Berlin-WoMen: Voltaire

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Voltaire, Portrait von Maurice Quentin de La Tour, Ausschnitt, Bild: en.wikipedia.org
Voltaire, Portrait von Maurice Quentin de La Tour, Ausschnitt, Bild: en.wikipedia.org

Nieder mit den Schändlichen! Mit diesem Ausspruch bekämpfte Voltaire den kirchlichen und fürstlichen Machtmissbrauch. Er verfasste politische und historische Abhandlungen, schrieb Spottgedichte und entlarvende Theaterstücke. Die Herrschenden liebten und hassten ihn. So auch Preussenkönig Friedrich II., der ihn 1750 nach Potsdam rief. Voltaire ist einer der Urväter des freiheitlichen, demokratischen Denkens. Morgen jährt sich sein Geburtstag zum 320. Mal.

 

Voltaire, mit bürgerlichem Namen: François-Marie Arouet (21.11.1694-30.05.1778) stammt aus einer Notarsfamilie. Er besuchte das Pariser Jesuitenkolleg Louis le Grand, studierte Jura und entschied sich für eine Existenz als Autor unter dem Künstlernamen: de Voltaire. Infolge unverhohlener Kritik am französischen Hof wurde er in die berüchtigte Haftanstalt Bastille inhaftiert. Nach der Entlassung 1718 hatte er seinen Durchbruch mit dem Theaterstück:Ödipus, das vom Hugenottenkrieg handelte. Bis 1726 war er in der französischen Gesellschaft hoch angesehen. Doch dann widersetzte er sich den Beleidigungen eines Adeligen, was ihm die Verbannung nach England bescherte. Hier entstanden die Philosophischen Briefe über das tolerante englische Staatssystem. Die Briefe waren in Frankreich offiziell verboten.  Als Stimme der Freiheit kursierten sie aber im ganzen Land und machten Voltaire zum Protagonisten der Aufklärung.

Die väterliche Erbschaft, geschickte Geldgeschäfte und Liaisons mit vermögenden Frauen, u.a. mit Emilie du Chatelet, sicherten Voltaire ein unabhängiges Auskommen. Bei der Rückkehr aus der Verbannung nach Cirey sur Blaise verwiesen schrieb er: Die Zeit Ludwig des XIV und die Geschichte der Nationen. Auch übersetzte er gemeinsam mit Emilie du Chatelet Werke von Isaak Newton ins Französische.

1750 rieft ihn Friedrichs II. nach Berlin und Potsdam. Hier erschien seine Darstellung: Das Jahrhundert Ludwigs XIV, in dem er die Kulturgeschichte Frankreichs in den Mittelpunkt stellte. Doch bald zerbrach seine Hoffnung, den preussischen Regenten zum Aufbau eines idealen, aufgeklärten Staates animieren zu können. Nach schweren Konflikten floh er 1753 in die Schweiz. Seine ernüchternden Erfahrungen hielt er in dem berühmten Roman: Candide fest.

In den darauffolgenden Jahren entstanden zahlreiche Schriften, Pamphlete und historische Abhandlungen gegen die Fortschrittsverneinung, die Kirchengläubigkeit und die Metaphysik als gesellschaftliches Allheilmittel. 1764 erwarb Voltaire bei Genf 2 Landgüter, die er innovativ und aufgeklärt bewirtschaftete. Er setzte sich für die Abschaffung der Leibeigenschaft ein und schuf humane Arbeitsbedingungen. Bis zuletzt kämpfte Voltaire gegen die katholische Inquisition. 1764 veröffentlichte er das philosophische Taschenwörterbuch, das als Mao-Bibel der Aufklärung gilt. Paris durfte er zu Lebzeiten nicht mehr betreten. 1791, auf dem Höhepunkt der französischen Revolution, wurde sein Grab ins Panthéon, der Grabkirche der bedeutendsten Franzosen, umgebettet.

Écrasez l’infame!

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