WE mit Berlin-WoMan: Memento mori – der Tod in der Kunst, anlässlich der aktuellen Sterbehilfedebatte

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Bernt Notke, Totentanz, ab 1467, Nikolaikirche Tallin, Bild: de.wikipedia.org/wiki/Bernt_Notke
Bernt Notke, Totentanz, ab 1467, Nikolaikirche Tallin, Bild: de.wikipedia.org/wiki/Bernt_Notke

5 Stunden debattierte der deutsche Bundestag am 13.11.2014 über die Sterbehilfe. Persönliche Erfahrungen und die eigene Betroffenheit bestimmten die Reden der 50 Abgeordneten. Das Memento mori (gedenke, dass du sterblich bist) hält Einzug in die Politik. In der Kunst ist es längst zuhause. Hier eine kleine Geschichte über das Thema „der Tod in der Kunst“:

 

Seit jeher sorgt die Kunst dafür, dass wir uns unserer Vergänglichkeit bewusst sind. Im Mittelalter kam das Thema: Totentanz auf. Hier schwingt der Tod als Gerippe mit Personen aus allen Gesellschaftsständen das Tanzbein. Die Motive schmückten Kirchwände und wurden über den damals neuen und revolutionären Buchdruck verbreitet.

In den Vanitas-Bildern, die ihren Höhepunkt im Barock hatten, geht es um die Nichtigkeit als Anspielung auf die Vergänglichkeit. Die Vanitas-Attribute: Totenschädel, Sanduhr, eine erlöschende Kerze oder verwelkte Blumen dienten als Beweis christlicher Demut. So konnte niemand mehr den Vorwurf der Eitelkeit (eine der Todsünden) erheben, wenn sich Adelige und Reiche porträtieren ließen oder andere prachtvolle Gemälde, z.B. Stillleben, in Auftrag gaben.

Das Kruzifix, seit der Gotik gebräuchlich, rückte das Sterben selbst in den Mittelpunkt. Der gemalte und geschnitzte Jesus, ans Kreuz genagelt und von Wundmalen gezeichnet, zeigt unverblümt das Ende des Lebens. Bis heute ist die krasse Darstellung immer wieder Gegenstand von Diskussionen und Klagen. Zuletzt entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am 18.03.2011 die Zulässigkeit von Kreuzen in deutschen Klassenzimmern.

Edvard Munch, Ferdinand Hodler, Käthe Kollwitz, Otto Dix, Arnulf Rainer oder Joseph Beuys, um nur einige zu nennen, haben sich künstlerisch dem Verlust eines Nahestehenden oder der eigenen Todesangst durch Kriege und Konflikte gestellt. Ihre Werke machen Tod und Sterben nicht nur zu Themen des Lebens.  Ganz aktuell können sie als Memento mori eine Entscheidungshilfe für die Bundestagabgeordneten sein, die im kommenden Frühjahr über den Gesetzesentwurf zur Sterbehilfe befinden.

Berlin-WoMan wünscht einen lebensfrohen Samstag!

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