid eine alte Frau mit einer Schlange. In der Moderne wurde der Neid mehr und mehr als gesellschaftliches Phänomen wahrgenommen. Künstler, wie James Ensor und Marc Chagall gaben ihm eine hässliche Gestalt, Otto Dix sogar ein Hitler-Bärtchen.

Spätestens seitdem gibt es ein weiteres Neid-Phänomen in der Kunst, von dem Berlin-Woman aktuell selbst betroffen ist. Hier attackieren, übermalen, zerschneiden und zerstören Rezipient/innen Kunstwerke. Wertvolle Arbeiten von Paul Klee, Rembrandt, Michelangelo und Barnett Newman fielen bereits den Angriffen mit Farbe, Säure und Werkzeugen zum Opfer. Das Neid-Motiv der Täter/innen ist komplex. Es hat mit dem Ort, an dem die Kunst gezeigt wird, dem Wert, der Aussage des Kunstwerks sowie den Künstler/innen selbst zu tun. Die Täter/innen empfinden ein Defizit, das sie mit der Grenzüberschreitung überwinden wollen. Die dadurch erzeugte Aufmerksamkeit verschafft ihnen Befriedigung und Bestätigung.

So ist es auch in der Ausstellung „Adolescent Dreamer. Ana Bathe Soloshow“ geschehen. Auf der Vernissage übermalte eine Besucherin 3 der ausgestellten Selbstportraits von Ana Bathe. Die Ausstellung befasst sich mit der Frage nach Identitäten in der Kunst, der Genderrolle, der Kultur und der Gesellschaft. Die Täterin ist selbst Künstlerin und Feministin. Was hat sie dazu bewogen, ihre eigenen Themen zu attackieren? Das und die Bilder der Ausstellung werden wir mit Ana Bathe diskutieren. Ihr seid herzlich eingeladen:

Artist Talk mit Ana Bathe, Kreativagentur „Komet“, Prinzenstr. 7, 10969 Berlin, 29.11.2014, 18:00 Uhr.

Adolescent Dreamer, Ana Bathe Soloshow, Kreativagentur „Komet“, Prinzenstr. 7, 10969 Berlin, Do-Sa 15:30-18:30 Uhr, bis 15.12.2014

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